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	<title>Blogumschau &#187; Iran &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Der verwirrende Kampf im und um den Jemen</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Apr 2015 09:19:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Lage im Jemen ist unübersichtlich – gelinde ausgedrückt. Die schiitischen Huthi aus dem Norden des Landes hatten mit ihrem Vorrücken den amtierenden jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Sunnit ist und in Folge des „arabischen Frühlings“ den Schiiten Ali Abdullah Salih als Staatsoberhaupt abgelöst hatte, zum Rückzug gezwungen. <a href=" http://blogumschau.de/2015/04/der-verwirrende-kampf-im-und-um-den-jemen/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_837" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/04/Unübersichtliche-Lage.jpg"><img class="wp-image-837 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/04/Unübersichtliche-Lage.jpg" alt="&quot;Unübersichtliche Lage&quot; von Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Unübersichtliche Lage&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Die Lage im Jemen ist unübersichtlich – gelinde ausgedrückt. Die schiitischen Huthi aus dem Norden des Landes hatten mit ihrem Vorrücken den amtierenden jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Sunnit ist und in Folge des „arabischen Frühlings“ den Schiiten Ali Abdullah Salih als Staatsoberhaupt abgelöst hatte, zum Rückzug gezwungen. Schnell kontrollierten die Huthi-Truppen große Teile des Landes. Dies nahm eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition – der außerdem Ägypten, Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, Marokko, Pakistan, Sudan und die Vereinigten Emirate angehören sollen – vor wenigen Tagen zum Anlass, um unter dem Namen „Sturm der Entschlossenheit“ massive Luftschläge gegen Huthi-Stellungen zu initiieren. Erklärtes Ziel der militärischen Offensive ist es, den gewählten Präsidenten des Jemen wieder ins Amt zu bringen und die Huthi zurückzudrängen.</p>
<p>Auf <a href="http://www.juancole.com/2015/03/stake-yemen-fight.html" target="_blank">informed Comment</a> versucht Michael Scollon ein paar klare Trennlinien zum besseren Verständnis des momentanen Konflikts herauszuarbeiten (zuerst <a href="http://www.rferl.org/content/who-has-a-stake-in-yemen-fight/26925287.html" target="_blank">hier</a> erschienen). Den Jemen charakterisiert Scollon als ein Land, das von mehreren binären, antagonistisch angelegten Unterscheidungen geprägt sei: Es gebe zwei Führer (Hadi und Salih), zwei Regionen (den Norden und den Süden), zwei „Hauptstädte“ (Sana’a im Norden und Aden im Süden), zwei Interpretationen des Islam (Sunnismus und Shia), zwei mächtige extremistische Gruppen (Huthi und al-Qaida), eine regionale Macht die den amtierenden jemenitischen Präsidenten Hadi (Saudi Arabien) unterstützt und eine, die sich für dessen Vorgänger Salih einsetzt (Iran).</p>
<p>Clemens Wergin interpretiert die von Saudi-Arabien angeführte Militärintervention im Jemen als einen Stellvertreterkrieg, dessen Kern der Kampf um die regionale Vorherrschaft zwischen sunnitischem und schiitischem Lager sei. Das sunnitisch regierte Saudi-Arabien, so Wergin auf dem <a href="http://flatworld.welt.de/2015/03/26/abwehrbund-gegen-iran-interveniert-im-jemen/" target="_blank">flatworld-Blog</a>, kämpfe mit seinen Verbündeten indirekt gegen den schiitisch geführten Iran, der die Huthi-Rebellen unterstütze und dadurch seinen Einflussbereich in der Region weiter zu vergrößern versuche.<br />
Für die USA sei diese Gemengelage einigermaßen kompliziert. Sie stellten sich (weitestgehend symbolisch) hinter die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ und damit auch <em>gegen</em> den Iran, <em>mit</em> dem sie jedoch zugleich im Irak eine Art Allianz gegen den IS bilden.<br />
Die von Saudi-Arabien ins Leben gerufene Militärallianz sei sowohl ein sunnitisches Abwehrbollwerk gegen den Iran als auch ein Misstrauensvotum gegen die USA, deren Verlässlichkeit in den Augen Saudi-Arabiens in letzter Zeit einen ordentlichen Knacks bekommen habe.</p>
<p>Auch Thomas W. Lippmann ist auf <a href="http://www.lobelog.com/history-religion-and-yemen/" target="_blank">LobeLog</a> der Meinung, dass es bei der Militärintervention nur nachrangig darum gehe, Hadi wieder in Präsidentenwürden zu bringen. Vielmehr fürchte sich Saudi-Arabien davor, nach und nach von schiitisch geführten Staaten eingekreist zu werden. Der Iran habe die gleiche Sorge, nur genau andersherum. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, der früher durch die gemeinsame Einbindung in das Osmanische Reich weitestgehend entschärft wurde, so Lippmann, sei durch keine <em>äußere</em> Macht mehr eingehegt bzw. einhegbar – mit fatalen Konsequenzen.</p>
<p>Dass es sich bei dem Konflikt im Jemen um eine neue Stufe der Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten handele, bezeichnet Graham F. Fuller auf <a href="http://www.huffingtonpost.com/graham-e-fuller/decipher-yemen_b_6965564.html" target="_blank">The WorldPost</a> als einen Mythos. Viel eher handele es sich um eine Auseinandersetzung <em>innerhalb</em> der Gruppe der jemenitischen Schiiten. Zwar seien die Huthi Schiiten, jedoch gehören sie der Strömung der Zaiditen an, die den iranischen Schiiten theologisch relativ fern und dem Sunnismus verhältnismäßig nahe stünden. Historisch gesehen hätten die Zaiditen und damit auch die Huthi mit dem Iran wenig zu schaffen gehabt. Sie als Vorhut oder Speerspitze eines expansiven iranischen Imperialismus zu bezeichnen, wie Saudi-Arabien dies derzeit tue, sei verfehlt, so Fuller, auch wenn sie sicherlich die ein oder andere Hilfe des Iran angenommen hätten, wie so viele andere Akteure der Region auch.</p>
<p><a href="http://www.lobelog.com/saudi-war-in-yemen-amid-malaise-and-confusion/" target="_blank">Emile Nakhleh</a> befürchtet auf LobeLog, dass der Staat Jemen kurz davor stehe, endgültig zu scheitern und dass die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ dies ganz maßgeblich befördern werde. Die Militäroffensive würde nur noch mehr Zerstörung und Zerwürfnisse bringen, da sie keinerlei Rücksicht auf die Gegebenheiten im Jemen nehme. Der Region brächte sie keine Stabilität – ganz im Gegenteil. Saudi-Arabien stehe bald vor den Trümmern seiner militärischen Initiative und sollte sich spätestens dann darauf besinnen, dass nur der diplomatische Weg Frieden für die Region bringen könne.</p>
<p>Auch Edward Burke spricht auf <a href="https://www.opendemocracy.net/arab-awakening/edward-burke/saudi-arabia%E2%80%99s-big-mistake-in-yemen" target="_blank">openDemocracy</a> von einem großen Fehler, den Saudi-Arabien mit der militärischen Intervention im Jemen begangen habe. Der neue König Salman habe sich deutlich übernommen. Schon 2009 hätte Saudi-Arabien eine militärische Auseinandersetzung mit den Huthi nicht siegreich für sich gestalten können. Zudem sei der von den Huthi abgesetzte Präsident Hadi irreparabel beschädigt. Er genieße beim Militär und bei den verschiedenen Gruppen im Jemen nur wenig Rückhalt und könne nicht wieder ins Amt gehoben werden. Die viel größere Gefahr für Saudi-Arabien sei außerdem al-Qaida, der man mit den Angriffen auf die Huthi einen Gefallen tun würde. Das Verhältnis zu den traditionell verbündeten USA verkompliziere sich zudem weiter. Eigentlich müsste man, so Burke, Saudi-Arabien im Jemen vor sich selbst schützen, bei so viel Schaden, den sich das Königreich selbst zufüge.</p>
<p>Wie handelt man in einer so verworrenen Situation, wie sie derzeit im Jemen und der es umgebenden Region herrscht? Hält man sich heraus? Versucht man zu vermitteln, zu besänftigen? Sucht oder unterstützt man eine militärische Lösung? Das sind Fragen, die sich nicht nur die westlichen Staaten stellen dürften.</p>
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		<title>Nachhaltige Zerwürfnisse? Benjamin Netanjahus Rede vor dem amerikanischen Kongress</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Mar 2015 07:40:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor dem US-amerikanischen Kongress hatte schon im Vorfeld für diplomatische Verstimmungen gesorgt. Das hatte verschiedene Gründe: Nicht der US-Präsident Barack Obama oder das Weiße Haus hatten Netanjahu eingeladen, sondern der von den oppositionellen Republikanern dominierte Kongress. Die Rede war nicht mit dem Weißen <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/nachhaltige-zerwuerfnisse-benjamin-netanjahus-rede-vor-dem-amerikanischen-kongress/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor dem US-amerikanischen Kongress hatte schon im Vorfeld für diplomatische Verstimmungen gesorgt. Das hatte verschiedene Gründe: Nicht der US-Präsident Barack Obama oder das Weiße Haus hatten Netanjahu eingeladen, sondern der von den oppositionellen Republikanern dominierte Kongress. Die Rede war nicht mit dem Weißen Haus abgesprochen, wie es sonst durchaus üblich ist. Obama selbst und mehr als 50 Abgeordnete der Demokraten blieben der Rede am Dienstag dann auch demonstrativ fern.</p>
<p>Netanjahu, der sich mitten im israelischen Wahlkampf befindet, fand in seiner Rede, die unter anderem <a href="http://www.vox.com/2015/3/3/8142825/netanyahu-speech-congress-transcript-read" target="_blank">hier</a> nachzulesen ist, zunächst lobende Worte für die Obama-Regierung, ging dann aber schnell zu seinem Hauptanliegen über: der Ablehnung eines Atomdeals mit dem Iran, den die P5+1-Gruppe (bestehend aus den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) derzeit aushandelt. Dem Iran soll unter strengen Auflagen die Urananreicherung erlaubt bleiben. Das Atomprogramm soll für mindestens zehn Jahre auf dem jetzigen Stand eingefroren werden. Auch die stufenweise Lockerung von Sanktionen ist im Gespräch.<br />
Laut Netanjahu wäre ein solcher Deal ein fataler Fehler. Die iranische Führung sei nicht nur für Israel eine Bedrohung, sondern für die ganze Welt, schließlich fördere sie massiv den globalen Terror. Man solle nicht glauben, die neue iranische Führung sei irgendwie gemäßigt oder berechenbar. Auch der iranische Einsatz gegen die Terrormilizen des „Islamischen Staats“ (IS) mache den Iran keinesfalls zu einem Freund der USA. Beide, der IS <em>und</em> der Iran, kämpften vielmehr um die „Krone des militanten Islams“, so Netanjahus deutliche Worte.<br />
Als gefährlichstes Szenario beschreibt Netanjahu einen militanten Islam, der über Nuklearwaffen verfüge. Und genau dies drohe, wenn man dem Iran die Urananreicherung gestatte. Der Atomdeal würde die Entwicklung von iranischen Atomwaffen nicht verhindern, sondern vielmehr kräftig befördern. Man dürfte dem Iran nicht vertrauen, die iranischen Verantwortlichen würden ihre wahren Absichten verschleiern und im Geheimen vorantreiben. Spätestens in zehn Jahren könnten sie ihre Bemühungen dann ohnehin wieder mit voller Kraft aufnehmen. Ein fatales nukleares Wettrüsten im Nahen Osten könnte die Folge sein, so Netanjahu. Es drohe ein nuklearer Alptraum. Nur wenn der Iran sich und sein Verhalten ganz fundamental ändere und endlich wie „ein normales Land“ agiere, dürfe man die Beschränkungen des iranischen Atomprogramms lockern. So lange müsse der Druck auf die iranische Führung unvermindert aufrecht erhalten werden. Das jüdische Volk sei nicht länger passiv, sondern bereit, sich „stark und resolut“ gegen seine Gegner, die genozidale Absichten hegten, zur Wehr zu setzen. Netanjahu drückte abschließend die Hoffnung aus, dass die USA Israel dabei fest zur Seite stünde.</p>
<p>Joshua Keating stellt auf dem Slate-Blog <a href="http://www.slate.com/blogs/the_slatest/2015/03/03/bibi_to_america_i_love_you_but_don_t_trust_iran.html" target="_blank">The Slatest</a> fest, dass die Rede Netanjahus fast wie eine Ansprache des US-Präsidenten inszeniert worden sei. Eine Provokation gegenüber dem Weißen Haus und den politischen Opponenten in Israel. Netanjahu bekam vor, während und nach seiner Rede immer wieder lang anhaltenden Applaus und Standing Ovations, was aber wenig verwunderlich sei, schließlich hätte der israelische Ministerpräsident vielen Republikanern, die sich schon seit geraumer Zeit eine härtere Gangart gegenüber dem Iran wünschten und den anvisierten Atomdeal ablehnten, aus der Seele gesprochen.</p>
<p>Thomas Pany behauptet auf <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/44/44295/1.html" target="_blank">Telepolis</a>, dass die Abgeordneten des US-Kongresses nichts Neues von Netanjahu gehört hätten. Vielmehr habe es sich um einen lauwarmen Aufguss bereits bekannter Phrasen gehandelt. Der US-Kongress sei auch weniger der Adressat der Ansprache gewesen, als vielmehr das eigene Wahlvolk zuhause in Israel. Mit seiner Inszenierung als starker, unbeugsamer Politiker hätte Netanjahu über seine innenpolitischen Schwächen und Probleme hinwegzutäuschen versucht.</p>
<p>Daniel Levy verbucht es auf dem <a href="http://www.lobelog.com/the-incoherence-of-bibis-sabotage-effort/" target="_blank">LobeLog</a> zunächst einmal als einen Erfolg Netanjahus, dass er viel Aufmerksamkeit für seine Rede erhalten habe ohne dass die vielen leer gebliebenen Stühle im Kongress ein Thema gewesen seien. In Israel könnte er damit vielleicht sogar gepunktet haben, so Levy, geschadet habe ihm die Rede dort sicherlich nicht. Das sei aber auch schon das einzig Positive, was man zu der Ansprache sagen könnte, denn diese sei inhaltlich viel zu widersprüchlich und inkohärent gewesen. Netanjahu behaupte, dass mehr und härtere Sanktionen und ein insgesamt erhöhter Druck zum erwünschten Verhandlungserfolg mit dem Iran führen könnten, dabei bewiesen die letzten Jahre doch das Gegenteil. Dass der Iran von Netanjahu als Wurzel allen Übels dargestellt werde und er dem Iran genozidale Absichten unterstelle, findet Levy lächerlich. Im Endeffekt liefen die Ausführungen und die Rhetorik Netanjahus darauf hinaus, dass die USA zum wiederholten Male Truppen in den Nahen Osten entsenden müssten. Doch dies sei ein Weg, der unbedingt vermieden werden sollte. Viel besser sei es, die jetzigen Atomverhandlungen mit dem Iran entschlossen voranzutreiben.</p>
<p>Detlef zum Winkel ärgert sich in einem Gastbeitrag auf dem Jungle-World-Blog <a href="http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/3141/" target="_blank">Von Tunis nach Teheran</a> darüber, dass man es sich zu einfach mache, wenn man Israel mal wieder vorschnell als bloßen Störenfried und Krawallmacher abtue, ohne sich wirklich mit den Argumenten und dem Wortlaut von Netanjahus Rede auseinanderzusetzen. Die „Mainstream-Medien“ hätten sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zum Winkel findet den Redetext Netanjahus beeindruckend. Die sachlichen Einwände gegen den Atomdeal, die Widersprüche und Gefahren die dieser in sich berge, würden überzeugend dargelegt. Schon jetzt habe der Iran das zehnjährige Einfrieren des Status Quos abgelehnt und zum Winkel ist sich keineswegs sicher, ob die von den USA dominierte P5+1-Gruppe in diesem Punkt standhaft bleiben wird oder ob sie nicht doch zu weiteren Zugeständnissen gegenüber dem Iran bereit sei.</p>
<p>Nachhaltige Zerwürfnisse also? Es wird sich zeigen, ob die amerikanisch-israelischen Verhältnisse dauerhaft Schaden durch den – so wahrgenommenen – diplomatischen Affront Netanjahus genommen haben. Auch die inneramerikanische Kluft zwischen Demokraten und Republikanern könnte sich weiter vertiefen. Das Verhältnis Israels zum Iran wird wohl ein äußerst schwieriges bleiben, egal wie die israelischen Parlamentswahlen in wenigen Tagen ausgehen werden.</p>
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		<title>…und alle Fragen offen. Der schwierige Umgang mit dem Phänomen &#8220;Islamischer Staat&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Dec 2014 08:15:07 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) gibt vielen Beobachtern Rätsel auf. Wie ist der anhaltende militärische und politische Erfolg der radikal-sunnitischen Gruppierung zu erklären? Trotz einiger militärischer Rückschläge im Zuge der US-geführten Luftschläge, sind die IS-Truppen nicht auf dem Rückzug und bauen in den von ihnen beherrschten Gebieten staatsähnliche Strukturen <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/und-alle-fragen-offen-der-schwierige-umgang-mit-dem-phaenomen-is/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) gibt vielen Beobachtern Rätsel auf. Wie ist der anhaltende militärische und politische Erfolg der radikal-sunnitischen Gruppierung zu erklären? Trotz einiger militärischer Rückschläge im Zuge der US-geführten Luftschläge, sind die IS-Truppen nicht auf dem Rückzug und bauen in den von ihnen beherrschten Gebieten staatsähnliche Strukturen auf bzw. aus. Wieso erhält der IS immer weiteren Zulauf, trotz der offen zur Schau gestellten Brutalität? Aus vielen Ländern machen sich Menschen auf den Weg, um den IS in seinem Kampf zu unterstützen. Was kann man dagegen tun? Und wie kann man der über die sozialen Netzwerke verbreiteten Propaganda entgegenwirken? Und vielleicht am wichtigsten und zugleich schwierigsten: Wie lässt sich der IS effektiv bekämpfen? Sind Luftschläge geeignet, um den IS zu zerschlagen oder bedarf es anderer Mittel?<br />
Am Mittwoch dieser Woche trafen sich in Brüssel ranghohe Vertreter der internationalen Anti-IS-Koalition, der rund 60 Staaten angehören, um über diese und andere Fragen zu beraten und das weitere gemeinsame Vorgehen zu koordinieren. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier stellte während des Treffens fest, dass man sich auf einen lange währenden Kampf gegen den IS einstellen müsse.</p>
<p>Dass es keine schnelle Lösung in der Auseinandersetzung mit dem IS geben kann, dem stimmt auch Graham E. Fuller auf <a href="http://www.lobelog.com/the-isis-phenomenon-how-does-it-end/" target="_blank">LobeLog</a> zu. Im Gegensatz zu den in Brüssel versammelten Diplomaten und Politikern hält er jedoch wenig von einer militärischen Herangehensweise an den Konflikt. Dem Phänomen, das hinter dem Mobilisierungspotential des IS stehe, lasse sich nicht mit Waffengewalt begegnen, so Fuller. In seinem Beitrag ordnet er den „Islamischen Staat“ zunächst einmal in die lange Reihe islamistischer Terror- bzw. Widerstandsgruppen ein, die sich als radikale Reaktion auf den jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelangen westlichen Imperialismus und Interventionismus herausgebildet haben. Was den IS aber etwa von al-Qaida unterscheide, so Fuller, sei dessen Anspruch auf ein Kalifat. Auch wenn die Wiederbelebung der Idee eines großen, grenzübergreifenden Kalifats von den meisten Muslimen skeptisch beäugt werde, docke der IS doch auf einer tiefliegenden Ebene an die Sehnsüchte vieler Muslime nach einer (wieder-) vereinigten muslimischen Welt an, die der Dominanz des Westens etwas entgegenstellen könnte. Mit dieser Idee locke der IS genügend Menschen – auch aus dem Westen – an, um seinen Kampf fortführen zu können. Dieser Mobilisierung der Enttäuschten und Frustrierten wirke man durch militärische Einsätze jedenfalls nicht entgegen, so Fuller. Ganz im Gegenteil.</p>
<p>Auch Ahmed Rashid findet, dass man dem IS nur dann etwas entgegensetzen könne, wenn man dessen Antrieb verstehe. Auf dem <a href="http://www.nybooks.com/blogs/nyrblog/2014/dec/02/isis-what-us-doesnt-understand/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+nyrblog+%28NYRblog%29" target="_blank">Blog des New York Review of Books</a> stellt Rashid fest, dass der IS, ganz im Gegensatz etwa zu al-Qaida, nicht primär gegen den Westen kämpfe. Vielmehr handle es sich vorrangig um einen Krieg <em>innerhalb</em> des Islams. Der IS kämpfe gegen die Schiiten und die gemäßigten, pluralistisch orientierten Muslime. Gemäß der vom IS verfolgten salafistischen Ideologie werde ein puritanischer Islam nach dem Vorbild des siebten Jahrhunderts und die Gründung eines politisch und religiös vereinheitlichten Nahen Ostens in Form <em>eines</em> Kalifats angestrebt – mit all den brutalen Konsequenzen, die das für die anderen mit sich bringt. Wenn man akzeptiere, dass der IS einen Krieg innerhalb des Islams vorantreibe, dann müssten im Kampf gegen den IS auch ganz andere Akzente gesetzt werden als bisher, so Rashid. So sei es kontraproduktiv, dass die USA die Anti-IS-Koalition anführe. Das sollten vielmehr diejenigen arabischen Staaten tun, gegen die sich der Terror des IS richtet. Die USA sollten mit diplomatischen Mitteln dafür sorgen, dass sich die zur Führung der Koalition geeigneten Staaten – Rashid nennt Jordanien, Saudi Arabien und die Türkei – nicht selbst oder gegenseitig im Wege stehen, sondern diese Rolle annehmen. Nur dann könne der IS wirksam bekämpft werden.</p>
<p>Wie passt da das jetzt bekannt gewordene militärische Vorgehen des Iran gegen den IS ins Bild? Laut Pentagon haben iranische Kampfjets IS-Stellungen auf irakischem Territorium bombardiert, allerdings ohne die USA vorher informiert zu haben. Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind seit 1979 traditionell schlecht – man bezeichnete sich in der jüngeren Vergangenheit gegenseitig als „Schurkenstaat“ bzw. „großen Satan“.</p>
<p>Dennoch sei es nur schwer vorstellbar, so Florian Rötzer auf <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43501/1.html" target="_blank">Telepolis</a>, dass die USA nicht über die iranischen Luftschläge Bescheid gewusst hätten. Rötzer schätzt, dass die USA diese auch zumindest dulden würden. Offen zugeben könne man eine wie auch immer geartete militärische Kooperation oder Koordination im Zuge des Kampfs gegen den IS jedenfalls nicht.</p>
<p>Dass es eine solche gab bzw. gibt, davon ist Juan Cole überzeugt. Auf <a href="http://www.juancole.com/2014/12/bombing-raids-extremists.html" target="_blank">Informed Comment</a> schreibt er, dass die USA schließlich den irakischen Luftraum kontrollieren und nach feindlichen Flugzeugen Ausschau halten würden. Im Irak hätten die USA und der Iran einen gemeinsamen Feind und ehe sie sich versähen, fänden sie sich plötzlich auf derselben Seite wieder.</p>
<p>Zugeben will dies freilich auch der Iran nicht, wie Joshua Keating auf dem <a href="http://www.slate.com/blogs/the_world_/2014/12/03/iran_vigorously_denies_u_s_claims_that_it_s_cooperating_with_the_u_s_against.html" target="_blank">Slate The World-Blog</a> feststellt. Der Iran bestreitet vorsorglich gleich ganz, dass die Luftschläge (so) stattgefunden hätten. Mit den USA werde man unter keinen Umständen militärisch kooperieren, ließ ein iranischer Offizieller verlauten. Nichts Genaues weiß man also nicht und die ganzen komplizierten diplomatischen Verrenkungen und Verschränkungen – diese bestimmte Unbestimmtheit – findet wohl nicht nur Keating einigermaßen kurios.</p>
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		<title>ISIS-Terror im Irak – Verantwortliche und Lösungen dringend gesucht</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jun 2014 06:48:53 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wir werden im Moment Zeuge einer besorgniserregenden Entwicklung im ohnehin schon seit geraumer Zeit schwer gebeutelten Irak. Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und (Groß-) Syrien“ (kurz: ISIS) rückt dort scheinbar unaufhaltsam vor. Obwohl zahlenmäßig der irakischen Armee deutlich unterlegen, konnten die ISIS-Truppen in kurzer Zeit die irakischen Städte <a href=" http://blogumschau.de/2014/06/isis-terror-im-irak-verantwortliche-und-loesungen-dringend-gesucht/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_377" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/06/Freunde-werden.jpg"><img class="size-full wp-image-377" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/06/Freunde-werden.jpg" alt="&quot;Freunde werden&quot; von Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Freunde werden&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Wir werden im Moment Zeuge einer besorgniserregenden Entwicklung im ohnehin schon seit geraumer Zeit schwer gebeutelten Irak. Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und (Groß-) Syrien“ (kurz: ISIS) rückt dort scheinbar unaufhaltsam vor. Obwohl zahlenmäßig der irakischen Armee deutlich unterlegen, konnten die ISIS-Truppen in kurzer Zeit die irakischen Städte Mossul und Tikrit einnehmen. Nun sollen sie vor den Toren Bagdads stehen. Seit ihrer Gründung kämpft ISIS als sunnitische Widerstandsgruppe gegen die schiitische Staatsführung des Irak, die nach dem 2003 von den USA militärisch herbeigeführten Sturz Saddam Husseins an die Macht kam. Erklärtes Ziel der ISIS-Gruppe ist es, ein grenzübergreifendes islamisches Kalifat zu errichten, das Teile von Syrien und Irak umfasst. Die Terrorgruppe verbreitet von ihrem Feldzug Bilder von Hinrichtungen ihrer Gegner. Deren Authentizität ist momentan zwar nicht zweifelsfrei zu klären, in jedem Falle erfüllen sie ihren Zweck, nämlich Angst und Schrecken unter ihren Gegnern zu verbreiten.<br />
Nicht nur die USA, die sich erst 2011 unter der Anleitung Barack Obamas militärisch aus dem Irak weitestgehend zurückgezogen hatten, auch der Iran, der die schiitische Regierung des Irak unterstützt, ist aufs Höchste alarmiert. Sogar eine Annäherung und mögliche – zumindest niederschwellige – Kooperation zwischen den traditionell verfeindeten Staaten wurde ins Gespräch gebracht, um die Lage im Irak zu stabilisieren.<br />
Wer ist verantwortlich für diese dramatische Entwicklung? Und wie soll man darauf reagieren? Und was ist von der möglichen Kooperation der USA mit dem Iran zu halten?</p>
<p>Frank Lübberding findet es auf <a href="http://www.wiesaussieht.de/2014/06/12/ein-gespenst-namens-isis-im-irak/" target="_blank">wiesaussieht</a> ja schon seltsam, dass die zahlenmäßig so deutlich unterlegenen und verhältnismäßig schlecht ausgebildeten ISIS-Truppen den Nordirak anscheinend überrennen. Er ist skeptisch und hält ISIS für eine Art Scheinriesen bzw. einen „nützlichen Idioten“, der von verschiedenen Seiten benutzt werde, um je unterschiedliche Interessen voranzutreiben. Benutzt, um etwa Druck auf den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki auszuüben, damit dieser den im Irak lebenden Minderheiten – insbesondere den Sunniten und Kurden – mehr Zugeständnisse mache. Benutzt, als Schreckgespenst, um die militärische Unterstützung des Westens für die säkulare Opposition in Syrien zu rechtfertigen. Oder benutzt, um den Iran – der mit al-Maliki verbandelt ist – als Machtfaktor in der Region in Schach zu halten bzw. zu schwächen, woran insbesondere Saudi Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten gelegen sei. Komplizierte Verhältnisse also.</p>
<p>James Bloodworth argumentiert auf <a href="http://www.leftfootforward.org/2014/06/why-everyone-is-wrong-about-isis-and-iraq/" target="_blank">Left Foot Forward</a> gegen einige der sich im Umlauf befindlichen Schuldzuweisungen für die momentane dramatische Zuspitzung der Situation im Irak. Nicht der militärisch durch die USA herbeigeführte Sturz Husseins sei das Problem gewesen, sondern das, was zwischen 2003 und 2007 darauf folgte. Die neokonservative US-Administration hätte wohl geglaubt, sie könne einfach kurz in den Irak hinein- und wieder herausmarschieren, ohne dort für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Dass man zudem nach dem Umsturz massenhaft irakische Militärs und sunnitische Staatsangestellte in die Arbeits- und Perspektivlosigkeit geschickt habe, sei ein folgenschwerer Fehler gewesen. Unverantwortlich seien aber auch die damaligen Forderungen der Antikriegsbewegung zum sofortigen amerikanisch-britischen Truppenrückzug gewesen: ein solches Vorgehen hätte den Irak einfach den islamischen Extremisten überlassen und ein falsches Signal ausgesandt. Einen Fehler sieht Bloodworth weniger darin, dass Obama die amerikanischen Truppen aus dem Irak abgezogen habe, sondern dass er es versäumt habe, die gemäßigten Oppositionskräfte in Syrien entschieden zu unterstützen. Denn gerade aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien erfahre ISIS nun einen guten Teil seiner Unterstützung.</p>
<p>Auf <a href="http://flatworld.welt.de/2014/06/17/iran-ein-falscher-freund-des-westens-im-irak/" target="_blank">flatworld</a> weist Clemens Wergin auf die Mitschuld der USA an der derzeitigen Lage in noch einer anderen Hinsicht hin: Anstatt den aus den irakischen Wahlen 2010 als Sieger hervorgegangen – eher westlich orientierten und die Konfessionsgrenzen überschreitenden – Ayad Allawi bei der Regierungsfindung zu unterstützen, hätten die USA auf den dem Iran genehmeren al-Maliki gesetzt. Dies insbesondere deshalb, weil sich die USA noch weiter aus der Verantwortung im Irak herausziehen wollten. Mit seinem – vom Iran unterstützten – Kurs, die Sunniten systematisch aus dem Staatsapparat zu entfernen bzw. fernzuhalten, habe al-Maliki viele sunnitische Stämme den ISIS-Truppen zumindest gewogen gemacht, wenn nicht in die Arme getrieben. Nur so sei deren schneller Vormarsch möglich gewesen. Wenn die USA nun hinsichtlich der Situation im Irak mit dem Iran kooperieren wolle, sei gerade aufgrund dieser problematischen Vorgeschichte äußerste Vorsicht geboten, so Wergin.</p>
<p>Doch wie soll man auf die Herausforderung durch die ISIS-Truppen reagieren? Zumindest nicht mit einer militärischen Intervention des Westens, findet Paul Rogers auf <a href="http://opendemocracy.net/paul-rogers/isil-iraq-and-intervention" target="_blank">openDemocracy</a>. Rogers macht darauf aufmerksam, dass es genau das sein könnte, was die ISIS-Planer herbeiführen wollten. Um dieser Vermutung nachzugehen, versucht sich Rogers in die Lage eines ISIS-Strategen zu versetzen. Was die zahlenmäßig relativ kleine ISIS-Truppe nach den überraschenden militärischen Erfolgen nun benötige, um sich zu konsolidieren und tatsächlich ein Kalifat errichten zu können, sei weiterer personeller, materieller und finanzieller Zuwachs. Dazu mobilisiere man am besten, so Rogers, wenn man sich propagandistisch als Opfer westlicher Militärschläge inszenieren könne. Unter anderem aus diesem Grund hält Rogers eine mögliche militärische Intervention des Westens für einen schwerwiegenden Fehler.</p>
<p>In vielen gewaltsamen Konflikten ist guter Rat teuer. Man kann dies momentan auch gut im Ukraine-Konflikt beobachten. Die Suche nach Verantwortlichen ist ebenso schwierig, wie das Auffinden von Lösungen. Wenn Bilder von Gräueltaten in den Medien die Runde machen, fällt es besonders schwer ruhig und besonnen zu bleiben. Doch mit Schnellschüssen – militärischen insbesondere – ist wohl niemandem geholfen.</p>
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