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	<title>Blogumschau &#187; Literaturkritik &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Der Bachmannpreis 2015</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2015 07:08:58 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Den Bachmannpreis 2015 hat die Autorin Nora Gomringer gewonnen. Bekannt ist Gomringer bislang vor allem für ihre Lyrik und ihre Beiträge in der Poetry-Slam-Szene, nun wurde sie für ihren Prosatext „Recherche“ ausgezeichnet. Sowohl den Kelag- als auch den Publikumspreis erhielt Valerie Fritsch, den 3sat-Preis Dana Grigorcea. Die Wahl verlief dabei <a href=" http://blogumschau.de/2015/07/der-bachmannpreis-2015/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_996" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/07/Gewinner_des_Bachmannpreises.jpg"><img class="wp-image-996 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/07/Gewinner_des_Bachmannpreises.jpg" alt="Gewinner_des_Bachmannpreises" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Gewinner des Bachmannpreises&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Den Bachmannpreis 2015 hat die Autorin <strong>Nora Gomringer</strong> gewonnen. Bekannt ist Gomringer bislang vor allem für ihre Lyrik und ihre Beiträge in der Poetry-Slam-Szene, nun wurde sie für ihren Prosatext „Recherche“ ausgezeichnet. Sowohl den Kelag- als auch den Publikumspreis erhielt <strong>Valerie Fritsch</strong>, den 3sat-Preis <strong>Dana Grigorcea</strong>. Die <a href="http://bachmannpreis.orf.at/stories/ondemand/" target="_blank">Wahl </a>verlief dabei spannend, vor allem weil sich die Jury-Mitglieder uneinig waren, welcher Text und welche Form von Literatur auszuzeichnen sei. Teresa Präauer, die als einzige Autorin in der ersten Runde zwei Jury-Stimmen auf sich vereinigen konnte, ging am Ende leer aus.</p>
<p>Präauers Text, den der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels als den unterhaltsamsten der drei Tage bezeichnete, erzählt die Geschichte eines Mannes, Schimmi, der sich für eine Frau zum Affen macht, das heißt, er zieht sich ein Affenkostüm an und geht dann zu ihr. Auf dem <a href="http://gretelwallfisch.blogspot.de/2015/07/bachmannpreis-2015-dritter-tag-teresa.html" target="_blank">Wallfischblog </a>wird Präauers Text scharf kritisiert, denn eine angedeutete Vergewaltigung werde allzu billig aufgelöst. Genau das hatte die Jurorin Sandra Kegel angemerkt. Der Protagonist im Affenkostüm höre in dem „Nein“ nur ein „Ja“, was als Muster immer wiederkehrt, wenn über Vergewaltigungen gesprochen wird. Doch Präauers Text bleibe ganz spielerisch und lustig, mache nichts aus diesem Problem und bagatellisiere es dadurch.</p>
<p>Nora Bossong gratuliert auf dem ZEIT-Autoren-Blog <a href="http://www.zeit.de/freitext/2015/07/05/bachmannpreis-nora-gomringer-nora-bossong/" target="_blank">Freitext </a>der Bachmannpreisgewinnerin Nora Gomringer. Bossong ist, was den Juroren als witziger Einfall galt, die Hauptfigur des Textes „Recherche“. Dieses Verwirrspiel nimmt Bossong auf und greift auch die Überlegungen der Diskussion auf. Juri Steiner hatte davon gesprochen, dass der Name Bossong sich so gut eigne für die Geschichte, weil er an das Gottesteilchen („Higgs-Boson“) erinnere. Nun beschreibt sich Bossong selbst als Gottesteilchen und als Gewinnerin des Bachmannpreises, den sie als literarische Figur gewonnen habe. Das ist ein intelligentes Spiel auf verschiedenen Ebenen, um einen Text vom Tod eines Dreizehnjährigen, der von den Mitbewohnern eines Hauses in den Suizid getrieben wurde.</p>
<p><a href="http://www.begleitschreiben.net/in-deckung/" target="_blank">Gregor Keuschnig</a> hebt Juri Steiners Bemerkung hervor: Als dieser Gomringers Text nominierte, sagte er, er wähle den Text, bei dem er sich beim Hören mitschuldig fühle. Der Text, so Keuschnig, sei keineswegs auf die Performance der Poetry-Slam-Künstlerin zu reduzieren, sondern schaffe den Spagat, „unterhaltsam ohne trivial zu sein“ und zugleich, werde dem Leser am Ende ein moralischer Ablass gewährt. Doch gerade die Schuldzuweisung im Text sei das, was Keuschnig ablehne und sich deshalb eher an andere Texte des diesjährigen Bachmannpreises halte.</p>
<p>Die drei Autorinnen, die am Ende die Preise gewinnen konnten, zählte <a href="http://lustauflesen.de/nora-gomringer-gewinnt-bachmannpreis-2015/" target="_blank">Jochen Kienbaum</a> gleich zu seinen Favoritinnen. Besonders freut sich Kienbaum, dass Fritschs Text „Das Bein“ auch den Publikumspreis gewinnen konnte, obwohl es sich hierbei um eine komplexe Erzählung mit einem schweren Thema handelt: Die Amputation eines Beines und das Warten auf den Tod. Zwar polemisierte Kienbaum <a href="http://lustauflesen.de/klagenfurt-2015-eine-polemik/" target="_blank">zuvor </a>gegen den Bachmannpreis, doch denkt er nicht, dass das Konzept erledigt ist. Lediglich ein paar Neuerungen wären sinnvoll, um das Ritualhafte der Kritik zu durchbrechen. Ein Lichtblick in der Jury sei Klaus Kastberger gewesen, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei war.</p>
<p>Das bestätigt auch das <a href="http://www.literaturcafe.de/klaus-kastberger-ist-beliebtester-bachmannpreis-juror-2015-aufsteiger-juri-steiner-auf-platz-2/?pk_campaign=feed&amp;pk_kwd=klaus-kastberger-ist-beliebtester-bachmannpreis-juror-2015-aufsteiger-juri-steiner-auf-platz-2" target="_blank">Literaturcafé</a>, das in einer Umfrage Kastberger als beliebtesten Juror ermittelte. Nicht allein die Performance der Autorinnen und Autoren wurde also beäugt, sondern auch die Kritiker werden letztlich wiederum kritisiert. Vor allem dass Kastberger eben nicht aus dem Elfenbeinturm heraus wohlfeile Urteile äußere, gefiel offenbar den Zuschauerinnen und Zuschauern: ein weiterer „Gewinner“ des Bachmannpreises.</p>
<p>Der Wettbewerb, der selbst immer wieder in der Kritik stand, dürfte also im nächsten Jahr wieder mit Spannung erwartet werden, so wie die nächsten Texte der dritten Preisträgerin, Dana Grigorcea, in dessen Erzählung Kastberger das Potenzial für einen größeren Text erkannte. Eingehend wird die Erzählung auf dem Blog von <a href="http://schichtwerker.blogspot.de/2015/07/dana-grigorcea-und-die-faszination-der.html" target="_blank">Anton Potche</a> gewürdigt, der sich über die neue Stimme in der deutschen Literatur freut, und zugleich bedauert, dass der rumänischen Literatur wohl diese Stimme nun verloren gehe.</p>
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		<title>Zum Tod von Fritz J. Raddatz</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2015 10:50:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am vergangenen Donnerstag schied Fritz J. Raddatz aus dem Leben. Er war Literaturkritiker, Schriftsteller und zehn Jahre lang, von 1976 bis 1985, Feuilleton-Chef der ZEIT. Aus dem „Literaturbetrieb“ hatte er sich bereits 2014 verabschiedet, vor wenigen Tagen nun wählte er den Freitod in der Schweiz. Auf dem Blog Literatenwelt ist <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/zum-tod-von-fritz-j-raddatz/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Donnerstag schied Fritz J. Raddatz aus dem Leben. Er war Literaturkritiker, Schriftsteller und zehn Jahre lang, von 1976 bis 1985, Feuilleton-Chef der ZEIT. Aus dem „Literaturbetrieb“ hatte er sich bereits 2014 verabschiedet, vor wenigen Tagen nun wählte er den Freitod in der Schweiz.</p>
<p>Auf dem Blog <a href="http://literatenwelt.blog.de/2015/02/28/literaturkritiker-fritz-j-raddatz-tot-20142338/" target="_blank">Literatenwelt </a>ist ein Nachruf erschienen, der einige Stationen seines Lebens nennt und vor allem seinen Einfluss auf das deutsche Feuilleton hervorhebt. Raddatz habe während seiner Arbeit für die ZEIT das literarisch-politische Feuilleton erfunden.</p>
<p>Thomas Schmid erinnert auf seinem <a href="http://schmid.welt.de/2015/02/27/der-letzte-herr-zum-tod-von-fritz-j-raddatz/" target="_blank">Blog der WELT</a> daran, wie sehr Raddatz für die Literatur lebte und wie viel er der Literatur zutraute. Er lebte die Literatur, so Schmid, mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele. Die Literatur allerdings hatte sich im Laufe seines Lebens verändert, so sehr, dass Raddatz offenbar seine Ansprüche nicht mehr verwirklicht fand in dieser Literatur der Gegenwart. Sein Abschied vom Feuilleton und vom gesamten Literaturbetrieb waren insofern keine Kleinigkeit, sondern für ihn, der die Literatur „lebte“ ein starkes Eingeständnis, dass seine Zeit vorüber sei.</p>
<p>Mit Raddatz&#8217; Tod, so Bersarin auf dem Blog <a href="https://bersarin.wordpress.com/2015/02/26/unruhestifter-und-innig-liebender-zum-tod-des-essayisten-des-schriftstellers-und-literaturkritikers-fritz-j-raddatz/" target="_blank">Aisthesis</a>, ende eine Epoche des Feuilletons. Sein Stil wirke heute schon, wie aus der Zeit gefallen. Trotz etlicher Fehler im Detail oder zahlreicher allzu eiliger Urteile, so Bersarin, sei Raddatz‘ Blick für ästhetische Details unbedingt hervorzuheben. Und auch sein eigener Stil sei einzigartig gewesen, mit einer besonderen Liebe zur geistreichen Pointe.</p>
<p>Außerdem würdigt Bersarin in seinem Nachruf, wie sehr Raddatz die literarische Landschaft in Deutschland selbst geprägt habe, wie weit sein Blick war, der ganz unterschiedliche Autoren und ganz unterschiedliche Ästhetiken anerkennen konnte: Günter Grass, Elfriede Jelinek, Uwe Johnson oder Thomas Brasch. Raddatz war in der Lage zu differenzieren und genau abzuwägen.</p>
<p>Greogor Keuschnig, der auf dem <a href="http://www.begleitschreiben.net/fritz-j-raddatz/" target="_blank">Begleitschreiben </a>ebenfalls an Fritz J. Raddatz erinnert, befürchtet, die Nachrufe, die nun allerorten erscheinen, seien verlogen. Die Worte „umstritten“ und „streitbar“ würden wohl vor allem von Menschen geschrieben, die keine Ahnung hätten. Keuschnig erwähnt, dass Raddatz nur zwei bedeutende Preise erhalten habe, einen Preis aus Frankreich und den Hildegard-von-Bingen-Preis. Was Raddatz kränkte, so Keuschnig, sei sein eigentlicher Stolz. Und damit wird Raddatz zu einer Figur, die zwar aus der Zeit gefallen war und nicht mehr in das Feuilleton unserer Tage hineinpassen wollte, aber das spricht dann allein gegen das Feuilleton und keineswegs gegen Raddatz.</p>
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		<title>Niedergang der Literaturkritik? Eine aktuelle Debatte</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2015 07:48:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Verleger des unabhängigen Verbrecher-Verlags, Jörg Sundermeier, hat eine Debatte über die Qualität der Literaturkritik angestoßen. Im „Sonntagsgespräch“ mit dem BuchMarkt äußerte er seinen Unmut darüber, wie derzeit Literaturkritik betrieben werde. Es fehle vor allem an „Haltung“, stattdessen sei alles nur noch bloße „Meinung“. Zahlreichen Besprechungen läge mittlerweile bloß ein <a href=" http://blogumschau.de/2015/02/niedergang-der-literaturkritik-eine-aktuelle-debatte/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Verleger des unabhängigen Verbrecher-Verlags, Jörg Sundermeier, hat eine Debatte über die Qualität der Literaturkritik angestoßen. Im „Sonntagsgespräch“ mit dem <a href="http://www.buchmarkt.de/content/61191-das-sonntagsgespraech.htm" target="_blank">BuchMarkt</a> äußerte er seinen Unmut darüber, wie derzeit Literaturkritik betrieben werde. Es fehle vor allem an „Haltung“, stattdessen sei alles nur noch bloße „Meinung“. Zahlreichen Besprechungen läge mittlerweile bloß ein Querlesen zugrunde. Und das werde in den Redaktionen toleriert, man wisse davon. Eingehende Kenntnisse, intensive Lektüren, fundierte Kritik: Das sei kaum noch anzutreffen.</p>
<p>Diese Kritik an der Literaturkritik wird heftig diskutiert. Hat Sundermeier Recht? Ist die Literaturkritik am Ende? Jan Drees hat in <a href="http://www.lesenmitlinks.de/buchmarkt-joerg-sundermeier/" target="_blank">seinem Blog</a> zahlreiche Reaktionen auf Sundermeiers Aussagen, zum Beispiel aus den Sozialen Netzwerken, zusammengetragen. Erstaunlich Viele stimmen dessen Aussagen zu. Die Kritik an Sundermeier zielt vor allem auf sein allzu pauschales Urteil: Wer seien denn die Literaturkritiker, die ihrer Aufgabe so schlecht nachgingen? Und warum stellt Sundermeier sich so dar, als sei er allein mit seinen Ansichten über die Literaturkritik und die Branche?</p>
<p><a href="http://leandersukov.de/?p=1782" target="_blank">Leander Sukov</a> unterstützt Sundermeier, er treibt dessen Kritik sogar noch weiter. Er sieht ebenfalls das Problem, dass es kaum „unbestechliche“ Kritik gebe, die auf Werten fußt. Das zielt in die gleiche Richtung wie Sundermeiers Klage über fehlende Haltung. Sukov schreibt weiter, es gebe deutlich mehr gute Literatur als es gut Kritiker gebe. Dann müsste der Literaturkritik tatsächlich ein Versagen attestiert werden, wenn lesenswerte Literatur nicht in den Feuilletons auftauche, gar nicht auftauchen könne, weil die Kritiker fehlen, die diese Literatur angemessen würdigen könnten. Er schließt mit dem Hinweis auf die Besprechungen von „Fifty Shades of Grey“, das in den Feuilletons vieler großer Zeitungen ausführlich rezensiert wurde. Genau hier könne die mangelnde Qualität der Literaturkritik klar gesehen werden, da hier ein offenbar literarisch zweifelhaftes Werk die Debatten beherrschte.</p>
<p>Die Klage vom Niedergang der Literaturkritik passe, nach <a href="https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/01/31/literaturkritik-alles-willkur-oder-was/" target="_blank">Thomas Brasch</a>, ins Bild vom allgemein diagnostizierten Niedergang der Bildung. Sundermeier hatte auch angesprochen, dass „Intellektualität“ immer mehr wie ein schlechtes Etikett sei. Intellektualität sei gar nicht mehr gefragt. „Kulturpessimismus“, nennt dagegen Brasch die Kritik Sundermeiers und die zahlreichen beipflichtenden Kommentare.</p>
<p>Brasch stellt den Literaturkritikern aus den Feuilletons die Kritiker aus den Blogs beiseite. Selbst wenn vielleicht die Zahl der Literaturbesprechungen in den Zeitungen abnehme, sei die gesamte Menge der Literaturbesprechungen doch in den letzten Jahren massiv gestiegen. Das Beispiel „Houellebecq“ zeige zudem, wie vielfältig die Gattung der Rezension sei und wie zahlreich die Besprechungen, darunter auch eingehende Besprechungen. Die Verlage hätten außerdem längst zahlreiche Möglichkeiten, den Austausch mit den Leserinnen und Lesern zu suchen, diese Möglichkeiten seien so gut wie nie. Das Lamento über die schlechte Literaturkritik verzerre die Realität.</p>
<p>Brasch stellt in seinem Beitrag darüber hinaus den Begriff der Haltung infrage. Auch mit Haltung: Bleibt das literaturkritische Urteil nicht subjektiv? Über die Frage, inwieweit Literaturkritik „Meinung“ sei und was es mit dem „Subjektiven“ auf sich habe, geht Bersarin auf seinem Blog <a href="https://bersarin.wordpress.com/2015/02/02/sensus-communis-von-der-freiheit-zum-objekt/" target="_blank">AISTHESIS</a> nach. Die Literaturkritik sei durchaus in der Lage über die Meinung hinauszukommen. Das Kunstwerk, also der Text, müsste so behandelt werden, dass mehr als Meinung entstünde. Das bedeute, den Text selbst zu analysieren und nicht gleich in eine Meinung auszuweichen. In einem intersubjektiven Raum, so erläutert Bersarin mit Rückgriff auf Immanuel Kant, könne über ein Kunstwerk so gesprochen werden, dass am Ende mehr übrigbliebe als das bloß Subjektive. Der literarische Salon steht am Anfang dieser Entwicklung einer intersubjektiv verstandenen Kunstkritik. Allerdings liegt bereits hier die Gefahr für die Literaturkritik: Wenn der Intersubjektivität, dem Austausch über die ästhetische Erfahrung, so viel zugemutet wird, kann es eben geschehen, dass es fast beliebig scheint, über was eigentlich gesprochen wird, über (emphatisch verstandene) Kunst oder über beliebige (schöne) Erzeugnisse der Industrie.</p>
<p>Eine überraschende Parallele zu Sundermeiers Kritik findet sich in den Äußerungen Frédéric Jaegers, dem Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Filmkritik. Auch er sagte in diesen Tagen in einem Interview auf dem Blog <a href="http://www.getidan.de/kolumne/fundsachen/runhard_sage/66783/filmkritik-ein-gespraech-mit-frederic-jaeger-geschaeftsfuehrer-des-vdfk#more-66783" target="_blank">GETIDAN</a>: „Filmkritik ist eine Haltung.“ Die Situation der Filmkritik in Deutschland ist sicherlich nur eingeschränkt mit der Situation der Literaturkritik vergleichbar. Aber auch Jaeger fordert die Kritik auf, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die Filmkritik, so Jaeger, solle sich stärker einmischen. Eine Kritikerwoche, die nun beginnt und sich auf zehn Filme konzentriert, solle dazu beitragen, sich überhaupt darüber klar zu werden, welches Kino wir haben.</p>
<p>Hier, so scheint es, könnten durchaus Gespräche über die Medien hinweg, von Kino zu Literatur, weiterhelfen, um besser zu verstehen, was Kunstkritik überhaupt leisten soll und welchen Ort und welche Bedingungen sie dafür braucht.</p>
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		<title>Ist das die Islamisierung des Abendlandes? Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2015 09:54:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der neue Roman von Michel Houellebecq, der gerade erst erschienen ist, wird in allen Feuilletons und auf zahlreichen Blogs diskutiert. Der Zufall sah dem Schicksal zu ähnlich, als genau an dem Tag, an dem „Unterwerfung“ in Frankreich in den Buchhandel kam, der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verübt wurde. Bernard Maris <a href=" http://blogumschau.de/2015/01/ist-das-die-islamisierung-des-abendlandes-michel-houellebecqs-roman-unterwerfung/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der neue Roman von Michel Houellebecq, der gerade erst erschienen ist, wird in allen Feuilletons und auf zahlreichen Blogs diskutiert. Der Zufall sah dem Schicksal zu ähnlich, als genau an dem Tag, an dem „Unterwerfung“ in Frankreich in den Buchhandel kam, der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verübt wurde. Bernard Maris befand sich unter den Toten des Attentats, er war ein Freund Houellebecqs.</p>
<p>Der Roman spielt in einem Frankreich der nahen Zukunft. Es ist im Jahr 2022, als eine muslimische Partei an die Regierungsmacht gelangt. Das stellt eine weitere Gleichzeitigkeit zu den aktuellen Diskussionen dar, um die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes, die in Deutschland gerade von PEGIDA bemüht wird. Diese Gleichzeitigkeit ist weniger ein Zufall, sondern könnte durchaus Hellsichtigkeit genannt werden. Houellebecq hat offenbar den „Zeitgeist“ erkannt.</p>
<p>Entsprechend kommen die Rezensionen des Buches nie um diese aktuellen Debatten herum. Der Rückzug auf ästhetische Fragen scheint fast unmöglich, immer steht zum Beispiel die Frage im Raum, ob der Roman denn anti-islamisch sei? Nein, antworten die Blogautoren ziemlich einvernehmlich. Der Roman ist in dieser Hinsicht also keine (weitere) Provokation für die islamischen Gläubigen. Viel eher, da sind sich die Rezensenten ebenfalls einig, hält er der westlichen Gesellschaft – oder Teilen dieser Gesellschaft – den Spiegel vor.</p>
<p><a href="https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/01/24/was-erlauben-bild-houellebecq-wie-flasche-leer-ich-habe-fertig/" target="_blank">Thomas Brasch</a> kommt zu dem Schluss, der Roman führe vor, wie eine Gesellschaft, die nach und nach den Glauben an Gott verliere, anfällig für einen „Rückfall“ werde. Die Werte der westlichen Gesellschaft, die Demokratie, die Freiheit, reichen offenbar nicht aus, um gegen solche Sinnangebote gewappnet zu sein. Er finde es bitter, schreibt Brasch, dass er dieser Analyse größtenteils zustimmen müsse.</p>
<p>Besonders das Reizvolle dieser Unterwerfung hebt Cora Stephan in <a href="http://cora-stephan.blogspot.de/2015/01/die-sueste-verfuhrung-seit-es-religion.html" target="_blank">ihrem Blog</a> hervor (die Rezension ist auch in der Wirtschaftswoche erschienen). Der Islam wirke so anziehend im Roman, weil er das Individuum entlaste. Der Mensch werde vom Denken und Entscheiden befreit. Zugleich hat die Unterwerfung erotische Seiten. Und das wieder aufkommende Patriarchat, bei dem die Frauen nicht arbeitstätig sind, beseitige auf diese Weise gleich noch die Arbeitslosigkeit. Stephan weist darauf hin, der Roman habe keine Lehre. Er zeige allerdings, den westlichen „Masochismus“, bei dem fremde Kulturen der eigenen vorgezogen werden. In diesem Sinne habe eine Unterwerfung bereits begonnen.</p>
<p>Eine umfangreiche Besprechung widmet Gregor Keuschnig Houellebecqs Roman auf dem Blog <a href="http://www.begleitschreiben.net/michel-houellebecq-unterwerfung/" target="_blank">Begleitschreiben</a>. Keuschnig hält fest, der Roman sei keine Satire. Mit diesem Etikett versuchten manche Rezensenten sich Houellebecqs Erzählung vom Leib zu halten. Indem der Roman als Satire klassifiziert werde, sei er erledigt, weil dann von Überzeichnungen ausgegangen werden muss. Die Wirklichkeit würde so verändert, dass sie übertrieben und eigentlich komisch wird. Keuschnig sagt, das sei nicht der Fall. „Unterwerfung“ könnte eher als „Empörung“ gelesen werden, die Empörung über eine Gesellschaft, in der drängende ökonomische und soziale Probleme verdrängt würden. Die Unterwerfung sieht Keuschnig, anders als Cora Stephan, nicht lustvoll, sondern als eine Wahl zwischen Not und Elend.</p>
<p>Keuschnig spricht zudem Probleme des Romans an, dessen Zukunftsvision insgesamt nicht glaubhaft sei. Der Roman führe Figuren wie Marine Le Pen ein, die derzeit im politischen Geschäft tätig sind. Diese Unmittelbarkeit und Realitätsnähe soll schockieren. Doch indem der Roman so nah an uns herangerückt wird, bis 2022 sind es nur sieben Jahre, werde er unwahrscheinlich und verliere an Kraft. Dass die geschilderten Zustände in so kurzer Zeit Realität würden, sei schlicht nicht vorstellbar.</p>
<p><a href="http://cronenburg.blogspot.fr/2015/01/houellebecq-lesen-2.html" target="_blank">Petra van Cronenburg</a> hatte eine Reihe von Leseeindrücken zur Houellebecq-Lektüre angekündigt, die sie, nach eigenem Bekunden, nun nicht mehr abschließen wird. Ihre begonnene Besprechung legt allerdings einen Akzent auf den Roman, der sonst nur am Rande vorkommt: die Verbindung zu Joris-Karl Huysmans. Huysmans, der bis 1907 lebte, schildere die Dekadenz seiner Zeit, und Houellebecq entdecke nun eine nächste Dekadenz, in der ebenfalls eine Sinnsuche stattfinde – in einer vollkommen vom Sinn entleerten Welt. Nichts wecke den Sinn, alles sei fad geworden, selbst die erotischen „Abenteuer“ würden „abgesessen“. Damit liegt das Augenmerk vor allem auf einer Welt, die den Sinn verliert, und möglicherweise, wie auch Brasch festgestellt hat, für ganz andere Angebote anfällig wird.</p>
<p>Roberto De Lapuente betont auf seinem Blog <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2015/01/das-themenregal-macht-den-unterschied.html" target="_blank">ad sinistram</a> die vielen Facetten, die das Werk von Houellebecq aufweise. Er warnt davor, sein neues Buch allzu schnell einordnen und in eine bestimmte Ecke stellen zu wollen. Und er erinnert daran: „Unterwerfung“ ist Literatur und kein Sachbuch.</p>
<p>Der neue Roman wird dennoch sicherlich für weitere Diskussionen sorgen und in naher Zukunft immer wieder zitiert werden.</p>
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		<title>2014 – Eine Jahresblogumschau</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Dec 2014 07:30:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig? Zunächst zur Politik: Auf der <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/2014-eine-jahresblogumschau-2/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig?</p>
<p>Zunächst zur Politik:<br />
Auf der internationalen Ebene hielt uns die Ukraine-Krise in Atem: Die Demonstrationen auf dem Kiewer Maidan-Platz, der Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch, der völkerrechtlich höchst umstrittene Anschluss der Krim an das russische Territorium, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Ostukraine, der immer noch nicht aufgeklärte Abschuss der Passagiermaschine MH17, ein umstrittener russischer Hilfskonvoi mit Lieferungen für die ostukrainische Bevölkerung, der immer weiter eskalierende Streit zwischen Russland und dem Westen, den manche schon als Heraufkunft eines neuen Kalten Kriegs deuten.<br />
Und die Entwicklungen im Nordirak und in Syrien: Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), die die Menschen durch ihr brutales Vorgehen und Vorrücken in Angst und Schrecken versetzt, die Einkesselung von tausenden Jesiden in den Sindschar-Bergen, welche die USA endgültig zu einer erneuten militärischen Intervention bewog, der Kampf um die belagerte nordirakische Stadt Kobane, der immer noch anhält.<br />
Dazu kamen Europawahlen mit teilweise niederschmetternd niedrigen Wahlbeteiligungen und einem lang anhaltenden Geschacher um den Posten des Kommissionspräsidenten, den dann doch noch Jean-Claude Juncker erhielt. Die transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP erregen die Gemüter. Schottland entschied sich nur knapp gegen die Abspaltung von Großbritannien. In den USA treibt der noch lange nicht überwundene Rassismus die Menschen auf die Straßen – nicht nur in Ferguson. Der jüngst veröffentlichte Bericht zu den Foltermethoden der CIA nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 sorgt für Empörung und Entsetzen. Hinsichtlich der NSA-Abhöraffäre sind immer noch mehr Fragen offen als beantwortet. Edward Snowden sitzt immer noch im russischen Exil fest. Der Ausbruch einer Ebola-Epidemie beunruhigte nicht nur die Menschen in afrikanischen Ländern. Der Nahost-Konflikt kommt nicht zur Ruhe, Israel bombardierte den Gaza-Streifen, nachdem aus diesem Raketen auf das israelische Territorium gefeuert wurden.<br />
Und in Deutschland? Man streitet über die Autobahnmaut, DIE LINKE stellt in Thüringen mit Bodo Ramelow zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten, die FDP fliegt reihenweise aus den Landesparlamenten, in die nun die konservativ-populistische AfD einzieht. Die GDL legte über mehrere Tage hinweg den Bahnverkehr lahm und sorgte damit für viel Unmut und warf die Frage auf, wie weit das Streikrecht gehen darf. Der Berliner Flughafen ist immer noch eine Baustelle, Klaus Wowereit wird ihn nicht mehr als Berliner Bürgermeister benutzen können, er hat vor wenigen Tagen sein Amt an Michael Müller abgetreten.<br />
Der NSU-Prozess offenbart immer neue Details, auch über das Versagen der deutschen Behörden. Und es wurde viel demonstriert: Gegen Israels Politik, gegen einen linken Ministerpräsidenten, „Hooligans gegen Salafisten“, „patriotische Europäer“ gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, für den Frieden – mit teils bedenklichen Untertönen und Konnotationen. Auch in Deutschland sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit noch lange nicht überwunden.</p>
<p>Lässt sich da ein roter Faden finden? Christian P. Krohne versucht es auf <a href="http://www.spreepublik.de/2014/12/19/die-suche-nach-dem-roten-faden-ein-politischer-jahresrueckblick/" target="_blank">Spreepublik</a> und findet ihn überraschenderweise in der SPD. Ob nun das Verfahren gegen Sebastian Edathy, dem der Besitz von kinderpornographischem Material vorgeworfen wird, die gute Freundschaft des SPD-Altkanzlers Gerhard Schröder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Wowereit, der als Berliner Bürgermeister für einiges Durcheinander gesorgt hat, oder die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen, immer sei dieses Jahr irgendwie die SPD beteiligt gewesen.</p>
<p>Roberto J. De Lapuente stellt auf <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/12/weihnachtsgrue-aus-der-boombranche.html" target="_blank">ad sinistram</a> etwas anderes in den Mittelpunkt seines Weihnachtsgrußes, der zugleich ein kurzer Rückblick aufs Jahr ist: Er beobachtet, wie sich in diesem Jahr in verschiedenen Hinsichten – Salafisten, PEGIDA, (Finanz-) Kapitalismus, Ost/West-Konflikt – die Zustände radikalisieren und verschlimmern. Diffuse Ängste nehmen zu, der Egoismus und die Intoleranz sind auf dem Vormarsch und treiben die gesellschaftlichen Antagonismen voran. Einfache Feindbilder werden konstruiert, Hass und Aggression nehmen zu. An Themen wird es damit auch im nächsten Jahr nicht mangeln.</p>
<p>Auf <a href="http://wahrheitueberwahrheit.blogspot.de/2014/12/jahresruckblick-3-verschworungstheorie.html" target="_blank">Die Wahrheit über die Wahrheit</a> schreibt Thomas über eine andere bemerkenswerte Entwicklung dieses Jahres: Dass alles, was auch nur so halbwegs vom Meinungsmainstream abweiche, gleich zur Verschwörungstheorie erklärt und damit abgekanzelt werde. Bemerkenswert sei dies vor allem deshalb, weil sich doch so einige Behauptungen, die zunächst als Spinnereien abgetan worden seien, letztlich als stichhaltig erwiesen hätten, beispielsweise hinsichtlich der NSA-Überwachung, der CIA-Folter oder dem Nationalsozialistischen Untergrund. Bald könne einen wohl nichts mehr verwundern. Doch warum wird der Verschwörungsvorwurf so schnell und oft erhoben? Thomas vermutet ein gesellschaftliches Kommunikationsproblem: Die verschiedenen Gesellschaftsgruppen würden sich einfach nicht mehr verstehen. Also auch hier: ein bedenkliches Auseinanderdriften.</p>
<p>Das politische Geschehen hat das Jahr 2014 dominiert. Oder doch nicht? Aufschlussreich sind die Listen, die Google veröffentlicht hat, die aufzeigen, welche Begriffe 2014 am häufigsten gesucht worden sind. Im <a href="http://www.googlewatchblog.de/2014/12/google-jahresrueckblick2014-fussball-wm/" target="_blank">Googlewatchblog</a> sind diese Listen zu finden. Bei den Schlagzeilen dominiert die WM 2014, gefolgt von Michael Schumacher, der 2014 den furchtbaren Skiunfall hatte und Robin Williams, der in diesem Jahr verstarb. Erst auf Platz 6 folgt die Krim, auf Platz 8 die Ukraine. Die Google-Suchen spiegeln selbstverständlich nur Suchinteressen wider, sagen nur bedingt etwas über das tatsächliche Interesse an einem Thema aus.</p>
<p><a href="https://emshapro.wordpress.com/2014/12/22/jahresrueckblicke2014/" target="_blank">Emshapro</a> wundert sich darüber, dass in den TV-Rückblicken ebenfalls das Politische nur am Rande vorkam. Der Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft habe die zahlreichen Rückblicke dominiert. Es geht, so emshapro, vor allem darum, ein gutes Gefühl zu verbreiten. Politische Konflikte, Krisen und ernsthafte Probleme fänden in einem so konzipierten Programm nur bedingt Platz. Die TV-Jahresrückblicke böten keine Chronologie der einschneidenden Ereignisse, sondern hielten sich vor allem bei starken Bildern und großen Emotionen auf. Entsprechend ist das Fazit ernüchternd: Unzählige Rückblicke wurden gezeigt, die allerdings kaum darstellten, was tatsächlich wichtig war in diesem Jahr 2014.</p>
<p>Der Blick auf die Großereignisse ist die eine Möglichkeit das Jahr 2014 in einem Rückblick zu erfassen. Daneben geben gerade zahlreiche Blogs persönliche Rückblicke. Einen solchen hat Tobias Lindemann auf <a href="http://libroskop.wordpress.com/2014/12/22/kurzer-ruckblick-auf-das-libroskop-lesejahr-2014/" target="_blank">Libroskop</a> verfasst. Der Literaturblog stellt vor allem Leseerfahrungen in den Mittelpunkt. Welche Bücher prägten das Jahr 2014 für Lindemann? Esther Kinskys „Am Fluss“ stellt für Lindemann das eindrücklichste Leseerlebnis in diesem Jahr dar. Ein stilles Werk, dessen Zwischentöne ihn überzeugt haben.<br />
Lindemann schaut auch auf die literarischen Ereignisse des Jahres. Der Buchpreis habe ihn mit seiner Omnipräsenz zunehmend genervt, echte literarische Debatten hätten dagegen kaum stattgefunden, allenfalls Florian Kesslers streitbarer Artikel in der ZEIT sei zu nennen, der für weniger Konformismus in der deutschen Literatur plädiert habe.</p>
<p>Die Jahresrückblicke, die bereits stattgefunden haben, konnten mindestens ein Datum nicht mehr aufnehmen, das sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird: Udo Jürgens verstarb am 21. Dezember 2014. Konstantin Wecker würdigt ihn auf seinem Blog <a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/12/22/udo-juergens-cassandra-steen-was-wichtig-ist/" target="_blank">Hinter den Schlagzeilen</a> als eine „der ganz großen Begabungen für Melodien“.</p>
<p>In das Jahr 2014 fallen zahlreiche Ereignisse, wie zum Beispiel der Weltmeistertitel der deutschen Fußballnationalmannschaft in Brasilien, die eine gewisse Tragweite hatten. Zahlreiche „Ereignisse“ sind aber überhaupt nicht abgeschlossen wie der Ukraine-Konflikt oder das bröckelnde Vertrauen vieler deutscher Bürgerinnen und Bürger in die etablierten Medien, auch PEGIDA wird vermutlich im nächsten Jahr wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Blogumschau erlaubt sich deshalb nur eine kurze Pause und ist Anfang 2015 wieder mit Berichten aus der Welt der Blogs zur Stelle.</p>
<p>Ein frohes Weihnachtsfest und einen angenehmen Abschluss dieses Jahres wünschen</p>
<p>Jochen Walter &amp; Christian Wiebe</p>
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		<title>Lutz Seiler gewinnt mit „Kruso“ den Deutschen Buchpreis</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Oct 2014 07:25:24 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Buchpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Lutz Seiler]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war keine Überraschung: Lutz Seiler hat den Deutschen Buchpreis gewonnen. Diese Entscheidung hatten viele Bloggerinnen und Blogger erwartet. Seiler erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro und vor allem enorme mediale Aufmerksamkeit für seinen Roman „Kruso“. Die Kritik am Buchpreis reißt allerdings nicht ab, ganz unabhängig vom diesjährigen Preisträger. Mara <a href=" http://blogumschau.de/2014/10/lutz-seiler-gewinnt-mit-kruso-den-deutschen-buchpreis/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es war keine Überraschung: Lutz Seiler hat den Deutschen Buchpreis gewonnen. Diese Entscheidung hatten viele Bloggerinnen und Blogger erwartet. Seiler erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro und vor allem enorme mediale Aufmerksamkeit für seinen Roman „Kruso“. Die Kritik am Buchpreis reißt allerdings nicht ab, ganz unabhängig vom diesjährigen Preisträger.</p>
<p>Mara bespricht auf <a href="http://buzzaldrins.de/2014/09/22/kruso-lutz-seiler/" target="_blank">Buzzaldrins Bücher</a> „Kruso“ mit großer Begeisterung. Der Roman bestehe aus vielen Schichten, die übereinanderliegen, es gehe um das Ende der DDR, die Insel Hiddensee, um eine Männerfreundschaft, um Abenteuer und um die Literatur selbst. Vor allem die poetische Sprache hebt Mara hervor, die Bilder erzeuge, die das Gefüge des realistischen Erzählens durcheinanderbringen.</p>
<p>Selbstverständlich dort, wo so viel Lob ausgesprochen wird, finden sich auch Gegenstimmen, wie auf <a href="http://feinerbuchstoff.wordpress.com/2014/09/30/robinson-und-freitag-auf-hiddensee/" target="_blank">feinerbuchstoff </a>beispielsweise. Die poetische Sprache wird hier gerade kritisiert, sie hindere den Leser daran, dem Geschehen nahezukommen. Zugleich werden überall Bedeutungen aufgetürmt, die das ganze Buch sperrig machen. Zu sperrig, ist auf feinerbuchstoff zu lesen, für ein Massenpublikum.</p>
<p>Dieses Massenpublikum erreicht der Deutsche Buchpreis mit seiner enormen medialen Wirkung ohne Frage. Auf dem Blog <a href="http://dasgrauesofa.wordpress.com/2014/09/07/meinungen-des-buchhandels-zum-buchpreis-3-daniela-dobernigg/" target="_blank">Das graue Sofa</a> wurden im Vorfeld verschiedene Buchhändler zum Buchpreis befragt. Die Buchhändlerin Daniela Dobernigg ist genau aus diesem Grund unzufrieden mit dem Deutschen Buchpreis: Die Idee des Buchpreises sei gut, das Lesen werde in den Mittelpunkt zu gestellt und den Büchern Aufmerksamkeit verschafft. Indem der beste Roman gekürt werde, können auch neue Leserinnen und Leser erreicht werden. Doch die Auswahl sei in den letzten Jahren problematisch gewesen, die Gewinnerbücher seien zwar literarisch sehr hochwertig, aber ihnen fehle die Leichtigkeit. So komme es dazu, dass viele Menschen mit dem Buch des Preisträgers zwar beginnen würden, es aber von allzu vielen bald bei Seite gelegt werde. Die mediale Aufmerksamkeit sei grundsätzlich erfreulich, aber für Dobernigg steht fest, dass sie als Buchhändlerin oft ganz andere Bücher empfehlen muss.</p>
<p>Dass mit „Kruso“ ein Roman gewonnen hat, der etwas Besonderes darstellt, würdigt dagegen Bersarin auf dem Blog <a href="http://bersarin.wordpress.com/2014/10/06/deutscher-buchpreis-fur-lutz-seilers-kruso/" target="_blank">Aisthesis</a>. Es sei eben nicht der typische Berlin-Sound, der nun ausgezeichnet wurde. „Kruso“ stelle in dieser Hinsicht keinen konformen Roman dar, wie Bersarin solche Texte an den Schreibschulen entstehen sieht. Der Text fällt auf, in einer großen Masse an Literatur, die oft allzu gleichförmig erscheint.</p>
<p>Auf der Longlist des Buchpreises stand auch „Nachkommen“ von Marlene Streuwitz, das es dann nicht auf die Shortlist geschafft hat. Streuwitz schreibt in ihrem Roman über eine Autorin, die für den Buchpreis nominiert ist. <a href="http://libroskop.wordpress.com/2014/10/06/die-spielverderberin/" target="_blank">Tobias Lindemann</a> lobt diesen politischen Roman, der all die Eitelkeiten und Erniedrigungen darstelle, die sich rund um das „Event“ Deutscher Buchpreis abspielen. Die Buchbrache bekommt hier also den Spiegel vorgehalten, und es ist kein erfreuliches Bild, das sie sieht. Die „Spielverderberin“ nennt Lindemann Streuwitz mit ihrer Kritik am Event des Buchpreises. Sie beschreibe ein Spektakel, bei dem die intellektuelle Redlichkeit auf der Strecke bleibe.</p>
<p>Der Deutsche Buchpreis lenkt die Aufmerksamkeit bereits auf die Literatur und auf Frankfurt am Main. Dort haben nun auf der Buchmesse die Verlegerinnen und Verleger ihre Gelegenheit, selbst Aufmerksamkeit für ihre Bücher zu schaffen.</p>
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		<title>Streit um die Literatur: Der Bachmann-Preis 2014</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jul 2014 07:33:28 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Bachmann-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Bachmann-Preis, der jedes Jahr in Klagenfurt verliehen wird, ist im deutschsprachigen Raum eine besondere Veranstaltung. Dass Autoren in einem Wettbewerb gegeneinander antreten, kennt man mittlerweile von den vielen „Poetry Slams“. Doch in Klagenfurt herrscht ein sehr hoher Anspruch. Nicht allein die Performance entscheidet, sondern der gelesene Text soll auch <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/streit-um-die-literatur-der-bachmann-preis-2014/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Bachmann-Preis, der jedes Jahr in Klagenfurt verliehen wird, ist im deutschsprachigen Raum eine besondere Veranstaltung. Dass Autoren in einem Wettbewerb gegeneinander antreten, kennt man mittlerweile von den vielen „Poetry Slams“. Doch in Klagenfurt herrscht ein sehr hoher Anspruch. Nicht allein die Performance entscheidet, sondern der gelesene Text soll auch als „echte“ Literatur überzeugen. Eine Jury kürt die verschiedenen Preisträger, daneben wird noch ein Publikumspreis verliehen.</p>
<p>Besonders im literarischen Bereich ist zudem die Diskussion der Jurymitglieder, die vor dem Publikum stattfindet. Die Jury konnte sich in diesem Jahr nur schwer einigen – und die Diskussion ging in den Blogs weiter. Welches waren die besten Texte? Welche Form der Literatur ist preiswürdig?</p>
<p>Den Bachmann-Preis hat, nicht unumstritten, Tex Rubinowitz gewonnen. <a href="http://buzzaldrins.com/2014/07/06/ingeborg-bachmann-preis-geht-an-tex-rubinowitz/" target="_blank">Buzzaldrin </a>bemerkt in ihrer Zusammenfassung, dass sie dessen Text als Literatur nicht überzeugen konnte. Rubinowitzʼ Vortrag bestach zwar durch seinen Witz, allerdings sollte das nicht ausschlaggebend sein, zumal Texte vorgetragen wurden, die einem höheren literarischen Anspruch gerecht werden konnten.</p>
<p>Auf <a href="http://lampiongarten.wordpress.com/2014/07/06/funf-favoriten-vom-bachmannpreis-2014/" target="_blank">Der Lampiongarten</a> dagegen wurde Rubinowitz zu einem der Favoriten gekürt. Sein Humor, sein Zynismus, die treffende Umgangssprache werden hervorgehoben. Den Text „Wir waren niemals hier“ trug Rubinowitz schnell, geradezu hastig vor, er inszenierte sich so – fast eine Masche – als intellektueller Außenseiter. Damit zählte Rubinowitzʼ Text zu den vier besten, die auf dem Lampiongarten ausgewählt wurden. Insgesamt, so das Fazit, waren viele der vorgetragenen Texte schwach, das gesamte Niveau nicht allzu hoch. Viele Texte seien entweder zu gesucht literarisch, überladen mit Bedeutungen, oder sie drifteten in die Befindlichkeitsprosa, also den Kitsch, ab.</p>
<p>Bei den meisten, die über den Bachmann-Preis berichten, ist der Text von Michael Fehr hängengeblieben, ein schweizerischer Autor, der seinen Text mithilfe eines Kopfhörers vortrug. Da er eine sehr starke Sehschwäche hat, sprach Fehr den auf diese Weise gehörten Text laut nach. Die ungewöhnliche Form der Lesung erlaubte es ihm, mit ganzem Körpereinsatz zu lesen, wie auf <a href="http://literatourismus.net/2014/07/04/der-zweite-tag-am-worthersee/" target="_blank">literaturen </a>hervorgehoben wird. Nicht allein der Vortrag sei bemerkenswert, der Text „Simeliberg“ stiftete zudem Verwirrung, da er teilweise in Versform verfasst ist, zudem keine chronologische Handlung darstellt, sondern aus scheinbar zusammengewürfelten Auszügen besteht. Auch die Gattung war für die Jury nicht leicht zu bestimmen: Ein Märchen? Ein Schweizer Krimi? Der Text gab Rätsel auf.</p>
<p>Auch auf <a href="http://literaturundfeuilleton.wordpress.com/2014/07/05/am-ende-darf-gelacht-werden/" target="_blank">literaturundfeuilleton</a> wird unter anderem Fehrs Text hervorgehoben. Die Literatur werde bei ihm wieder mündlich, erinnere damit an ihren Ursprung, doch anders als viele Texte aus Poetry-Slam-Szene verzichte „Simeliberg“ nicht auf Literarizität. „Simeliberg“ stellte allerdings eine Ausnahme dar, denn viele der gelesenen Texte, seien 2014 nicht besonders stark gewesen. Fehr gewann am Ende den mit 10.000 Euro dotierten Kelag-Preis.</p>
<p>Am Ende bleiben die Frage und die Diskussion darüber, was einen guten Text ausmacht. Selbstverständlich: Der Text, der es allen recht macht, ist nicht zu haben. Aber die Fragen stehen im Raum, wie „schwer“ muss Literatur sein, um als „echte“ Literatur gelten zu können? Und wie „schwer“ darf sie keinesfalls werden, um nicht ins pure Gewollte abzukippen. Welche Rolle spielt dabei der Ton? Auf literaturundfeuilleton sind jeweils einzelne kurze Zitate aus den Diskussionen um die Lesungen herausgehoben. Eines davon: „Dort, wo es nicht zusammengeht, springt eine Poetisierung ein.“ Ein herber Schlag, der den Streit um die Literatur auf den Punkt bringt. Wie soll Literatur klingen? Und andersherum: Wenn sie „klingt“, welche Rolle spielt dann noch das, was offenbar nicht zusammengeht?</p>
<p>Was von dem Bachmannwettbewerb 2014 bleibt, werden die nächsten Jahre zeigen. Einige der Autorinnen und Autoren werden sicherlich mit neuen Erzählungen oder Romanen hervortreten – und sich dann erneut der Kritik aussetzen müssen.</p>
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		<title>Das Feuilleton, die Literaturblogs und Elke Heidenreichs Irrtum</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2014 08:28:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Elke Heidenreich]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Elke Heidenreich irrte sich. Im „Literaturclub“ zitierte sie Martin Heidegger. Heidegger wird derzeit stark diskutiert, denn die Veröffentlichung der sogenannten „Schwarzen Hefte“ soll, so scheint es fast, endlich die Frage klären, ob der große Philosoph denn nun heilloser Antisemit gewesen und deshalb zu verdammen sei – oder eben nicht. Heidenreich <a href=" http://blogumschau.de/2014/06/das-feuilleton-die-literaturblogs-und-elke-heidenreichs-irrtum/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Elke Heidenreich irrte sich. Im „Literaturclub“ zitierte sie Martin Heidegger. Heidegger wird derzeit stark diskutiert, denn die Veröffentlichung der sogenannten „Schwarzen Hefte“ soll, so scheint es fast, endlich die Frage klären, ob der große Philosoph denn nun heilloser Antisemit gewesen und deshalb zu verdammen sei – oder eben nicht.</p>
<p>Heidenreich zitierte Heidegger „die verborgene Deutschheit müssen wir entbergen“, und fügte an, „und das tun wir, indem wir die Juden endlich beseitigen aus Deutschland.“ Der Moderator Stefan Zweifel merkte an, dass dies so aber nicht in dem gemeinten Buch stehe. Ein scharfes „Doch!“, und dann warf sie das Buch auf den Tisch, der in der Mitte stand. Es gab einen Eklat um das falsche Zitat Heidenreichs und die irritierende Suspendierung des Moderators, der ja Recht gehabt hatte. Auf dem <a href="http://www.umblaetterer.de/2014/05/24/der-fall-elke-heidenreich/" target="_blank">Umblätterer </a>geht Josik auf diesen Eklat ein.</p>
<p>Das ist also professionelle Literaturkritik. Oder: Das ist <em>auch</em> professionelle Literaturkritik, es ist eben nicht nur die treffende, brillante Kritik, wie manches Mal zum Beispiel im Feuilleton der FAZ zu lesen ist.</p>
<p>In Göttingen fand zu der Frage, ob Buch-Blogger die neuen Meinungsmacher in der Literaturszene seien, eine Diskussion statt. Auf <a href="http://buzzaldrins.com/2014/05/25/demokratisierung-literaturkritik-fluch-oder-segen/" target="_blank">Buzzaldrins Bücher</a> wurde ein kleiner Bericht zu der Veranstaltung veröffentlicht, der offenbar ins Schwarze traf. Eine Flut an Kommentaren und eine Menge neuer Artikel erschienen, die sich dem Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven widmeten. Woran hatte dieser Text gerührt?</p>
<p>In der Diskussion, so ist auf &#8220;Buzzaldrins Bücher&#8221; zu lesen, kamen die Blogs nicht gut weg. Schlechte Nachahmungen des Feuilletons, keine Innovationen, nur banales Loben der neuesten Bestseller, kurzum: Dilettantismus.</p>
<p>Auf <a href="http://literaturgefluester.wordpress.com/2014/05/27/sind-blogger-dilettanten/" target="_blank">literaturgefluester </a>geht Eva Jancak diesem Begriff des Dilettantismus nach. Sie zeigt, wie irreführend dieser Begriff sei. Das werde der heterogenen Szene der Bloggerinnen und Blogger überhaupt nicht gerecht, die teilweise sehr wohl Literatur studiert haben – also eine professionelle Ausbildung vorweisen können – oder aber mit ihren Literaturkritiken auf den Blogs Geld verdienen. Das wäre ein anderes Kriterium für Professionalität.</p>
<p>Fast scheint es, als vergleiche man das Feuilleton der FAZ gerade mit sehr einfachen, banalen Literaturblogs, die es zweifelsohne gibt. Auf <a href="http://literatourismus.net/2014/05/25/quo-vadis-literaturkritik/" target="_blank">literaturen</a> findet sich der treffende Hinweis, dass Qualitätsschwankungen nun keine besondere Eigenschaft von Literaturblogs sind. Die gebe es überall – wohl auch bei Elke Heidenreich.</p>
<p><a href="http://phileablog.wordpress.com/2014/05/25/das-grose-missverstandnis/" target="_blank">Petra Gust-Kazakos</a> versucht deshalb den Blick auf die, ihrer Ansicht nach, ganz unterschiedlichen Gattungen, Literaturbesprechung im Feuilleton und Literaturbesprechung im Blog, zu lenken. Blogs leisten etwas anderes als die Feuilletons. Sie widmen sich beispielsweise Nischenthemen, wie der Literatur eines bestimmten Landes, oder sie bestechen durch einen sehr subjektiven Zugang. Da könne dann überhaupt nicht von einer Nachahmung des Feuilletons gesprochen worden. Und so großartig das Feuilleton und die professionelle Literaturkritik oft sind – nicht alles erscheint hier nachahmenswert.</p>
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		<title>Roger Willemsen, die Ukraine und sehr viele Bücher in Leipzig: Die Buchmesse</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Mar 2014 11:41:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom 13. März bis zum 16. März fand die Leipziger Buchmesse statt. 175.000 Besucher wurden gezählt – ein neuer Rekord – und mehr als 2000 Aussteller aus 43 Ländern. Das sorgte für ganz unterschiedliche Eindrücke. Saša Stanišić, der für seinen Roman Vor dem Fest mit dem Preis der Leipziger Buchmesse <a href=" http://blogumschau.de/2014/03/roger-willemsen-die-ukraine-und-sehr-viele-buecher-in-leipzig-die-buchmesse/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vom 13. März bis zum 16. März fand die Leipziger Buchmesse statt. 175.000 Besucher wurden gezählt – ein neuer Rekord – und mehr als 2000 Aussteller aus 43 Ländern. Das sorgte für ganz unterschiedliche Eindrücke. Saša Stanišić, der für seinen Roman <em>Vor dem Fest</em> mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, gilt einhellig als gute Wahl. Darüber hinaus sind die Eindrücke der Blogger jedoch ganz unterschiedlich gelagert. Denn der Besuch einer Buchmesse hat etwas Zufälliges. Jeder Blogger interessiert sich für etwas anderes, sieht etwas anderes.</p>
<p><a href="http://buzzaldrins.wordpress.com/2014/03/14/leipziger-buchmesse/" target="_blank">Buzz Aldrin</a> zeigt ihre Eindrücke in eigenwillig getönten Bildern. Es sind Bilder von Verlegerinnen, Zuhörern und Buchrücken. Das Buch auf einer Buchmesse ist zunächst ein Gegenstand zum Ansehen und Anfassen. Das Leseerlebnis wird hier nur versprochen.</p>
<p>Bersarin zeigt auf seinem Blog <a href="http://bersarin.wordpress.com/2014/03/14/buchmesse-leipzig-literaturkritik-als-eine-form-der-kunst-sowie-helmut-lethens-blick-auf-die-nomadisierenden-bilder/" target="_blank">Aisthesis </a>ebenfalls Bilder von der Buchmesse, aber kein Buch ist zu sehen. Stattdessen Bilder von Plüschfiguren oder eine Aufnahme leerer Stuhlreihen. Die Kameras sind aufgestellt, die Sitze der Stühle mit Broschüren bedeckt: Die Lesung wird erwartet; die Buchmesse handelt vom Lesen, aber gelesen wird dort nicht. Die Buchmesse findet vor dem Lesen statt.</p>
<p>In seinem Essay, der sich um die Bilder legt, spricht Bersarin von einer Laudatio Roger Willemsens: Das Buch brauche seine Kritiker. Der Kritik, richtig verstanden, so Bersarin, gehe es dabei nicht um ein ‚Aburteilen‘ oder um ein Lösen des Rätsels. Auch nicht um ein persönliches Leseerlebnis. Dabei darf die Kritik jedenfalls nicht stehenbleiben. Sondern der Literaturkritiker, der abwägt, der einen Blick für die Ästhetik des Textes hat, schreibe sich ‚an der Literatur entlang‘. Er weise auf die Rätsel, auf die Unbestimmtheiten des Textes hin. Das ist ein hoher Anspruch an die Literaturkritik und auch an die Literatur. Das ist auf einer Buchmesse kaum zu erfüllen, oder allenfalls kann das ein Roger Willemsen in seiner Rede. So ist es konsequent, dass Bersarin über Literatur kaum spricht, solange er über die Buchmesse schreibt, und die Bücher in seinen Bildern nicht zeigt.</p>
<p>Der Programmschwerpunkt „tranzyt“, der im Forum OstSüdOst zu Hause ist, widmete sich der Literatur aus Polen, Weißrussland und der Ukraine. Und hier besonders musste die Literatur immer wieder zurücktreten, wie Eva Schneider auf <a href="http://www.litaffin.de/2014/03/von-buechern-bruecken-und-protesten-der-programmschwerpunkt-auf-der-leipziger-buchmesse/" target="_blank">litaffin </a>ausführt. Das Thema Ukraine ist aktuell geworden, doch bestimmt die politische Sicht den Blick. Die Bücher, die in Leipzig das Thema sein sollen, geraten hier an den Rand. Sie werden wieder zum Medium, sie vermitteln möglicherweise Einsichten, sie schaffen Verständnis oder stellen Fragen.</p>
<p>Und die Autoren wirken in die Politik hinein. Autoren, Journalisten, Studenten hätten die Protestbewegung in der Ukraine initiiert. Die Texte selbst sind im Moment des Protests zweitrangig. „Protestbewegungen“ hieß eine Veranstaltung im Forum OstSüdOst, womit die Buchmesse gezielt die politische Situation in den Vordergrund rückte.</p>
<p>Das Buch muss warten. Wenn die Buchmesse zu Ende ist, beginnt das Lesen.</p>
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