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	<title>Blogumschau &#187; Architektur &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Der Frankfurter „Blockupy“-Protest zur Einweihung des neuen EZB-Gebäudes</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2015 08:34:26 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Schwarze Rauchschwaden hingen gestern über Frankfurt am Main. Fahrzeuge brannten, Barrikaden wurden errichtet, Menschen verletzt. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Gewaltsame Auseinandersetzungen waren befürchtet worden – und sie traten prompt ein. Das „Blockupy“-Bündnis mobilisierte schon seit geraumer Zeit eine breite Schar linker und kapitalismuskritischer Gruppen und Organisationen aus dem In- und <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/der-frankfurter-blockupy-protest-zur-einweihung-des-neuen-ezb-gebaeudes/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_813" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/03/Rauch-über-Frankfurt.jpg"><img class="size-full wp-image-813" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/03/Rauch-über-Frankfurt.jpg" alt="&quot;Rauch über Frankfurt&quot; von  Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Rauch über Frankfurt&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Schwarze Rauchschwaden hingen gestern über Frankfurt am Main. Fahrzeuge brannten, Barrikaden wurden errichtet, Menschen verletzt. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Gewaltsame Auseinandersetzungen waren befürchtet worden – und sie traten prompt ein. Das „Blockupy“-Bündnis mobilisierte schon seit geraumer Zeit eine breite Schar linker und kapitalismuskritischer Gruppen und Organisationen aus dem In- und Ausland, um in Frankfurt zu demonstrieren. Dort wollte man die Einweihung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank (EZB) am gestrigen Mittwoch zum Anlass nehmen, um gegen die Politik der EZB, die auch Bestandteil der sogenannten „Troika“ ist, zu protestieren. Unter anderem mit Zäunen, Stacheldraht und Wasserwerfern versuchten 8000 Polizisten der Situation in der Stadt – und rund um das neue EZB-Gebäude – Herr zu werden.<br />
Die mediale Berichterstattung fokussierte schnell auf die Gewalt und die Randale in Frankfurt; die Auseinandersetzung über die inhaltlich-programmatische Dimension der Demonstration wurde durch die dramatischen Bilder in den Hintergrund gedrängt. Das ist einerseits verständlich, greift andererseits aber auch zu kurz, zumindest wenn es dabei bleibt.</p>
<p>Auf der <a href="http://blockupy.org/4998/aufruf2-18m/" target="_blank">„Blockupy“-Seite</a> kann man nachlesen, wofür die Organisatoren des Bündnisses eintreten. In einem Aufruf wird Solidarität mit den Menschen in Griechenland gefordert. Die Mehrheit der Griechen hätte sich im Rahmen einer demokratischen Wahl gegen die neoliberale Austeritätspolitik der europäischen Institutionen entschieden, dafür würden sie nun gemobbt. Um einem befürchteten Dominoeffekt in Europa entgegenzuwirken, würden die europäischen Institutionen versuchen, Griechenland einzuschüchtern, zu disziplinieren und zum Einknicken zu bringen. Als maßgeblich (mit-) verantwortlich für diese Nötigung und Erpressung der Griechen, erachten die „Blockupy“-Organisatoren die EZB, die demokratisch zudem nicht legitimiert sei. „Blockupy“ lehnt die Arbeit der EZB entschieden ab und fühlt sich auch insgesamt von den europäischen Machteliten nicht repräsentiert. Mit „massenhaften Aktionen gegen die Eröffnungsfeierlichkeiten“ des EZB-Gebäudes solle ein Zeichen gegen die verhängnisvolle Krisenpolitik gesetzt werden und Frankfurt zum Ort eines europäischen Referendums gemacht werden. Denn die europäische Sparpolitik sei nicht nur für die Griechen, sondern für ganz Europa schlecht, da sie die Prekarisierung und den sozialen Abstieg großer Bevölkerungsteile in ganz Europa vorantreibe.</p>
<p>Im <a href="http://lowerclassmag.com/2015/03/die-ezb-hat-eine-waffe-in-der-hand-und-zielt-auf-griechenland/" target="_blank">Lower Class Magazine</a> findet sich ein Interview, das C. Stahl vor den Demonstrationen mit Hannah geführt hat, die eine der Sprecherinnen des „Blockupy“-Bündnisses ist. Hannah ist der Meinung, dass es angesichts der sich zuspitzenden Lage in Europa wieder an der Zeit sei, „ungehorsam“ zu werden und gemeinsam gegen die vielbeschworene Alternativlosigkeit der Politik aufzustehen. Man richte sich gegen die von der EZB mit vorangetriebene „Verelendungspolitik“, kämpfe für die Überwältigung des derzeitigen Krisenkapitalismus und wolle in keinem Fall einen Keil zwischen sich und Griechenland treiben lassen. Die Demonstration gegen die Einweihung des neuen EZB-Gebäudes dürfte kein Endpunkt, sondern müsse eine Zwischenstation bei der Etablierung neuer, grenzüberschreitender Streikformen sein.</p>
<p>Auch auf dem Blog <a href="https://kritischestrassen.wordpress.com/2015/03/14/kommentar-fur-ein-europa-der-wurde-fur-ein-europa-von-unten/" target="_blank">Kritische Strassen, kritische Massen</a> ist man darum bemüht, die Geschehnisse in Frankfurt in einen weiteren Rahmen einzuordnen. Einerseits würde feierlich der EZB-Doppelturm eingeweiht, dessen Errichtung mehr als eine Milliarde Euro verschlungen hatte, während andererseits in vielen Ländern im Zuge der Sparpolitik die Sozialausgaben gnadenlos gekürzt würden. Da sei es kein Wunder, dass sich Wut anstaue, die sich nun, an diesem symbolischen Tag, in Protesten entlade. Auch in anderen Ländern protestieren derzeit bzw. in naher Zukunft viele Menschen gegen Privatisierungen oder Sozialkürzungen, etwa in Frankreich, Italien und vor allem in Spanien, wo sich der „Marsch der Würde“ für die Grundbedürfnisse der Menschen einsetze. In vielen verschiedenen Ländern bildeten sich von unten her Bewegungen heraus, die für eine „Rückeroberung der Menschenwürde“ einträten. Anzeichen für einen „europäischen Frühling“?</p>
<p>Auf <a href="https://per5pektivenwechsel.wordpress.com/2015/03/17/das-neue-haus-der-ezb-und-die-wachsenden-zorndepots/" target="_blank">PER5PEKTIVENWECHSEL</a> nimmt man die „Symbolik der Macht“, die die EZB-Türme ausstrahlen, unter die Lupe. Die Architektur und der Standort der Türme ließen keine Fragen offen, wer und was in Europa momentan herrsche: die Großfinanz, der Marktliberalismus und der Monetarismus. Der zweifelhafte Glanz eines „postkolonialen Geldhauses“ strahle nun über der Frankfurter Skyline. Mit seiner Politik befördere die EZB die Ausbreitung der Armut der Vielen und mehre den Reichtum einiger Weniger. Die entscheidende Frage sei nun, wie viel Zorn sich bei den Menschen angestaut hätte und ob sich dieser gegen die derzeitige Führungs- und Steuerungstechnik der EU wende.</p>
<p>Auch <a href="http://www.rolandtichy.de/tichys-einblick/protest-gegen-ezb-eine-geste-brutaler-macht/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=protest-gegen-ezb-eine-geste-brutaler-macht" target="_blank">Roland Tichy</a> richtet seinen Blick auf die Architektur des rund 185 Meter hohen EZB-Doppelturms und spricht von einer „Demonstration der Macht“, die dieser verkörpere. Obwohl Tichy von den diffusen Argumenten der linken Demonstranten herzlich wenig hält, er weist deren Anliegen sogar brüsk zurück, da sie nur die Anwendung von Gewalt verschleiern wollten, so hält er Protest gegen die Einweihung des EZB-Doppelturms für berechtigt. Die EZB habe ihr Mandat in der jüngeren Vergangenheit deutlich überspannt, sich eine Rolle angemaßt, die ihr nicht zustehe und die demokratisch nicht legitimiert sei. Diese Anmaßung, dieser Größenwahn, sei architektonisch schon vorhergeahnt und vorweggenommen worden, so Tichy. Nicht eingerahmt in – und relativiert durch – das Ensemble der schon vorhandenen Frankfurter Hochhaustürme des Bankenviertels, sondern bedrohlich, abweisend und geradezu monströs alleine dastehend, wirke der Doppelturm wie eine fremde Macht, die herrschen wolle und alles um sich herum klein mache.<br />
Und dennoch, dem bloß auf Zerstörung angelegten Wirken der linken Demonstranten will Tichy nicht beiseitestehen, wie er auch in einem anderen <a href="http://www.rolandtichy.de/allgemein/blockupy-gegen-ezb-hirnlos-gegen-wogegen-eigentlich/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=blockupy-gegen-ezb-hirnlos-gegen-wogegen-eigentlich" target="_blank">Artikel </a>feststellt. Diese demonstrierten gegen die EZB nicht wegen ihrer verfehlten Euro-Rettungspolitik, die die Länder Südeuropas finanziell ja durchschleppe und damit unseren Wohlstand gefährde, sondern einfach, weil man irgendwie dagegen sei und solche Demonstrationen als Bestandteil eines linken Lifestyles schätze. Dass viele dem gewaltsamen Treiben mehr oder weniger wohlwollend zuschauten, findet Tichy schon seltsam, respektive dumm.</p>
<p>Auf <a href="http://sciencefiles.org/2015/03/18/ist-blockupy-eine-terroristische-vereinigung/" target="_blank">ScienceFiles</a> kann Michael Klein der von den „Blockupy“-Demonstranten häufig verwendeten Klassenkampfrhetorik nichts abgewinnen. Diese werde nur dazu genutzt, um den eigenen Hang zur Gewalt endlich offen ausleben zu können. Von den Menschen im Süden Europas, mit denen sich die Demonstranten solidarisch erklären und für die man sich vorgeblich einsetze, seien die Demonstranten doch gar nicht legitimiert worden. Klein tendiert dazu, „Blockupy“ gar als eine terroristische Vereinigung einzuschätzen, deren zukünftige Veranstaltungen es aufgrund der zu erwartenden Gewalt zu verbieten gelte. Wer ein Recht – in diesem Falle das Recht auf Versammlungsfreiheit – wiederholt missbraucht habe, der habe es auch irgendwann verwirkt, so Klein.</p>
<p>Dass bei der versuchten Bewältigung der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren Fehler begangen wurden, ist nur wenig umstritten. Hitziger ist die Debatte darum, <em>welche</em> Fehler begangen wurden und wie – das heißt mit welchen Mitteln – man der EU und seinen Bürgern wieder nachhaltig auf die Beine helfen kann. „Blockupy“ kann eine durchaus bedenkenswerte Krisendiagnostik liefern, gehört wird sie freilich nicht, wenn Gewalt und Zerstörung die Szenerie beherrschen, wie gestern in Frankfurt.</p>
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		<title>Die Zerstörung der archäologischen Stätten im Irak</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2015 07:56:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
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		<description><![CDATA[Immer wieder verbreitet der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Videos seiner grausamen Taten, die zur Propaganda eingesetzt werden. Nun zeigen Videos die Zerstörung irakischer Kulturschätze. Bislang hatte der IS die antiken Kunstobjekte zumeist verkauft, um mit den Erlösen seinen Kampf zu finanzieren. Nun werden mehr und mehr Zerstörungen publik: die Ruinen <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/die-zerstoerung-der-archaeologischen-staetten-im-irak/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder verbreitet der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Videos seiner grausamen Taten, die zur Propaganda eingesetzt werden. Nun zeigen Videos die Zerstörung irakischer Kulturschätze. Bislang hatte der IS die antiken Kunstobjekte zumeist verkauft, um mit den Erlösen seinen Kampf zu finanzieren. Nun werden mehr und mehr Zerstörungen publik: die Ruinen der Stadt Nimrud, die antike Stadt Hatra, die zum Weltkulturerbe gehört, und möglicherweise auch die Festung von Chorsabad. Diese archäologischen Stätten liegen allesamt im heutigen Nordirak, der im Einflussbereich des IS liegt.</p>
<p>Auf dem Blog <a href="https://gatesofnineveh.wordpress.com/2015/03/03/assessing-the-damage-at-the-mosul-museum-part-2-the-sculptures-from-hatra/" target="_blank">Gates of Niniveh</a> bemüht sich Christopher Jones darum, die Schäden an den Skulpturen aus Hatra abzuschätzen, die im Museum in Mossul lagern. Jones analysiert zu diesem Zweck einzelne Bilder der Propaganda-Videos und vergleicht diese mit Aufnahmen der Kunstobjekte, die katalogisiert sind. Problematisch bei den Analysen ist, dass die Skulpturen aus Hatra sehr schlecht erforscht sind. Das gilt selbst für herausragende Objekte, die nun für die Nachwelt wohl verloren sind.</p>
<p>Einen ausführlichen Überblick zu den jüngsten Zerstörungen bietet Rainer Schreg auf seinem Blog <a href="http://archaeologik.blogspot.de/2015/03/krieg-gegen-die-vergangenheit-der-is.html" target="_blank">Archaeologik</a>. Schreg hat zahlreiche Quellen gesammelt, die über das Geschehen im Nordirak berichten. Die gesamte Nachrichtenlage ist jedoch äußerst problematisch, da die meisten Berichte nicht verifiziert werden können. Es ist im Einzelfall auch nicht zu klären, wer welche Interessen verfolgt, indem bestimmte Nachrichten verbreitet werden. Möglicherweise würden die Berichte über die Zerstörungen auch gezielt übertrieben, um eine breite Unterstützung für ein militärisches Eingreifen gegen den IS zu gewinnen. Und der IS selbst verfolgt sicherlich das Interesse, den Westen gezielt zu provozieren. Es ist jedenfalls, so mutmaßt Schreg, mehr als Ikonoklasmus, das heißt eine Bildzerstörung aus religiösen Motiven, der hier am Werk ist. Das zeigen beispielsweise die Zerstörungen der Herrscher-Statuen der Könige von Hatra. Die antike Stadt Hatra widersetzte sich Rom, also der westlichen Welt, und die Herrscher von Hatra führten später sogar den Titel „König der Araber“, erläutert Jones. Wenn nun Hatra zerstört wird, muss das deshalb vor allem als Provokation aufgefasst werden.</p>
<p>Die Provokationen erreichen jedenfalls ihr Ziel. Zahlreiche Stellungnahmen wurden publiziert, sobald die Zerstörungen bekannt wurden. Und selbstverständlich wurde das Vorgehen des IS von vielen Seiten verurteilt. Die Archäologin Margarete van Ess beispielsweise wurde unter anderem im heute journal des ZDF zitiert. Sie sagte, die Zerstörung der Stadt Nimrud sei für die Archäologen ein großer Verlust. Das gehe allerdings vollkommen an der Bedeutung der Sache vorbei, wie auf dem Blog <a href="https://sprachederdingeblog.wordpress.com/2015/03/08/nimrud-zerstort-ein-verlust-fur-die-archaologen/" target="_blank">Sprachen der Dinge</a> zu lesen ist. Dass es für die Archäologie ein großer Verlust sei, das sei vollkommen klar. Die Tragweite der Verluste sei damit aber kaum erfasst. Es werde im Irak ein Stück der Menschheitsgeschichte zerstört, und wie immer man die Geschichte interpretiere, sei es vor allem wichtig, die Stätten zu erhalten, um Geschichtsschreibung überhaupt zu ermöglichen.</p>
<p><a href="https://publicplacespastpresent.wordpress.com/2015/03/06/destruction-of-cultural-heritage-as-political-protest/" target="_blank">Alexis McBride</a> kommentiert die Zerstörungen durch den IS dagegen ambivalent. Sie bedauere einerseits – als Archäologin – jede Zerstörung von archäologischen Artefakten. Andererseits sieht sie, wie effektiv die Zerstörung als Propaganda funktioniere. Die Empörung spiele damit dem IS wiederum in die Karten, der Entsetzen verbreiten wollte. Darüber hinaus vergleicht sie die Vernichtungen der Kulturgüter im Irak mit den Zerstörungen andernorts, denn, so McBride, es wurden schon immer bedeutende Stätten oder Monumente vernichtet, weil dies eben ein starkes Symbol sei. Sie erinnert auch an die Statue von Saddam Hussein, die 2003 gestürzt wurde. Die Aufregung, so McBride, sei nun eben so groß, weil der IS im Irak am Werk sei, nicht, weil plötzlich so vielen Menschen die vergangenen Kulturen am Herzen lägen.</p>
<p>Wie lassen sich solche Zerstörungen vermeiden oder aufhalten? Aufgrund der Ereignisse im Irak hatten manche Journalisten angeregt, es sei doch besser, wenn solche bedeutenden Kunstschätze im Westen deponiert würden und nicht dort, wo Terroristen so leichtes Spiel hätten, die Werke zu zerstören. <a href="http://saubereschweine.blogspot.de/2015/03/export-ins-abendland-ist-keine-losung.html" target="_blank">Peter Brunner</a> lehnt dies rigoros ab. Der Export der Kunstschätze sei keine Lösung. Und auch Brunner vergleicht die Zerstörungen im Irak – mit den Zerstörungen der letzten 70 Jahre in Deutschland. Es ist nicht lange her, da gingen in Deutschland zahlreiche bedeutende Kunstschätze und Bauwerke unwiederbringlich verloren. Im Westen ging man nicht besser mit bedeutenden Bau- und Kunstwerken um.</p>
<p>Vor allem trifft der Verlust der antiken Schätze wohl die Iraker selbst. So argumentiert auch McBride, die schreibt, die Iraker verlören ihre Identität und ihre Geschichte.</p>
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		<title>Wie bauen? Stationen in Berlin, Venedig und Höxter</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jul 2014 07:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<description><![CDATA[Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/wie-bauen-stationen-in-berlin-venedig-und-hoexter/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_402" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg"><img class="wp-image-402 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg" alt="Berliner Stadtschloss" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Berliner Stadtschloss&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam</p></div>
<p>Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, standen von Anfang an in der Kritik – und sie werden noch immer scharf kritisiert. In Berlin wird das Schloss in weiten Teilen rekonstruiert, doch es sind vor allem Fassaden, die dort an den Originalbau erinnern sollen. Das neue „Schloss“, das in Berlin entsteht, spiegelt den prunkvollen Barock vor: Es ist aber weder eine richtige Rekonstruktion, die den alten Entwurf bis in die Details ernst nähme, noch ist es ein mutiger Neu-Entwurf.</p>
<p><a href="http://exportabel.wordpress.com/2014/06/27/architektur-und-dogma-2-begutigende-tradition/" target="_blank">Genova </a>nennt das Stadtschloss kurzum eine Katastrophe. Er wirft einen wütenden Blick auf gerade entstehende Gebäude in Deutschland. Es entstehen zum Beispiel in Neubauvierteln Häuser, die eine Bautradition nur vortäuschen. In der Massenfabrikation werden Elemente, wie Sprossenfenster, hergestellt, die nur noch einen billigen Ersatz für eine verlorengegangene Tradition bieten. Der Bezug zum Material spielt keine Rolle mehr und ebenso wenig bauliche Notwendigkeiten. Es sind allein scheinbare Rückgriffe auf etwas, das aussieht wie „damals“.</p>
<p>Dabei sieht Genova im Osten Deutschlands das Problem noch verstärkt, da in der DDR mutwillig Traditionen, gerade Bautraditionen, abgeschnitten wurden. <a href="http://immaterialist.blogspot.de/2014/06/ganz-kleiner-versuch-uber-eine.html" target="_blank">Diego Castro</a> versucht, parallel dazu, die westdeutsche Ästhetik zu bestimmen. Er kommt dabei teilweise zu ganz ähnlichen Schlüssen. Auch er greift die aktuellen Rekonstruktionen an, bei denen möglichst schnell und billig, historische Gebäude wiedererstehen sollen. Von schlampigen und banalen Surrogaten schreibt Diego Castro. Es werde eine idealisierte Vergangenheit nachgebaut, die es nie gab, und die zudem – ironischerweise – schlecht ausgeführt ist. Im Osten Deutschlands seien nach 1989 zwar zahlreiche historische Innenstädte gerettet worden, doch das Erbe der ostdeutschen Baukultur wurde nach und nach ausgelöscht und durch westdeutsche Industriestandards ersetzt. Hier zeige sich das Problem mit ganzer Schärfe.</p>
<p>Geht es auch anders? Am 28. Juni fand in Deutschland der Tag der Architektur statt. Der <a href="http://www.architektourist.de/2014/06/28/tag-der-architektur-2014-thueringen/" target="_blank">Architektourist </a>zeigt verschiedene Bauten und Bauprojekte, die ganz anders mit der Tradition umgehen. So ist eine Haus-in-Haus-Lösung zu sehen: Ein Gemeindehaus wurde dabei in das Seitenschiff einer Kirche hineingebaut. Auf diese Weise entstanden neue Nutzungsmöglichkeiten, ohne den historischen Kirchenbau von außen zu beeinträchtigen. Und es ist auch ästhetisch keine banale Lösung oder gar ein Täuschungsversuch: Das Haus im Haus ist ein roter, gar nicht historisierender Baukörper.</p>
<p>Auch die Architektur-Biennale in Venedig widmet sich der Frage nach der Tradition und der Moderne. Rem Kohlhaas hat gezielt die Frage nach der Vergangenheit, die Frage nach der Bautradition in den Mittelpunkt gestellt. Auf <a href="http://venedig-ebb.blogspot.de/2014/06/die-biennale-2014-ist-leer.html" target="_blank">Unterwegs in Venedig</a> findet sich ein kleiner Bericht. Kohlhaas versuche unter dem Stichwort „Elements“ die einzelnen Elemente des Bauens in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu zeigen, wie zum Beispiel Türklinken. Doch es bleibe leider bei zusammengewürfelten Einzelteilen. Eine Idee des Ganzen erschließe sich nicht in der Zusammenschau der sehr vielen Elemente. Welches Konzept vermittelt sich, wenn man 300 Türklinken gesehen habe? Wie sind die unterschiedlichen Teile zu bewerten? In Erinnerung blieben allein Details, keine übergeordnete Idee.</p>
<p>Auch <a href="http://www.baumeister.de/biennale-v-utopien/" target="_blank">Sabine Schneider</a> ist kritisch mit diesen „Fundamenten“, die Kohlhaas identifizieren wolle: Es fehle der Bezug zu der jeweiligen Kultur. Indem die Elemente abstrahiert dargestellt werden, scheint gerade der wichtigste Aspekt verloren zu gehen. Wer hat die Türklinken benutzt? Wo ist der kulturelle Zusammenhang? Doch das hier wiedergegebene Problem ist auf der Biennale deutlich zu sehen: Wie gehen die Länder mit ihrem kulturellen Erbe um? Vierzig italienische Architekten, die Kohlhaas ausgewählt hat, beschäftigen sich mit dieser Frage. Gerade Italien ist reich an historischen Gebäuden, besitzt eine ungeheure Menge an Kunstschätzen. Der Blick der Architekten ist dabei ernüchternd. Verfallende moderne Betonbauten werden <a href="http://www.baumeister.de/biennalevi-spiegel/" target="_blank">dort gezeigt</a> oder ein Architekt gesteht seine Irrtümer ein, wenn er die Ruine einer Wohnsiedlung zeigt. Sie wurde gebaut, als auf Sardinien ein G8-Gipfel geplant wurde. Doch der fand dann dort gar nicht statt, und so zerfallen nun die Gebäude – ohne dass darüber diskutiert oder die Fehler öffentlich besprochen worden seien.</p>
<p>Ortswechsel: Im ostwestfälischen Höxter freut sich die Museumsleiterin des Kulturkreises Höxter-Corvey, dass das Westwerk und die ehemalige Klosterstadt Corvey nun zum Weltkulturerbe zählen. Die <a href="http://www.die-ostwestfalen.de/staedte/hoexter/reichsabtei-corvey-ist-unesco-weltkulturerbe/" target="_blank">Ostwestfalen</a> erinnern an die Geschichte des Klosters, das von Karl dem Großen gegründet wurde. Vor allem das Westwerk der Klosterkirche, das heißt, der bauliche Abschluss der Kirche nach Westen, gilt als herausragend, da sich aus der karolingischen Zeit kaum vergleichbares erhalten habe. Dieser gewaltige einmalige Bau sei unbedingt zu bewahren.</p>
<p>Corvey wird sicherlich touristisch bedeutsamer werden als es bislang war. Die Menge der Besucher solcher historischer Gebäude weist darauf hin, dass die Bautradition sehr wohl wahrgenommen und geschätzt wird – allerdings, so der Befund der Kritiker, scheinen viele Bauherren daraus die falschen Schlüsse zu ziehen, wenn eine ideale Vergangenheit nur so billig wie möglich zitiert werden soll.</p>
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