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	<title>Blogumschau &#187; Islam &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Der verwirrende Kampf im und um den Jemen</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Apr 2015 09:19:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Lage im Jemen ist unübersichtlich – gelinde ausgedrückt. Die schiitischen Huthi aus dem Norden des Landes hatten mit ihrem Vorrücken den amtierenden jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Sunnit ist und in Folge des „arabischen Frühlings“ den Schiiten Ali Abdullah Salih als Staatsoberhaupt abgelöst hatte, zum Rückzug gezwungen. <a href=" http://blogumschau.de/2015/04/der-verwirrende-kampf-im-und-um-den-jemen/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_837" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/04/Unübersichtliche-Lage.jpg"><img class="wp-image-837 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/04/Unübersichtliche-Lage.jpg" alt="&quot;Unübersichtliche Lage&quot; von Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Unübersichtliche Lage&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Die Lage im Jemen ist unübersichtlich – gelinde ausgedrückt. Die schiitischen Huthi aus dem Norden des Landes hatten mit ihrem Vorrücken den amtierenden jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Sunnit ist und in Folge des „arabischen Frühlings“ den Schiiten Ali Abdullah Salih als Staatsoberhaupt abgelöst hatte, zum Rückzug gezwungen. Schnell kontrollierten die Huthi-Truppen große Teile des Landes. Dies nahm eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition – der außerdem Ägypten, Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, Marokko, Pakistan, Sudan und die Vereinigten Emirate angehören sollen – vor wenigen Tagen zum Anlass, um unter dem Namen „Sturm der Entschlossenheit“ massive Luftschläge gegen Huthi-Stellungen zu initiieren. Erklärtes Ziel der militärischen Offensive ist es, den gewählten Präsidenten des Jemen wieder ins Amt zu bringen und die Huthi zurückzudrängen.</p>
<p>Auf <a href="http://www.juancole.com/2015/03/stake-yemen-fight.html" target="_blank">informed Comment</a> versucht Michael Scollon ein paar klare Trennlinien zum besseren Verständnis des momentanen Konflikts herauszuarbeiten (zuerst <a href="http://www.rferl.org/content/who-has-a-stake-in-yemen-fight/26925287.html" target="_blank">hier</a> erschienen). Den Jemen charakterisiert Scollon als ein Land, das von mehreren binären, antagonistisch angelegten Unterscheidungen geprägt sei: Es gebe zwei Führer (Hadi und Salih), zwei Regionen (den Norden und den Süden), zwei „Hauptstädte“ (Sana’a im Norden und Aden im Süden), zwei Interpretationen des Islam (Sunnismus und Shia), zwei mächtige extremistische Gruppen (Huthi und al-Qaida), eine regionale Macht die den amtierenden jemenitischen Präsidenten Hadi (Saudi Arabien) unterstützt und eine, die sich für dessen Vorgänger Salih einsetzt (Iran).</p>
<p>Clemens Wergin interpretiert die von Saudi-Arabien angeführte Militärintervention im Jemen als einen Stellvertreterkrieg, dessen Kern der Kampf um die regionale Vorherrschaft zwischen sunnitischem und schiitischem Lager sei. Das sunnitisch regierte Saudi-Arabien, so Wergin auf dem <a href="http://flatworld.welt.de/2015/03/26/abwehrbund-gegen-iran-interveniert-im-jemen/" target="_blank">flatworld-Blog</a>, kämpfe mit seinen Verbündeten indirekt gegen den schiitisch geführten Iran, der die Huthi-Rebellen unterstütze und dadurch seinen Einflussbereich in der Region weiter zu vergrößern versuche.<br />
Für die USA sei diese Gemengelage einigermaßen kompliziert. Sie stellten sich (weitestgehend symbolisch) hinter die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ und damit auch <em>gegen</em> den Iran, <em>mit</em> dem sie jedoch zugleich im Irak eine Art Allianz gegen den IS bilden.<br />
Die von Saudi-Arabien ins Leben gerufene Militärallianz sei sowohl ein sunnitisches Abwehrbollwerk gegen den Iran als auch ein Misstrauensvotum gegen die USA, deren Verlässlichkeit in den Augen Saudi-Arabiens in letzter Zeit einen ordentlichen Knacks bekommen habe.</p>
<p>Auch Thomas W. Lippmann ist auf <a href="http://www.lobelog.com/history-religion-and-yemen/" target="_blank">LobeLog</a> der Meinung, dass es bei der Militärintervention nur nachrangig darum gehe, Hadi wieder in Präsidentenwürden zu bringen. Vielmehr fürchte sich Saudi-Arabien davor, nach und nach von schiitisch geführten Staaten eingekreist zu werden. Der Iran habe die gleiche Sorge, nur genau andersherum. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, der früher durch die gemeinsame Einbindung in das Osmanische Reich weitestgehend entschärft wurde, so Lippmann, sei durch keine <em>äußere</em> Macht mehr eingehegt bzw. einhegbar – mit fatalen Konsequenzen.</p>
<p>Dass es sich bei dem Konflikt im Jemen um eine neue Stufe der Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten handele, bezeichnet Graham F. Fuller auf <a href="http://www.huffingtonpost.com/graham-e-fuller/decipher-yemen_b_6965564.html" target="_blank">The WorldPost</a> als einen Mythos. Viel eher handele es sich um eine Auseinandersetzung <em>innerhalb</em> der Gruppe der jemenitischen Schiiten. Zwar seien die Huthi Schiiten, jedoch gehören sie der Strömung der Zaiditen an, die den iranischen Schiiten theologisch relativ fern und dem Sunnismus verhältnismäßig nahe stünden. Historisch gesehen hätten die Zaiditen und damit auch die Huthi mit dem Iran wenig zu schaffen gehabt. Sie als Vorhut oder Speerspitze eines expansiven iranischen Imperialismus zu bezeichnen, wie Saudi-Arabien dies derzeit tue, sei verfehlt, so Fuller, auch wenn sie sicherlich die ein oder andere Hilfe des Iran angenommen hätten, wie so viele andere Akteure der Region auch.</p>
<p><a href="http://www.lobelog.com/saudi-war-in-yemen-amid-malaise-and-confusion/" target="_blank">Emile Nakhleh</a> befürchtet auf LobeLog, dass der Staat Jemen kurz davor stehe, endgültig zu scheitern und dass die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ dies ganz maßgeblich befördern werde. Die Militäroffensive würde nur noch mehr Zerstörung und Zerwürfnisse bringen, da sie keinerlei Rücksicht auf die Gegebenheiten im Jemen nehme. Der Region brächte sie keine Stabilität – ganz im Gegenteil. Saudi-Arabien stehe bald vor den Trümmern seiner militärischen Initiative und sollte sich spätestens dann darauf besinnen, dass nur der diplomatische Weg Frieden für die Region bringen könne.</p>
<p>Auch Edward Burke spricht auf <a href="https://www.opendemocracy.net/arab-awakening/edward-burke/saudi-arabia%E2%80%99s-big-mistake-in-yemen" target="_blank">openDemocracy</a> von einem großen Fehler, den Saudi-Arabien mit der militärischen Intervention im Jemen begangen habe. Der neue König Salman habe sich deutlich übernommen. Schon 2009 hätte Saudi-Arabien eine militärische Auseinandersetzung mit den Huthi nicht siegreich für sich gestalten können. Zudem sei der von den Huthi abgesetzte Präsident Hadi irreparabel beschädigt. Er genieße beim Militär und bei den verschiedenen Gruppen im Jemen nur wenig Rückhalt und könne nicht wieder ins Amt gehoben werden. Die viel größere Gefahr für Saudi-Arabien sei außerdem al-Qaida, der man mit den Angriffen auf die Huthi einen Gefallen tun würde. Das Verhältnis zu den traditionell verbündeten USA verkompliziere sich zudem weiter. Eigentlich müsste man, so Burke, Saudi-Arabien im Jemen vor sich selbst schützen, bei so viel Schaden, den sich das Königreich selbst zufüge.</p>
<p>Wie handelt man in einer so verworrenen Situation, wie sie derzeit im Jemen und der es umgebenden Region herrscht? Hält man sich heraus? Versucht man zu vermitteln, zu besänftigen? Sucht oder unterstützt man eine militärische Lösung? Das sind Fragen, die sich nicht nur die westlichen Staaten stellen dürften.</p>
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		<title>Ist das die Islamisierung des Abendlandes? Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2015 09:54:05 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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		<description><![CDATA[Der neue Roman von Michel Houellebecq, der gerade erst erschienen ist, wird in allen Feuilletons und auf zahlreichen Blogs diskutiert. Der Zufall sah dem Schicksal zu ähnlich, als genau an dem Tag, an dem „Unterwerfung“ in Frankreich in den Buchhandel kam, der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verübt wurde. Bernard Maris <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/ist-das-die-islamisierung-des-abendlandes-michel-houellebecqs-roman-unterwerfung/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der neue Roman von Michel Houellebecq, der gerade erst erschienen ist, wird in allen Feuilletons und auf zahlreichen Blogs diskutiert. Der Zufall sah dem Schicksal zu ähnlich, als genau an dem Tag, an dem „Unterwerfung“ in Frankreich in den Buchhandel kam, der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verübt wurde. Bernard Maris befand sich unter den Toten des Attentats, er war ein Freund Houellebecqs.</p>
<p>Der Roman spielt in einem Frankreich der nahen Zukunft. Es ist im Jahr 2022, als eine muslimische Partei an die Regierungsmacht gelangt. Das stellt eine weitere Gleichzeitigkeit zu den aktuellen Diskussionen dar, um die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes, die in Deutschland gerade von PEGIDA bemüht wird. Diese Gleichzeitigkeit ist weniger ein Zufall, sondern könnte durchaus Hellsichtigkeit genannt werden. Houellebecq hat offenbar den „Zeitgeist“ erkannt.</p>
<p>Entsprechend kommen die Rezensionen des Buches nie um diese aktuellen Debatten herum. Der Rückzug auf ästhetische Fragen scheint fast unmöglich, immer steht zum Beispiel die Frage im Raum, ob der Roman denn anti-islamisch sei? Nein, antworten die Blogautoren ziemlich einvernehmlich. Der Roman ist in dieser Hinsicht also keine (weitere) Provokation für die islamischen Gläubigen. Viel eher, da sind sich die Rezensenten ebenfalls einig, hält er der westlichen Gesellschaft – oder Teilen dieser Gesellschaft – den Spiegel vor.</p>
<p><a href="https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/01/24/was-erlauben-bild-houellebecq-wie-flasche-leer-ich-habe-fertig/" target="_blank">Thomas Brasch</a> kommt zu dem Schluss, der Roman führe vor, wie eine Gesellschaft, die nach und nach den Glauben an Gott verliere, anfällig für einen „Rückfall“ werde. Die Werte der westlichen Gesellschaft, die Demokratie, die Freiheit, reichen offenbar nicht aus, um gegen solche Sinnangebote gewappnet zu sein. Er finde es bitter, schreibt Brasch, dass er dieser Analyse größtenteils zustimmen müsse.</p>
<p>Besonders das Reizvolle dieser Unterwerfung hebt Cora Stephan in <a href="http://cora-stephan.blogspot.de/2015/01/die-sueste-verfuhrung-seit-es-religion.html" target="_blank">ihrem Blog</a> hervor (die Rezension ist auch in der Wirtschaftswoche erschienen). Der Islam wirke so anziehend im Roman, weil er das Individuum entlaste. Der Mensch werde vom Denken und Entscheiden befreit. Zugleich hat die Unterwerfung erotische Seiten. Und das wieder aufkommende Patriarchat, bei dem die Frauen nicht arbeitstätig sind, beseitige auf diese Weise gleich noch die Arbeitslosigkeit. Stephan weist darauf hin, der Roman habe keine Lehre. Er zeige allerdings, den westlichen „Masochismus“, bei dem fremde Kulturen der eigenen vorgezogen werden. In diesem Sinne habe eine Unterwerfung bereits begonnen.</p>
<p>Eine umfangreiche Besprechung widmet Gregor Keuschnig Houellebecqs Roman auf dem Blog <a href="http://www.begleitschreiben.net/michel-houellebecq-unterwerfung/" target="_blank">Begleitschreiben</a>. Keuschnig hält fest, der Roman sei keine Satire. Mit diesem Etikett versuchten manche Rezensenten sich Houellebecqs Erzählung vom Leib zu halten. Indem der Roman als Satire klassifiziert werde, sei er erledigt, weil dann von Überzeichnungen ausgegangen werden muss. Die Wirklichkeit würde so verändert, dass sie übertrieben und eigentlich komisch wird. Keuschnig sagt, das sei nicht der Fall. „Unterwerfung“ könnte eher als „Empörung“ gelesen werden, die Empörung über eine Gesellschaft, in der drängende ökonomische und soziale Probleme verdrängt würden. Die Unterwerfung sieht Keuschnig, anders als Cora Stephan, nicht lustvoll, sondern als eine Wahl zwischen Not und Elend.</p>
<p>Keuschnig spricht zudem Probleme des Romans an, dessen Zukunftsvision insgesamt nicht glaubhaft sei. Der Roman führe Figuren wie Marine Le Pen ein, die derzeit im politischen Geschäft tätig sind. Diese Unmittelbarkeit und Realitätsnähe soll schockieren. Doch indem der Roman so nah an uns herangerückt wird, bis 2022 sind es nur sieben Jahre, werde er unwahrscheinlich und verliere an Kraft. Dass die geschilderten Zustände in so kurzer Zeit Realität würden, sei schlicht nicht vorstellbar.</p>
<p><a href="http://cronenburg.blogspot.fr/2015/01/houellebecq-lesen-2.html" target="_blank">Petra van Cronenburg</a> hatte eine Reihe von Leseeindrücken zur Houellebecq-Lektüre angekündigt, die sie, nach eigenem Bekunden, nun nicht mehr abschließen wird. Ihre begonnene Besprechung legt allerdings einen Akzent auf den Roman, der sonst nur am Rande vorkommt: die Verbindung zu Joris-Karl Huysmans. Huysmans, der bis 1907 lebte, schildere die Dekadenz seiner Zeit, und Houellebecq entdecke nun eine nächste Dekadenz, in der ebenfalls eine Sinnsuche stattfinde – in einer vollkommen vom Sinn entleerten Welt. Nichts wecke den Sinn, alles sei fad geworden, selbst die erotischen „Abenteuer“ würden „abgesessen“. Damit liegt das Augenmerk vor allem auf einer Welt, die den Sinn verliert, und möglicherweise, wie auch Brasch festgestellt hat, für ganz andere Angebote anfällig wird.</p>
<p>Roberto De Lapuente betont auf seinem Blog <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2015/01/das-themenregal-macht-den-unterschied.html" target="_blank">ad sinistram</a> die vielen Facetten, die das Werk von Houellebecq aufweise. Er warnt davor, sein neues Buch allzu schnell einordnen und in eine bestimmte Ecke stellen zu wollen. Und er erinnert daran: „Unterwerfung“ ist Literatur und kein Sachbuch.</p>
<p>Der neue Roman wird dennoch sicherlich für weitere Diskussionen sorgen und in naher Zukunft immer wieder zitiert werden.</p>
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		<title>Ein europäisches 9/11? Deutungskämpfe um den Anschlag auf „Charlie Hebdo“</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2015 09:12:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Schüsse waren kaum verklungen, die beiden radikal-islamistischen „Charlie Hebdo“-Attentäter und der Geiselnehmer in dem koscheren Supermarkt von französischen Sicherheitskräften getötet, da versuchten sich viele sogleich an einer Einordnung bzw. Erklärung der schrecklichen Geschehnisse. Was war der Hintergrund der Taten? Was beabsichtigen die Attentäter? Was waren ihre Ziele? Welche Reaktion <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/ein-europaeisches-911-deutungskaempfe-um-den-anschlag-auf-charlie-hebdo/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_712" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/01/Deutungskämpfe.jpg"><img class="size-full wp-image-712" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/01/Deutungskämpfe.jpg" alt="&quot;Deutungskämpfe&quot; von Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Deutungskämpfe&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Die Schüsse waren kaum verklungen, die beiden radikal-islamistischen „Charlie Hebdo“-Attentäter und der Geiselnehmer in dem koscheren Supermarkt von französischen Sicherheitskräften getötet, da versuchten sich viele sogleich an einer Einordnung bzw. Erklärung der schrecklichen Geschehnisse. Was war der Hintergrund der Taten? Was beabsichtigen die Attentäter? Was waren ihre Ziele? Welche Reaktion wollten sie provozieren? Handelt es sich um ein europäisches 9/11? Wie kann und soll man auf die terroristische Herausforderung reagieren? Inwiefern trägt auch der Westen eine Mitschuld an den Geschehnissen?</p>
<p>Eine häufig zu findende Interpretation des Pariser Attentats lautet, dass es nicht nur gegen „Charlie Hebdo“, sondern gegen <em>uns alle</em>, die wir im Westen bzw. Europa leben, gerichtet sei. Dem schließt sich Klaus Kelle an und stellt auf seinem Blog <a href="http://denken-erwuenscht.com/begreift-ihr-das-wir-alle-gemeint-sind/" target="_blank">Denken erwünscht</a> weiter fest, dass die islamistischen Terroristen uns den Krieg erklärt hätten. Alles was uns lieb, wertvoll und schützenswert sei, unsere Kultur und Lebenseinstellung, unser Glaube, unsere freiheitlich-demokratischen Werte, würde von ihnen verachtet. Nun zeige sich, dass der internationale islamistische Terrorismus, der ja bei Weitem kein neues Phänomen ist, uns wirklich alle betreffe und angehe und nicht lediglich die USA, die nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 einen globalen „Krieg gegen den Terror“ initiiert hatten. Wir alle, die wir angegriffen worden seien, müssten nun zusammenstehen und ein entschlossenes Zeichen gegen den islamistischen Terror setzen.</p>
<p>Stefan Sasse ist auf <a href="http://www.deliberationdaily.de/2015/01/wir-sind-nicht-das-ziel/" target="_blank">deliberation daily</a> anderer Meinung. Nicht wir oder unsere Werte seien zuvorderst das Ziel des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ gewesen. Vielmehr hätten die Terroristen mit ihren Taten versucht, eine extreme Polarisierung der Gesellschaft herbeizuführen, um so eine Überreaktion des Westens gegen den Islam(ismus) zu provozieren, die sie dann in der Folge propagandistisch für sich nutzen könnten, um neue Mitglieder für ihre Sache zu rekrutieren. Denn das oberste Ziel einer terroristischen Organisation sei ihr Selbsterhalt, so Sasse. Diese fatale Logik könne man unter anderem in Afghanistan, Pakistan oder im Irak beobachten.</p>
<p>Das sieht Juan Cole auf <a href="http://www.juancole.com/2015/01/sharpening-contradictions-satirists.html" target="_blank">informed Comment</a> ganz ähnlich. Die Versuche von al-Qadia, die französischen Muslime, die Cole als die wohl am stärksten säkulare muslimische Bevölkerungsgruppe der Welt bezeichnet, mental zu kolonialisieren, sei in der Vergangenheit immer wieder ins Leere gelaufen. Wenn man nun aber die nicht-muslimischen Franzosen gegen den muslimischen Bevölkerungsteil aufhetzen könnte, ließe sich eine einigende politische Abgrenzungsidentität begründen. Die europäische Gesellschaft sollte durch das Attentat zu anti-muslimischen Pogromen provoziert werden, so Cole, um genau dies zu erreichen und damit al-Qaida Wasser auf die Mühlen zu führen. Das einzig Richtige sei es nun, so Cole – und ähnlich auch Sasse –, an den eigenen liberalen Werten festzuhalten und einer Polarisierung und Spaltung entgegenzuwirken. Denn ansonsten wäre man auf die Terroristen hereingefallen.</p>
<p><a href="http://grahamefuller.com/the-massacre-at-charlie-hebdo-and-defining-artistic-responsibility/" target="_blank">Graham E. Fuller</a> ist daran gelegen, die Hintergründe des Attentats zu beleuchten. Auch wenn er die grausamen Taten in keiner Weise legitimieren oder rechtfertigen will, so gebe es doch politische Faktoren und Entwicklungen, die diese (und andere) begünstigt bzw. mit herbeigeführt hätten – und der Westen spiele dabei eine nicht unbedeutende Rolle. Fuller nennt die US-geführten Irak-Invasionen, den Abu-Ghraib-Folterskandal oder auch die unrühmliche Rolle Frankreichs im Algerienkrieg, die für tiefe Zerwürfnisse zwischen dem Westen und der islamischen Welt geführt hätten. Fuller geht es aber um noch etwas anderes: Woran es vielen im Westen mangele, sei eine interkulturelle Sensitivität und ethische Verantwortlichkeit. So wie für den Westen das Recht auf freie Meinungsäußerung das höchste Gut darstelle, das nicht angegriffen oder eingeschränkt werden dürfe, so sei für viele Muslime der Islam unantastbar. Wer den Islam angreife oder herabwürdige, etwa mit scharfen Karikaturen, der greife das Selbstbild und die Normen und Werte einer ganzen Kultur an, die sich im bzw. vom Westen ohnehin schon ausgegrenzt und unterdrückt fühle.</p>
<p>Anas Abbas spricht sich auf <a href="http://leftfootforward.org/2015/01/why-it-is-wrong-to-blame-western-policies-for-the-paris-attacks/" target="_blank">Left Foot Forward</a> entschieden gegen solche und andere Versuche aus, die Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ oder die westliche Politik irgendwie mit haftbar für das Attentat zu machen. Wenn alleine Demütigungen und Gräueltaten in der Vergangenheit für solch eine Tat verantwortlich seien, wie könnte es dann etwa sein, dass Japan und Südkorea heute die engsten Verbündeten der USA seien. Am jämmerlichsten findet Abbas den oft zu hörenden Vorwurf, die getöteten Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ trügen eine Mitschuld, da sie die Muslime provoziert hätten. Dies sei nämlich zugleich ein Schlag ins Gesicht all jener liberalen Muslime, die sich in verschiedenen Ländern tagtäglich gegen eine radikale Lesart des Islams einsetzen und diese offen kritisieren würden. Sie wären dann ja selbst daran Schuld, wenn sie bedroht, verfolgt oder verletzt würden.<br />
Nicht der Westen sei schuld an den terroristischen Morden in Paris, sondern alleine die völlig intolerante Ideologie eines radikalen Islam. Der Westen dürfe nun nicht einknicken und sich ein Bilder- und Kritikverbot auferlegen (lassen), so Abbas.</p>
<p>Aber wie soll man auf die neuerliche terroristische Herausforderung politisch reagieren? Terroristische Anschläge ließen sich wohl nie ganz und gar verhindern, so Johnny Haeusler auf <a href="http://www.spreeblick.com/2015/01/12/vive-la-liberte/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+spreeblick%2Ffeed+%28Spreeblick%29" target="_blank">SPREEBLICK</a>. Jedoch könne das Risiko, dass diese zustande kommen, möglichst klein gehalten werden. Dies gelinge aber nur, wenn man die Werte der Demokratie und der Freiheit nicht nur nach „Innen“ lebe, sondern auch nach „Außen“ anwende – im Umgang mit denjenigen, die sich gegen den Westen stellen. Nur dann bleibe das eigene Agieren nachvollziehbar und glaubhaft. Gerade in dieser Hinsicht hätte der Westen aber in der jüngeren Vergangenheit des Öfteren gehörig versagt – Haeusler nennt Guantanamo, Abu-Ghraib oder Bagram als Beispiele.<br />
Keine gute Antwort auf die Anschläge sei es zudem, die demokratischen Grundrechte der Menschen weiter einzuschränken, wie dies bereits nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 geschehen ist und wie dies auch jetzt wieder auf die Tagesordnung gesetzt wurde.</p>
<p>Das findet auch <a href="http://www.juancole.com/2015/01/attacks-surveillance-protect.html" target="_blank">Jillian York</a>, die auf informed Comment mit Besorgnis die Äußerungen von verschiedenen Politikern registriert, die sich angesichts des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ prompt für noch mehr und härtere Überwachungs- und Anti-Terror-Maßnahmen aussprachen. Die Vorratsdatenspeicherung und Massenüberwachung solle ausgeweitet und der Schutz der Privatsphäre immer weiter aufgeweicht werden. Was damit zugleich aber gefährdet sei, so York, sei die freie Meinungsäußerung, die doch eigentlich nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verteidigt werden sollte. Wenn man wisse, dass man überwacht werde (oder zumindest jederzeit überwacht werden könnte), hielte man so manches Wort zurück und ließe Dinge ungesagt. Und das dürften wir nicht zulassen.</p>
<p>Die Kämpfe um die Deutungshoheit über die schrecklichen Ereignisse in Paris sind voll entbrannt. Ebenso die Vereinnahmungsversuche durch ganz verschiedene Seiten. Wer das „Je suis Charlie“ für sich reklamieren kann und wer nicht, ist höchst umstritten – siehe etwa die PEGIDA-Aktivisten in Dresden –, genauso wie das, wofür der Ausspruch eigentlich steht. Vorsicht ist in jedem Falle geboten, damit der Kampf für Meinungsfreiheit und Toleranz nicht ganz unversehens zu ganz unerwarteten oder sogar gegenteiligen Resultaten führt.</p>
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		<title>Hat das was mit dem Islam zu tun? Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Jan 2015 08:23:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Menschen, die bei dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt ums Leben kamen, wurde am Sonntag in Paris und in vielen anderen Städten gedacht. In Frankreich gingen mehrere Millionen Menschen auf die Straßen, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Dabei zeigte sich in Frankreich etwas, <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/hat-das-was-mit-dem-islam-zu-tun-der-anschlag-auf-charlie-hebdo/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Menschen, die bei dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt ums Leben kamen, wurde am Sonntag in Paris und in vielen anderen Städten gedacht. In Frankreich gingen mehrere Millionen Menschen auf die Straßen, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Dabei zeigte sich in Frankreich etwas, das ähnlich in Deutschland zu beobachten ist: Der angekündigte „Trauermarsch“ bestand nicht allein in öffentlich gezeigter Trauer, sondern der Marsch wurde auch als „Demonstration“ genutzt und von verschiedenen Seiten politisch gedeutet.</p>
<p>Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ provoziert unterschiedliche Deutungen, er provoziert offenbar Vereinnahmungen und er befördert verschiedenen Diskussionen. Thomas de Maizière, der deutsche Innenminister, betonte in den letzten Tagen immer wieder, wie wichtig es sei, zwischen Islam und Islamismus zu differenzieren. Der Islamismus müsse bekämpft werden. Dagegen ist es vollkommen unstrittig, dass die allermeisten Muslime in Europa gar nichts mit derartigen Anschlägen zu tun haben und nun keinesfalls unter Generalverdacht gestellt werden dürfen. Aber damit scheint das Problem nicht aus der Welt zu sein. Die beiden mutmaßlichen Attentäter, die von der französischen Polizei erschossen wurden, und der Geiselnehmer waren Muslime. Und die Fragen stehen nun einmal im Raum: Hat dieser Anschlag etwas mit dem Islam zu tun? Geht es hierbei um Religion? Und falls ja, um welche eigentlich?</p>
<p>Genova schreibt auf <a href="https://exportabel.wordpress.com/2015/01/11/zwei-oder-drei-dinge-zu-charlie-hebdo/" target="_blank">Exportabel</a>, es sei entnervend, dass immer wieder darauf hingewiesen werde, solche Anschläge hätten nichts mit dem Islam zu tun. Der Islam sei nämlich genau das, was daraus gemacht werde. Das heißt, wenn der Koran von manchen Menschen so verstanden werde, dass er zur Gewalt aufruft, dann sei dies zunächst einmal so hinzunehmen. Der Vorwurf, der Islam werde bloß instrumentalisiert, treffe deshalb nicht zu. Denn offenbar lässt er sich von manchen Anhängern in dieser Weise nutzen. Dabei weitet Genova die Kritik auf monotheistische Religionen insgesamt aus, die stets ein latent faschistisches Element besäßen. Das bezieht sich auf den Alleingeltungsanspruch monotheistischer Religionen, zu denen der Islam gehört.</p>
<p>Wenn man dieser Argumentation folgt, dann scheint es besonders wichtig zu sein, wie sich <em>der Islam</em> zu den Gewalttaten stellt. Ufuk Özbe kritisiert auf dem Blog <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_zauberformel_das_hat_doch_nichts_mit_dem_islam_zu_tun_zieht_nicht_mehr" target="_blank">Die Achse des Guten</a> die Reaktionen, die von Muslimen zu hören seien. Er stellt fest, dass ein kleiner Teil den Anschlag keinesfalls verdammt, sondern sogar gutheißt oder zumindest rechtfertigt oder verharmlost. Das sei so – zwar nicht in Deutschland – in einigen öffentlichen Äußerungen zu vernehmen gewesen.</p>
<p>Viele andere Muslime, die den Anschlag verurteilen, stellten wiederum heraus, dass er nichts mit dem Islam zu tun habe. Solchen Aussagen kann Özbe etwas Gutgemeintes abgewinnen, denn sie sollen sicherlich dazu beitragen, jetzt besonnen zu reagieren und nicht die Gesamtheit der Muslime mit solchen Gewalttaten irgendwie in Verbindung zu bringen.</p>
<p>Özbe fragt jedoch, ob es nicht im Islam selbst, in seinen wichtigsten Quellen, Hinweise auf eine Rechtfertigung von Gewalt gebe. Er will damit den Islam keineswegs als Religion der Gewalt darstellen, sondern eine Selbstkritik innerhalb des Islams befördern, die sich mit diesen drängenden Fragen auseinandersetzt. Wie geht die islamische Theologie mit den Koranstellen oder der Überlieferung der Hadith-Sammlungen um, auf die sich die Gewalttäter beziehen? So sei in den Hadith-Sammlungen beispielsweise eine Geschichte, in der Menschen getötet werden, weil sie den Propheten verspotteten. Wo ist der Unterschied zu den Morden in Paris? Nur der Hinweis, das sei nun mal kein Islam greife jedenfalls deutlich zu kurz.</p>
<p>Es geht dabei auch um die Deutungshoheit. Wer sagt denn, was der „richtige“ islamische Glaube sei? In einem anderen Artikel auf der <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/deutungshoheit_muss_man_durchsetzen" target="_blank">Achse des Guten</a> stellt Thomas M. Eppinger deshalb fest: Der friedliebende Islam muss die Deutungshoheit über das, was der Islam sei, nun durchsetzen.</p>
<p>Wie das gehen soll, ist selbstverständlich ein schwieriges Problem. Der Islam wird ganz unterschiedlich verstanden und ausgelebt. Der Glaube ist stets auch etwas Individuelles. Darauf weist <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2015/01/die-islamisten-die-den-jungfern.html" target="_blank">Roberto De Lapuente</a> hin, und er stellt unser Bild <em>des</em> islamistischen Terroristen infrage. Die mutmaßlichen Mörder wollten dem Anschein nach, keinesfalls als „Märtyrer“ sterben, sie flohen vom Tatort, sie verschanzten sich in einer Druckerei. Das furchterregende Bild eines Menschen, der nichts zu verlieren habe, sei hier falsch. Auch insofern ist das Bild vom „guten“ Islam und „absolut bösem“ Islamismus vielleicht zu einfach. Es gelte, die Zwischentöne, die Komplexität der Phänomene zu erfassen.</p>
<p>Michael Ramminger sucht auf dem Blog des <a href="http://www.itpol.de/?p=1620" target="_blank">Instituts für Theologie und Politik in Münster</a> nach dem, was den Islamismus ausmacht. Er weist darauf hin, dass nicht nur die Religionen Fundamentalismus und Fanatismus hervorbringen. Dieser Fanatismus hätte in der Moderne komplexe Bedingungen. Der Fanatismus sei vor allem kein „Problem von außen“, sondern ein Problem unserer Gesellschaft, dem sie sich stellen müsse. Und damit ist die Verantwortung dann nicht auf die islamische Religionsgemeinschaft abgeschoben. Im Gegenteil ist damit unsere moderne Gesellschaft insgesamt gemeint.</p>
<p>Die Suche nach Antworten verläuft derzeit mindestens auf zwei Ebenen. Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ soll konkret, bei allen noch unsicheren Sachverhalten, aufgeklärt werden. Und es wird in den Blogs nach den Bedingungen für die Tat gefragt. Hier scheint die Diskussion besonders wichtig, um nicht bei der „bloßen Solidarität“ stehen zu bleiben, sondern tatsächlich in ein Gespräch zu kommen, das aufklärerisch wirkt.</p>
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		<title>Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“: Satirische Reaktionen</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2015 06:30:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Hebdo]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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		<category><![CDATA[Satire]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ hat eine Flut unterschiedlichster Reaktionen ausgelöst: Trauer, Entrüstung, Verurteilung, Solidaritätsbekundungen – wie das „Je suis Charlie“ –, Kritik an jeglichen Solidaritätsbekundungen, Forderung von Distanzierungen, Kritik an diesen Forderungen. Etc. Welche Folgen der brutale Anschlag für die gesellschaftlichen Debatten haben wird, werden die folgenden <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/der-anschlag-auf-charlie-hebdo-satirische-reaktionen/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ hat eine Flut unterschiedlichster Reaktionen ausgelöst: Trauer, Entrüstung, Verurteilung, Solidaritätsbekundungen – wie das „Je suis Charlie“ –, Kritik an jeglichen Solidaritätsbekundungen, Forderung von Distanzierungen, Kritik an diesen Forderungen. Etc.</p>
<p>Welche Folgen der brutale Anschlag für die gesellschaftlichen Debatten haben wird, werden die folgenden Wochen zeigen. Ein besonderer Fokus liegt aber derzeit zweifelsohne auf den Satirikern und Karikaturisten. Von der „Schere im Kopf“ wird gesprochen und von dem Versuch einer Einschüchterung. Wie gehen die deutschen satirischen Blogs mit der Vorstellung einer Bedrohung um? Wie reagieren sie auf den Anschlag?</p>
<p>Der <a href="http://www.der-postillon.com/2015/01/anschlag-auf-charlie-hebdo-ganz.html" target="_blank">Postillon </a>titelte umgehend, es sei ein großartiger Tag für Islamisten einerseits und für Islamhasser andererseits. Ein PEGIDA-Demonstrant aus Dresden wird zitiert, der hofft, all die „Gutmenschen“ sähen nun ein, dass der Islam Europa überrolle. Und <a href="http://www.schleckysilberstein.com/2015/01/sternstunde-der-doppelmoral-pegida-uber-das-attentat-von-paris/" target="_blank">Schlecky Silberstein</a> zeigt dann zwei echte Facebook-Einträge, die von PEGIDA nach der Tat in Paris gepostet wurden. Die erste Fassung ist offenbar bei Facebook wieder gelöscht – sie schien tatsächlich darauf zu setzen, dass PEGIDA nun mehr Akzeptanz bekommen müsste.</p>
<p>Die <a href="http://dietagespresse.com/satiremagazin-droht-islamisten-mit-vergeltungsschlag-bis-zu-null-opfer-befuerchtet/" target="_blank">Tagepresse </a>aus Österreich weiß schon von geplanten Vergeltungsschlägen: Ein Satiremagazin habe Anschläge angedroht, von bis zu gar keinen Opfern werde ausgegangen. IS-Sympathisanten in Europa, weiß die Tagespresse, reagierten ängstlich und geschockt.</p>
<p>Die angekündigten Vergeltungsschläge könnten allerdings grundlos sein, wenn man dem Bericht in <a href="http://eine-zeitung.net/charlie-hebdo-attentaeter-bedauern-ihre-tat-nachdem-ihnen-jemand-die-witze-erklaert-hat/" target="_blank">Eine Zeitung</a> glaubt. Es ist ein alternatives Ende für die mutmaßlichen Attentäter auf „Charlie Hebdo“: Demnach haben die Attentäter ihren Fehler mittlerweile eingesehen, als ihnen jemand die Witze der Mohammed-Karikaturen erläuterte. Sie bereuten ihre Tat, bedauerlicherweise hatten sie den Spaß zunächst nicht verstanden.</p>
<p>Ganz anders der <a href="http://www.der-postillon.com/2015/01/terroristen-haben-gewonnen-wir-sagen.html" target="_blank">Postillon </a>gestern in einem zweiten Bericht, der nun eingesteht, dass die Attentäter gewonnen hätten. Gezeigt ist der karikierte nackte Hintern eines Propheten, aber der Postillon wagt es nicht mehr offenzulegen, welchem Propheten dieser Hintern gehört. Ein Hinweis auf die Angst, die der Terror schüren solle.</p>
<p>Schließlich findet sich auf der <a href="http://swiss-lupe.blogspot.de/2015/01/erste-karikaturen-zur-terrorattacke.html" target="_blank">Swiss-Lupe</a> eine Auswahl von Karikaturen, die überwiegend satirisch auf den Anschlag reagieren. Immer wieder werden die Freiheit der Satire und der Angriff darauf thematisiert. Auch die satirischen Blogbeiträge lassen sich so verstehen. Und sie antworten darauf mit ihrer „Waffe“: mit der Komik.</p>
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		<title>Ausweitung der Kampfzone? PEGIDA und das Attentat auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jan 2015 08:22:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsradikalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Welch irritierende Gleichzeitigkeit: Während in Deutschland in verschiedenen Städten Menschen gegen eine „Islamisierung“ auf die Straßen gehen, wird in Paris ein grausames Attentat verübt, für das allem Anschein nach islamistische Terroristen verantwortlich sind. Wie wird der Anschlag die politische Landschaft verändern? Zunächst einmal zu PEGIDA: Die montäglichen Demonstrationen der „Patriotischen <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/ausweitung-der-kampfzone-pegida-und-das-attentat-auf-die-satirezeitschrift-charlie-hebdo/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Welch irritierende Gleichzeitigkeit: Während in Deutschland in verschiedenen Städten Menschen gegen eine „Islamisierung“ auf die Straßen gehen, wird in Paris ein grausames Attentat verübt, für das allem Anschein nach islamistische Terroristen verantwortlich sind. Wie wird der Anschlag die politische Landschaft verändern?</p>
<p>Zunächst einmal zu PEGIDA: Die montäglichen Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) erhalten weiter Zulauf – zumindest in Dresden. Rund 18.000 Menschen gingen dort auf die Straße und damit nochmals deutlich mehr, als in den Wochen zuvor. In anderen Städten, in denen ebenfalls zu Demonstrationen nach dem Dresdner Vorbild aufgerufen worden war – etwa in Köln oder Berlin –, kamen jedoch weit weniger Menschen. In den meisten Fällen überwog dort die Zahl derjenigen, die sich gegen die islamkritischen Demonstrationen stellten und sich für Toleranz und Weltoffenheit aussprachen. Die Gegendemonstranten konnten sich breiten öffentlichen Rückhalts gewiss sein: Viele Politiker, Intellektuelle und Prominente hatten sich in den letzten Tagen und Wochen entschieden gegen die Ziele und die Weltsicht der PEGIDA-Demonstranten ausgesprochen. Besonders prominent tat dies Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen ihrer Neujahrsansprache. Sie forderte die Menschen dazu auf, nicht denjenigen zu folgen, die zu den PEGIDA-Demonstrationen aufrufen, denn zu oft seien in deren Herzen Vorurteile, Kälte und Hass. Für ihre deutlichen Worte erntete Merkel viel Lob von verschiedenen Seiten. Der AfD-Politiker Alexander Gauland, der vor Weihnachten die Demonstration in Dresden besucht hatte, kritisierte Merkel hingegen scharf dafür, dass sie die Menschen und deren Anliegen einfach von oben herab verurteile, ohne dass sie diese wirklich kenne.</p>
<p>Fritz Goergen stört auf <a href="http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/das-pegida-verbot-wirkt/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=das-pegida-verbot-wirkt" target="_blank">Tichys Einblick</a> etwas anderes an Merkels Warnung vor den PEGIDA-Demonstrationen: Wieder habe Merkel geschickt ein umstrittenes – eigentlich rot-grünes – Thema in ihrer typischen Art und Weise aus dem Spiel genommen – und fast alle seien darauf hereingefallen. Selbst die Linken würden es nicht bemerken, wie bestehende Konfliktlinien einfach überdeckt würden und alles in eine passiv machende Ummantelung gehüllt werde. Merkel kümmere sich schon um alles, so das Signal der Neujahrsansprache, ohne dass sie irgendwie konkret würde oder die dringend nötigen Reformvorhaben anpacke. Dass dies den PEGIDA-Demonstrationen eher weiteren Zulauf bringe, störe Merkel dabei wohl kaum, wie Goergen mutmaßt.</p>
<p><a href="http://denken-erwuenscht.com/ueber-die-banalisierung-des-begriffes-nazi/" target="_blank">Klaus Kelle</a> beobachtet die einhellige und oft sehr harsche Zurückweisung der von den PEGIDA-Aktivisten artikulierten Ziele und Ängste mit einigem Unbehagen. Denn auch wenn Kelle die Dresdner Demonstrationen insgesamt kritisch sieht, findet er es doch bedenklich, dass man bestimmte Dinge in Deutschland anscheinend nicht (mehr?) an- oder aussprechen dürfe, ohne gleich als rechtspopulistisch oder sogar als Nazi abgestempelt zu werden. So würden Debatten über existierende gesellschaftliche Problemlagen unterbunden und abgewürgt, die doch eigentlich offen geführt werden müssten. Denn konservative Positionen vertrete nicht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, wie Kelle im Hinblick auf den kometenhaften Aufstieg der AfD, die Märsche gegen Sterbehilfe und Abtreibung oder eben die PEGIDA-Demonstrationen, feststellt. Wenn man diese Positionen weiter abkanzle und mit der Nazikeule traktiere, werde sich der Protest weiter verstärken.</p>
<p>Doch trifft die PEGIDA-Demonstranten nicht auch eine gehörige Mitschuld an dieser häufig vorzufindenden Abstempelung als rechts bzw. rechtsextrem? Steht die Flanke nach Rechtsaußen nicht weit offen – ob nun gewollt oder nicht?</p>
<p>Christian Buggisch nimmt auf <a href="http://www.publikative.org/2015/01/01/die-luegenpresse-ein-begriff-und-seine-geschichte/" target="_blank">Publikative.org</a> die Semantik der Protestierenden etwas genauer unter die Lupe. Die Demonstranten in Dresden wenden sich mit ihren Plakaten, Sprechchören und Wortmeldungen zunehmend gegen die sogenannte „Lügenpresse“, die ihre Positionen ignorieren oder verfälschen würde. Mit dem Begriff „Lügenpresse“ bedienen sich die Demonstranten eines (Kampf-) Begriffes, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der völkischen Bewegung entscheidend geprägt wurde und dann u.a. von Joseph Goebbels und dem NSDAP-Vordenker Alfred Rosenberg benutzt wurde, um linke und ausländische Zeitungen als „undeutsch“ zu brandmarken. Nun bedienen sich die Dresdner Demonstranten dieses Vokabulars mit ganz ähnlicher Stoßrichtung, so Buggisch, was sie zwar nicht gleich allesamt zu Nazis mache. Wundern dürften sie sich über die vehemente Zurückweisung aber nicht.</p>
<p>Alan Posener widmet sich auf <a href="http://starke-meinungen.de/blog/2015/01/05/4606/" target="_blank">starke-meinungen.de</a> einem anderen Begriff, den die PEGIDA-Aktivisten im Munde führen (und dazu noch im Namen tragen), nämlich dem der „Islamisierung“. Posener hält ihn für einen Kampfbegriff, der auf eine ähnliche Art und Weise gegen die Demokratie gerichtet sei, wie der Begriff der „Verjudung“ vor 1945. Mit dem Begriff klinge etwas äußerst Gefährliches und Destruktives an, denn das eigentlich Problematische sieht Posener darin, dass viele Menschen dem Begriff zumindest ein Fünkchen Wahrheit zugestehen würden, auch wenn das beschriebene Phänomen der „Islamisierung“ in Europa doch ganz offensichtlich nur eine Schimäre sei. Die eigentliche Schande sei daher gar nicht PEGIDA selbst, sondern die vielen „PEGIDA-Versteher“, so Posener.</p>
<p>Das schreckliche – mutmaßlich von islamistischen Terroristen verübte – Attentat auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, die in der Vergangenheit islamismuskritische Karikaturen veröffentlicht hatte, könnte dazu führen, dass auch Ressentiments gegen „den Islam“ weiter geschürt und dramatisch verschärft werden. AfD und NPD versuchten schnell Kapital aus dem Anschlag zu schlagen. Gauland betonte, dass die Forderungen der PEGIDA-Aktivisten angesichts der Geschehnisse in Paris nun bedeutend an Gewicht gewinnen würden und die Bewegung nicht länger verspottet und abgetan werden dürfte. PEGIDA-Organisatoren riefen dazu auf, am nächsten Montag mit Trauerflor bei den Demonstrationen zu erscheinen.</p>
<p>Auch Roland Tichy schlägt auf <a href="http://www.rolandtichy.de/tichys-einblick/kaempft-fuer-die-meinungsfreiheit-und-gegen-religioesen-fanatismus/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=kaempft-fuer-die-meinungsfreiheit-und-gegen-religioesen-fanatismus" target="_blank">seinem Blog</a> den Bogen von dem tödlichen Attentat auf die „Charlie Hebdo“-Journalisten zu den PEGIDA-Demonstrationen und stellt fest, dass in Paris allem Anschein nach die abenteuerlichsten und schlimmsten Phantasien der PEGIDA-Aktivisten wahr geworden seien. Die jüngste „Jagd“ auf die PEGIDA-Anhänger erscheint Tichy – nicht nur (aber auch) – vor diesem Hintergrund jedenfalls übertrieben und zugleich lächerlich. Das Demonstrationsrecht dürfe ebenso wenig angetastet werden, wie die Meinungs- und Pressefreiheit, so Tichy.</p>
<p>Leo Brux hofft auf dem <a href="http://blog.initiativgruppe.de/2015/01/07/blogig-solidarisch-mit-charlie-hebdo/" target="_blank">Migrationsblog der Initiativgruppe e.V.</a>, dass nun nicht wieder <em>die Muslime</em> beschuldigt würden wie dies in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen schon öfters passiert sei. Dies würde nämlich genau das Anliegen der mutmaßlichen islamistischen Terroristen befördern: die Aggressionen schüren, die Eskalation vorantreiben. Diese mache sie paradoxerweise gleichsam zu Verbündeten der Islamfeinde, die auch auf eine offene, gewaltsame Auseinandersetzung aus seien. Stattdessen sollten wir alle gemeinsam Flagge zeigen, für die Meinungs- und Pressefreiheit einstehen und uns ganz entschieden gegen Gewalt aussprechen. Dann hätten die Terroristen verloren.</p>
<p>Wie die Menschen auf die brutalen Morde in Paris reagieren werden, wird spannend zu beobachten sein. Es bleibt zu hoffen, dass sie die von den Terroristen herangetragene „Ausweitung der Kampfzone“ nicht annehmen werden, sondern möglichst besonnen reagieren. Dass die PEGIDA-Demonstration in Dresden weiteren Zulauf bekommen wird, ist aber vor diesem Hintergrund relativ wahrscheinlich. Die Frage wird sein, in welche Richtung sich die Bewegung dann entwickeln wird.</p>
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		<title>PEGIDA – Annäherungen an ein unscharfes Phänomen</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Dec 2014 08:33:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
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		<category><![CDATA[Montagsdemonstrationen]]></category>
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		<description><![CDATA[Rund 15.000 Menschen waren am vergangenen Montag in Dresden auf der Straße, um als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (kurz: PEGIDA) zu demonstrieren. Es war bereits die neunte Demonstration dieser Art in der sächsischen Landeshauptstadt. In einigen anderen deutschen Städten gibt es inzwischen Ableger der Dresdner Demonstration, die <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/pegida-annaeherungen-an-ein-unscharfes-phaenomen/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Rund 15.000 Menschen waren am vergangenen Montag in Dresden auf der Straße, um als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (kurz: PEGIDA) zu demonstrieren. Es war bereits die neunte Demonstration dieser Art in der sächsischen Landeshauptstadt. In einigen anderen deutschen Städten gibt es inzwischen Ableger der Dresdner Demonstration, die ebenfalls regen Zulauf finden. Auch Gegendemonstrationen wurden initiiert. Viele deutsche Fahnen sind bei den PEGIDA-Demonstrationen zu sehen und historisch tradierte Slogans wie „Wir sind das Volk“ werden skandiert. Inhaltlich bleibt die Protestbewegung schwer zu fassen: Mit Journalisten der etablierten Medien will man nicht sprechen. Man misstraut ihnen. In einem neunzehn Punkte umfassenden Programm, das jüngst veröffentlicht wurde, spricht man sich für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten aus und fordert zugleich eine „Null-Toleranz-Politik“ gegen straffällig gewordene Asylbewerber und strengere Regeln zur Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas und Südafrikas. Die Werte des christlich-jüdischen Abendlandes sollen verteidigt und die Enstehung von „Parallelgesellschaften“ in Deutschland verhindert werden. Zudem wendet man sich gegen das als „wahnwitzig“ empfundene „Gender Mainstreaming“.<br />
Viele ranghohe Politiker und Politikerinnen distanzierten sich von den PEGIDA-Demonstrationen, jüngst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Laut Merkel sei in Deutschland kein Platz „für Hetze und Verleumdung von Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen“. Es wurde aber auch aus den Reihen der CDU und CSU dazu aufgerufen, dass man die Demonstranten nicht pauschal als rechtsextrem bezeichnen dürfe oder dass man die Sorgen der Menschen, die dort auf die Straße gingen, ernst nehmen solle. Die konservativ-populistische AfD zeigte am meisten Verständnis für das Anliegen der PEGIDA-Demonstranten und entsandte zu der Dresdner Demonstration am letzten Montag eine Delegation um den AfD-Abgeordneten Alexander Gauland.</p>
<p><a href="http://kosmopolitissa.net/2014/12/15/da-da-da-der-islam-als-suendenbock/" target="_blank">Kosmopolitissa</a> ist erstaunt über die vorgeblichen Beweggründe des PEGIDA-Protests. Für die von den Demonstranten ins Feld geführte Islamisierung des Abendlandes gebe es ebenso wenig Belege wie für einen islamischen „Glaubenskrieg“ auf deutschem oder europäischem Boden. Freilich gebe es unter den rund vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen einige wenige gewaltbereite Islamisten. Gegen diese müsse man selbstverständlich vorgehen, aber ebenso gegen Rechtsextremisten und Rechtspopulisten, die sich zweifelsohne auch unter den PEGIDA-Demonstranten tummeln würden und dort unverantwortlich Ängste gegen Muslime und den Islam schüren.</p>
<p>Auch Jörg Wellbrock fragt sich auf dem <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/131072/pegida-ab-jetzt-wird-zurueckgerufen" target="_blank">Spiegelfechter</a>, wovor die Dresdner Demonstranten eigentlich Angst hätten. Vor den rund 0,1% Muslimen, das ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung in Sachsen, wohl kaum. Was bei den Demonstranten im Vordergrund stünde, sei weniger empirisch Belegbares als vielmehr diffuse Ängste vor einer Islamisierung, sozialem Abstieg, drohender Arbeitslosigkeit, den Zumutungen der Globalisierung, Krieg. All dies schwinge bei den Demonstrationen mit, so Wellbrock. Anstatt konkrete Lösungsansätze für diese Probleme zu fordern oder gar zu suchen, übe man sich lieber im altbewährten Schüren von Ängsten und da käme der Islam gerade recht – wie wirklichkeitsfern dies auch immer sei. Die PEGIDA-Bewegung sei gerade deshalb so erfolgreich, weil sie mit ihren Forderungen an den von der Politik schon seit längerem – latent oder explizit – geschürten Fremden- und Ausländerhass anknüpfen könne. Im Grunde sei das Phänomen PEGIDA die logische Konsequenz dieser Politik, so Wellbrock.</p>
<p>Auch Felix M. Steiner sieht in einem Gastbeitrag auf dem <a href="http://www.demokratie-goettingen.de/blog/sarrazin-afd-hogesa-pegida" target="_blank">Blog des Göttinger Instituts für Demokratieforschung</a> eine Kontinuität mit schon länger existierenden – und in der deutschen Bevölkerung relativ weit verbreiteten – antimuslimischen und antiziganischen Einstellungen, an die die PEGIDA-Formation anschließen könne. Es gereiche ihr dabei geradezu zum Vorteil, dass sie programmatisch ziemlich vage bleibe. So könnte sie auch Menschen ansprechen und mobilisieren, die nicht zu einer klassischen rechtsextremen Demonstration gehen würden. Dennoch weise die Argumentation von PEGIDA viele Elemente der „Neuen Rechten“ auf. Einen wesentlichen Faktor für den großen Zulauf zu den PEGIDA-Demonstrationen sieht Steiner in der schwindenden integrativen Wirkung des rechten Flügels der CDU, der auch zur Gründung der AfD beigetragen habe. Die Entwicklung und der Erfolg von AfD und PEGIDA verlaufe in Sachsen ähnlich – was wohl kein Zufall ist.</p>
<p>Auf <a href="https://fdogblog.wordpress.com/2014/12/13/phanomen-pediga/" target="_blank">Freunde der offenen Gesellschaft</a> sieht man andere Gründe für den Zulauf zu den PEGIDA-Demonstrationen. Viele Menschen könnten mit dem Schalten und Walten des politischen Establishments nichts mehr anfangen. Zu stark, zu bevormundend und unter Zuhilfenahme immer repressiverer Methoden würde der Staat in die Gesellschaft und das Privatleben der Menschen eingreifen und hineinregieren. Zu weit weg sei das Establishment von den Menschen, die das Gefühl hätten, keinen Einfluss mehr auf den politischen Betrieb und dessen Entscheidungen zu haben. Neben einigen politischen Wirrköpfen gingen in Dresden und anderswo nun Menschen auf die Straße, die ihr Unbehagen über diese Entwicklungen kundtun wollen. Und das sei ihr gutes Recht. Sie einfach pauschal als rechtspopulistisch abzutun, helfe jedenfalls nicht.</p>
<p>Das sieht <a href="http://www.rolandtichy.de/tichys-einblick/pegida-die-schweigsamen-und-das-laermen-der-medien/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=pegida-die-schweigsamen-und-das-laermen-der-medien" target="_blank">Roland Tichy</a> ähnlich, der sich nicht darüber wundert, dass die PEGIDA-Demonstranten nichts mit den Qualitätsmedien und der etablierten Politik zu tun haben wollen. Zu einfach würden sie und ihre Sorgen abgekanzelt, zu schnell würden sie pauschal in die rechte Ecke gestellt oder einfach als Chaoten abgestempelt. Man müsse die Themen und Sichtweisen der Demonstranten ja nicht alle teilen, anhören und durchdenken sollte man sie aber schon, so Tichy. Und wenn man dies tue, komme man zu dem Schluss, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland eben in der Tat komplizierter und unübersichtlicher sei, als dies oft dargestellt würde. Doch die real existierenden Konfliktlinien in der deutschen Einwanderungsgesellschaft würden aufgrund einer falsch verstanden „political correctness“ von den Medien nicht (mehr) als solche benannt, weil man nicht Gefahr laufen wolle, als ausländer- oder fremdenfeindlich wahrgenommen zu werden. Es gebe durchaus Anzeichen für eine Islamisierung und für die Bildung neuer Ghettos, so Tichy. Wenn man dies ignoriere und nicht darüber spreche, sei keinem geholfen. Tichy stört das „große Verschweigen“, das von der CDU bis zur Linkspartei reiche und ihn ärgert vor allem auch die Jagd auf alle, die gegen dieses Schweigegebot verstoßen.</p>
<p>Zu denken geben muss es in jedem Falle, wenn eine große Zahl Menschen nicht mehr mit den Medien sprechen will und sich anscheinend viele immer mehr von der etablierten Politik entfremdet sehen. Die Frage ist dann, wie und warum es dazu gekommen ist und wie man darauf reagieren kann. Fremden- und ausländerfeindliche Sichtweisen müssen aber, wenn sie aufkommen, trotzdem als solche bezeichnet und kritisiert werden. Man darf eben nicht dabei stehenbleiben.</p>
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		<title>…und alle Fragen offen. Der schwierige Umgang mit dem Phänomen &#8220;Islamischer Staat&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Dec 2014 08:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) gibt vielen Beobachtern Rätsel auf. Wie ist der anhaltende militärische und politische Erfolg der radikal-sunnitischen Gruppierung zu erklären? Trotz einiger militärischer Rückschläge im Zuge der US-geführten Luftschläge, sind die IS-Truppen nicht auf dem Rückzug und bauen in den von ihnen beherrschten Gebieten staatsähnliche Strukturen <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/und-alle-fragen-offen-der-schwierige-umgang-mit-dem-phaenomen-is/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) gibt vielen Beobachtern Rätsel auf. Wie ist der anhaltende militärische und politische Erfolg der radikal-sunnitischen Gruppierung zu erklären? Trotz einiger militärischer Rückschläge im Zuge der US-geführten Luftschläge, sind die IS-Truppen nicht auf dem Rückzug und bauen in den von ihnen beherrschten Gebieten staatsähnliche Strukturen auf bzw. aus. Wieso erhält der IS immer weiteren Zulauf, trotz der offen zur Schau gestellten Brutalität? Aus vielen Ländern machen sich Menschen auf den Weg, um den IS in seinem Kampf zu unterstützen. Was kann man dagegen tun? Und wie kann man der über die sozialen Netzwerke verbreiteten Propaganda entgegenwirken? Und vielleicht am wichtigsten und zugleich schwierigsten: Wie lässt sich der IS effektiv bekämpfen? Sind Luftschläge geeignet, um den IS zu zerschlagen oder bedarf es anderer Mittel?<br />
Am Mittwoch dieser Woche trafen sich in Brüssel ranghohe Vertreter der internationalen Anti-IS-Koalition, der rund 60 Staaten angehören, um über diese und andere Fragen zu beraten und das weitere gemeinsame Vorgehen zu koordinieren. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier stellte während des Treffens fest, dass man sich auf einen lange währenden Kampf gegen den IS einstellen müsse.</p>
<p>Dass es keine schnelle Lösung in der Auseinandersetzung mit dem IS geben kann, dem stimmt auch Graham E. Fuller auf <a href="http://www.lobelog.com/the-isis-phenomenon-how-does-it-end/" target="_blank">LobeLog</a> zu. Im Gegensatz zu den in Brüssel versammelten Diplomaten und Politikern hält er jedoch wenig von einer militärischen Herangehensweise an den Konflikt. Dem Phänomen, das hinter dem Mobilisierungspotential des IS stehe, lasse sich nicht mit Waffengewalt begegnen, so Fuller. In seinem Beitrag ordnet er den „Islamischen Staat“ zunächst einmal in die lange Reihe islamistischer Terror- bzw. Widerstandsgruppen ein, die sich als radikale Reaktion auf den jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelangen westlichen Imperialismus und Interventionismus herausgebildet haben. Was den IS aber etwa von al-Qaida unterscheide, so Fuller, sei dessen Anspruch auf ein Kalifat. Auch wenn die Wiederbelebung der Idee eines großen, grenzübergreifenden Kalifats von den meisten Muslimen skeptisch beäugt werde, docke der IS doch auf einer tiefliegenden Ebene an die Sehnsüchte vieler Muslime nach einer (wieder-) vereinigten muslimischen Welt an, die der Dominanz des Westens etwas entgegenstellen könnte. Mit dieser Idee locke der IS genügend Menschen – auch aus dem Westen – an, um seinen Kampf fortführen zu können. Dieser Mobilisierung der Enttäuschten und Frustrierten wirke man durch militärische Einsätze jedenfalls nicht entgegen, so Fuller. Ganz im Gegenteil.</p>
<p>Auch Ahmed Rashid findet, dass man dem IS nur dann etwas entgegensetzen könne, wenn man dessen Antrieb verstehe. Auf dem <a href="http://www.nybooks.com/blogs/nyrblog/2014/dec/02/isis-what-us-doesnt-understand/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+nyrblog+%28NYRblog%29" target="_blank">Blog des New York Review of Books</a> stellt Rashid fest, dass der IS, ganz im Gegensatz etwa zu al-Qaida, nicht primär gegen den Westen kämpfe. Vielmehr handle es sich vorrangig um einen Krieg <em>innerhalb</em> des Islams. Der IS kämpfe gegen die Schiiten und die gemäßigten, pluralistisch orientierten Muslime. Gemäß der vom IS verfolgten salafistischen Ideologie werde ein puritanischer Islam nach dem Vorbild des siebten Jahrhunderts und die Gründung eines politisch und religiös vereinheitlichten Nahen Ostens in Form <em>eines</em> Kalifats angestrebt – mit all den brutalen Konsequenzen, die das für die anderen mit sich bringt. Wenn man akzeptiere, dass der IS einen Krieg innerhalb des Islams vorantreibe, dann müssten im Kampf gegen den IS auch ganz andere Akzente gesetzt werden als bisher, so Rashid. So sei es kontraproduktiv, dass die USA die Anti-IS-Koalition anführe. Das sollten vielmehr diejenigen arabischen Staaten tun, gegen die sich der Terror des IS richtet. Die USA sollten mit diplomatischen Mitteln dafür sorgen, dass sich die zur Führung der Koalition geeigneten Staaten – Rashid nennt Jordanien, Saudi Arabien und die Türkei – nicht selbst oder gegenseitig im Wege stehen, sondern diese Rolle annehmen. Nur dann könne der IS wirksam bekämpft werden.</p>
<p>Wie passt da das jetzt bekannt gewordene militärische Vorgehen des Iran gegen den IS ins Bild? Laut Pentagon haben iranische Kampfjets IS-Stellungen auf irakischem Territorium bombardiert, allerdings ohne die USA vorher informiert zu haben. Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind seit 1979 traditionell schlecht – man bezeichnete sich in der jüngeren Vergangenheit gegenseitig als „Schurkenstaat“ bzw. „großen Satan“.</p>
<p>Dennoch sei es nur schwer vorstellbar, so Florian Rötzer auf <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43501/1.html" target="_blank">Telepolis</a>, dass die USA nicht über die iranischen Luftschläge Bescheid gewusst hätten. Rötzer schätzt, dass die USA diese auch zumindest dulden würden. Offen zugeben könne man eine wie auch immer geartete militärische Kooperation oder Koordination im Zuge des Kampfs gegen den IS jedenfalls nicht.</p>
<p>Dass es eine solche gab bzw. gibt, davon ist Juan Cole überzeugt. Auf <a href="http://www.juancole.com/2014/12/bombing-raids-extremists.html" target="_blank">Informed Comment</a> schreibt er, dass die USA schließlich den irakischen Luftraum kontrollieren und nach feindlichen Flugzeugen Ausschau halten würden. Im Irak hätten die USA und der Iran einen gemeinsamen Feind und ehe sie sich versähen, fänden sie sich plötzlich auf derselben Seite wieder.</p>
<p>Zugeben will dies freilich auch der Iran nicht, wie Joshua Keating auf dem <a href="http://www.slate.com/blogs/the_world_/2014/12/03/iran_vigorously_denies_u_s_claims_that_it_s_cooperating_with_the_u_s_against.html" target="_blank">Slate The World-Blog</a> feststellt. Der Iran bestreitet vorsorglich gleich ganz, dass die Luftschläge (so) stattgefunden hätten. Mit den USA werde man unter keinen Umständen militärisch kooperieren, ließ ein iranischer Offizieller verlauten. Nichts Genaues weiß man also nicht und die ganzen komplizierten diplomatischen Verrenkungen und Verschränkungen – diese bestimmte Unbestimmtheit – findet wohl nicht nur Keating einigermaßen kurios.</p>
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		<title>„Hooligans gegen Salafisten“: Was passierte da in Köln?</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2014 08:42:39 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Netzwerk „Hooligans gegen Salafisten“ (kurz: HoGeSa) hatte zum vergangenen Sonntag zu einer Demonstration in Köln aufgerufen. Die Veranstalter wollten laut eigener Aussage auf die Gefahr des Salafismus für Deutschland aufmerksam machen und gegen islamistischen Terror demonstrieren. Rund 4000 Demonstranten aus dem ganzen Bundesgebiet folgten diesem Ruf. Während der Demonstration <a href=" http://blogumschau.de/2014/10/hooligans-gegen-salafisten-was-passierte-da-in-koeln/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netzwerk „Hooligans gegen Salafisten“ (kurz: HoGeSa) hatte zum vergangenen Sonntag zu einer Demonstration in Köln aufgerufen. Die Veranstalter wollten laut eigener Aussage auf die Gefahr des Salafismus für Deutschland aufmerksam machen und gegen islamistischen Terror demonstrieren. Rund 4000 Demonstranten aus dem ganzen Bundesgebiet folgten diesem Ruf. Während der Demonstration kam es zu Sachbeschädigungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Viele Polizisten wurden dabei verletzt.</p>
<p>Felix M. Steiner schreibt auf <a href="http://www.publikative.org/2014/10/26/schwere-eskalationen-in-koeln-neonazis-und-hooligans-hand-in-hand/" target="_blank">Publikative.org</a> über seine Wahrnehmung der Vorgänge während der Demonstration. Unter den Protestierenden seien nicht nur Fußballfans und Hooligans, sondern auch viele bekannte Rechtsradikale und Neonazis gewesen. Aus der Menge der Demonstranten seien immer wieder eindeutig fremdenfeindliche und rechtsextreme Parolen zu vernehmen gewesen. Journalisten seien eingeschüchtert und bedroht worden. Die Lage eskalierte, Hooligans warfen Steine und Flaschen, woraufhin die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt hatten. Allerdings sei der Einsatz gegen die gewalttätigen Demonstranten nicht konsequent genug gewesen, so dass die Gewalt immer wieder aufflammen konnte.</p>
<p>Auf <a href="http://diefreiheitsliebe.de/gesellschaft/4000-rechte-ziehen-gegen-auslaender-linke-und-muslime-durch-koeln/" target="_blank">Die Freiheitsliebe</a> betont Julius Jamal insbesondere, wie überfordert die Polizei bei all dem gewirkt habe. Sie habe es nicht vermocht, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Nur äußerst knapp habe die Polizei gewaltsame Übergriffe der Hooligans auf linke Gegendemonstranten verhindern können. Doch nicht nur der Polizei wirft Jamal Versagen vor, auch die Linken hätten das Potential der rechten Proteste verkannt und es versäumt, zu einer angemessen breit aufgestellten Gegendemonstration zu mobilisieren.</p>
<p>Doch wer hat da eigentlich zu den Protesten aufgerufen? Was bzw. wer steckt hinter HoGeSa? Das sei gar nicht so einfach zu beantworten, schreibt <a href="http://www.publikative.org/2014/10/27/hogesa-die-alte-garde-meldet-sich-zurueck/" target="_blank">Patrick Gensing</a> auf einem Beitrag auf Publikative.org. Bei HoGeSa handle es sich um keine einheitliche, fest organisierte Gruppe. Sie mobilisiere über die sozialen Netzwerke und biete „niedrigschwellige“ (Mitmach-) Angebote, was sie für verschiedene Seiten attraktiv mache. Laut Gensing orientieren sich die HoGeSa-Organisatoren merklich an der rassistisch-islamkritischen „English Defense League“, die an ganz unterschiedliche politische Strömungen andocken könne. Zwar wehren sich einige innerhalb des Netzwerkes dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden, Gensing geht aber davon aus, dass der Anteil der Rechtsextremen bei weiteren Demonstrationen noch zunehmen wird.</p>
<p>Auf <a href="http://50shadesofhate.wordpress.com/2014/10/28/hogesa_stinkt/" target="_blank">50 Shades of Hate</a> blickt Lena Bellamy zugleich zornig und hilflos auf die Vorkommnisse in Köln. Sie fragt sich, was denn eigentlich los sei in diesem Land. Eine plumpe Fremden- und Ausländerfeindlichkeit mache sich immer weiter breit. Die Demonstration in Köln sei da nur symptomatisch. Die – ja durchaus verständliche – Gegnerschaft gegen den „Islamischen Staat“ (IS) werde als Vorwand genommen, um gegen <em>den Islam</em> und überhaupt alles Fremde zu mobilisieren. Gezielte Stellungnahmen gegen den IS oder den Salafismus seien während der Demonstration nämlich kaum zu vernehmen gewesen, dafür aber viele deutschtümelnde und (fremden-) hasserfüllte Parolen. Dieses Schüren von Ängsten gegen alles Fremde, das zunehmend verfange, bereitet Bellamy große Sorge.</p>
<p>Frank Lübberding stört auf <a href="http://www.wiesaussieht.de/2014/10/27/hooligans-und-salafisten/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=hooligans-und-salafisten" target="_blank">wiesaussieht</a>, dass es sich irgendwie alle zu leicht machen. Die Linken erklären einfach alle Demonstranten zu Nazis, die Polizei spreche von „unpolitischen Gewalttätern“, denen es nur um Krawalle gegangen sei. Das tieferliegende Problem werde dabei verkannt bzw. ignoriert: Der Salafismus werde in den öffentlichen Debatten so übertrieben zur Gefahr für Deutschland hochgejazzt, dass es kein Wunder sei, dass sich die HoGeSa-Demonstranten als Verteidiger Deutschlands verstehen könnten – wie objektiv unbegründet das auch immer sein möge.</p>
<p>Mit schnellen Urteilen oder einfachen Erklärungen ist das bei Konflikten immer so eine Sache. Man erfasst mit ihrer Hilfe oftmals einen Teilaspekt, selten aber die „ganze Sache“. In der Tat erscheint es notwendig, nach den tieferliegenden Gründen für die Demonstration in Köln zu fragen. Welches sind die Motive? An welche gesellschaftlich kursierende Gefahrenwahrnehmung schließen die Demonstranten an? Welche Gefühle der Bevölkerung greifen sie auf? Die Gewalt ist deutlich zu verurteilen. Vielleicht ist sie für die Zukunft aber auch (besser) zu verhindern, wenn man versteht, woran sie sich entzündet. Neue HoGeSa-Demonstrationen wurden bereits angekündigt.</p>
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		<title>In der Pauschalisierungsfalle – Debatte um „den Islam“ reloaded</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Jul 2014 07:50:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA["Bild"-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Nicolaus Fest]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der Islam“ steht mal wieder zur Debatte: und damit sein Verhältnis zu Friedfertigkeit und Gewalt, Toleranz und Intoleranz. „Ist der Islam böse?“ fragt etwa das Magazin „Cicero“ in seiner aktuellen Ausgabe bewusst provozierend und spielt damit auf die radikalislamischen ISIS-Rebellen im Irak und in Syrien oder die Hamas im Gazastreifen <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/in-der-pauschalisierungsfalle-debatte-um-den-islam-reloaded/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Der Islam“ steht mal wieder zur Debatte: und damit sein Verhältnis zu Friedfertigkeit und Gewalt, Toleranz und Intoleranz. „Ist der Islam böse?“ fragt etwa das Magazin „Cicero“ in seiner aktuellen Ausgabe bewusst provozierend und spielt damit auf die radikalislamischen ISIS-Rebellen im Irak und in Syrien oder die Hamas im Gazastreifen an. Auslöser der aktuellen Debatte ist aber ein Kommentar des stellvertretenden Chefredakteurs der „Bild am Sonntag“, Nicolaus Fest, in dem dieser den Islam pauschal als Integrationshindernis bezeichnet. Sich selbst als „religionsfreundlichen Atheisten“ titulierend, störe ihn am Islam so einiges, etwa Zwangsehen, Ehrenmorde, der Umgang mit Frauen und Homosexuellen, die verhältnismäßig hohe Kriminalitätsrate in Deutschland lebender muslimischer Jugendlicher oder die zunehmende antisemitische Pogromstimmung, die sich im Zusammenhang mit pro-palästinensischen Demonstrationen gegen Israels Gaza-Politik manifestiere. Der Kommentar provozierte viel Widerspruch, insbesondere weil er den Islam pauschal herabwürdige. Auch Rassismusvorwürfe wurden gegen Fest vorgebracht. Der Herausgeber der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, reagierte auf die massive Kritik und distanzierte sich in einem Kommentar allgemein von pauschalisierenden und diskriminierenden Äußerungen gegenüber einer Religion – und dem Islam insbesondere.</p>
<p>Pikant ist die ganze Angelegenheit insbesondere deshalb, weil sich die „Bild“-Zeitung jüngst in einer groß angelegten Kampagne gegen einen neu aufflammenden Antisemitismus mobilisiert hatte. Mats Schönauer findet es auf <a href="http://www.bildblog.de/59135/kein-platz-fuer-judenhass-fuer-moslemhass-aber-schon/" target="_blank">BILDblog</a> nicht nur irritierend und verlogen, dass gerade die „Bild“-Zeitung nun gegen Diskriminierung und für Toleranz kämpfe, wo sie doch in der Vergangenheit immer wieder gegen Griechen, Sinti und Roma oder Muslime Stimmung gemacht hätte; dass Fest quasi aus dieser Toleranz-Kampagne heraus völlig undifferenziert gegen den Islam feure, sei nicht zu tolerieren. Hass gegen Juden werde verurteilt, der gegen Muslime aber (weiter) geschürt.</p>
<p><a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/18477/islamhassender-bams-vize-erschreibt-sich-herrlichen-shitstorm-und-eine-art-abmahnung/" target="_blank">Stefan Niggemeier</a> sieht das ganz ähnlich und weist darüber hinaus darauf hin, dass Fest alles andere als ein unbeschriebenes Blatt sei. Schon seit längerem versuche Fest sein Image als kompromissloser Haudrauf zu kultivieren. Mit seinen Wortmeldungen gegen Zuwanderung und Integration habe er immer wieder auch Applaus aus der (ganz) rechten Ecke geerntet. Und obwohl Fest keine Differenzierung zwischen dem Islam als Weltreligion und dem Islamismus als politischer Ideologie mache – womit er sich gegen die von Diekmann vorgegebene offizielle Linie des Axel Springer-Konzerns stelle –, sei sein Posten bei der „Bild am Sonntag“ wohl nicht in Gefahr, so Niggemeier.</p>
<p>Paul Nellen wirft in einem Gastbeitrag auf <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wieviel_islam_vertraegt_das_land" target="_blank">Die Achse des Guten</a> den vielen Kritikern Fests unhaltbare Pauschalisierungen und Substanzlosigkeit vor. Sie würden längst bekannte empirische Fakten zur Einwanderung ignorieren und wollten dies mit dem Rassismusvorwurf gegen Fest übertünchen. Von Beleidigungen oder Ressentiments gegenüber Einwanderern oder Menschen mit Migrationshintergrund könne bei Fests Kommentar keine Rede sein. Er verkürze und pauschalisiere zwar durchaus aber die vorgebrachten Argumente würden dadurch nicht falsch. So bestehe eben ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen religiöser Einstellung und kriminellem Verhalten bei muslimischen Jugendlichen. Sich mit dieser und anderen Wahrheiten auseinanderzusetzen, so Nellen, sei vielleicht schmerzhaft, aber notwendig.</p>
<p>Auch <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nicolaus_fest_und_die_fakten" target="_blank">Thomas Baader</a> möchte auf Die Achse des Guten den Befund des Integrationshindernisses Islam nicht unbesehen ad acta legen. Nicht alle – aber doch verhältnismäßig viele – Muslime seien vorehelichem Geschlechtsverkehr, Homosexualität oder interreligiösen Eheschließungen gegenüber ablehnend eingestellt. Dass der Islam seinem Wesen nach patriarchalisch ist, sei dabei nicht das Problem. Das seien andere Religionen auch. Während jedoch die anderen Religionen sich im Lauf der Zeit gewandelt und geänderten gesellschaftlichen Bedingungen angepasst hätten, hätte dies der Islam zu guten Teilen versäumt. Deswegen sei die Kritik Fests auch legitim: Er kritisiere nicht die Menschen bzw. die Muslime, sondern den Islam als religiöses Gedankengebäude.</p>
<p>Pauschalisierungen auf beiden Seiten also? Mit Sicherheit, denn so funktionieren massenmediale Debatten in der Regel. Es wird verkürzt, zugespitzt und auch polemisiert. Problematisch wird dies immer dann, wenn keine wirkliche Debatte in Gang kommt, weil beide Seiten bei dem gegenseitigen Vorwurf der Pauschalisierung stehenbleiben. Insofern ist bzw. wäre eine wirklich inhaltlich geführte Debatte zu dem Thema zu begrüßen.</p>
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