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	<title>Blogumschau &#187; Print-Journalismus &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Rettung für den Journalismus? Blendle startet in Deutschland</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2015 08:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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		<description><![CDATA[Dem Journalismus wurde schon längst eine Krise attestiert. Die Leserzahlen brechen ein und die Werbeeinnahmen weg: Guter Journalismus, so ist zu lesen, ist kaum noch finanzierbar. Vor mehr als einem Jahr starteten die Krautreporter mit dem ehrgeizigen Projekt, den Online-Journalismus zu retten. Durch Mitgliedsbeiträge sollte dauerhaft ein qualitativ hochwertiges Medium <a href=" http://blogumschau.de/2015/09/rettung-fuer-den-journalismus-blendle-startet-in-deutschland/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Dem Journalismus wurde schon längst eine Krise attestiert. Die Leserzahlen brechen ein und die Werbeeinnahmen weg: Guter Journalismus, so ist zu lesen, ist kaum noch finanzierbar. Vor mehr als einem Jahr starteten die Krautreporter mit dem ehrgeizigen Projekt, den Online-Journalismus zu retten. Durch Mitgliedsbeiträge sollte dauerhaft ein qualitativ hochwertiges Medium im Netz etabliert werden, dessen Inhalte frei zugänglich sein sollten. Das erste Jahr der Krautreporter endet nun, und das ursprüngliche Ziel, freien Journalismus im Netz auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, konnten die Krautreporter offenbar nicht erreichen. Es wird nun voraussichtlich eine so genannte „Paywall“ eingerichtet, die es erschweren soll, die Texte zu lesen, wenn man nicht für die Krautreporter bezahlt. <a href="http://www.volkerkoenig.de/2015/09/13/warum-jede-paywall-dem-internet-weh-tut-krautreporter/" target="_blank">Volker König</a> kritisiert diese geplante Maßnahme scharf und erklärt, damit würden die Krautreporter zu einem Online-Journalismus-Projekt unter vielen. Gerade die freie Verfügbarkeit hatte das Projekt zu etwas besonderem gemacht.</span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Bezahlmodelle für Journalismus im Internet waren bislang kaum finanziell erfolgreich umzusetzen. Es fehlte die Akzeptanz für einen einzelnen Text eine vergleichsweise hohe Summe auszugeben – oder gleich die ganze Zeitung erwerben zu müssen. Dies soll Blendle, das gerade in Deutschland startet, nun ändern. Bei Blendle hat der Leser Zugriff auf Texte der ZEIT, der FAZ, der Süddeutschen, dem Spiegel oder Cicero und zahlreicher weiterer namhafter Zeitungen, Zeitschriften und Magazine. Bezahlen muss man dabei nur, was man liest. </span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;"><a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/22022/die-grosse-chance-und-der-kleine-haken-von-blendle" target="_blank">Stefan Niggemeier</a> betont die große Chance, die Blendle biete. Die Seite stelle tatsächlich die Bedürfnisse des Lesers in den Mittelpunkt: Dazu zählt, dass man schnell lesenswerte Texte entdecke, aber auch das Startguthaben von 2,50 Euro, das den Einstieg erleichtert, sowie die Möglichkeit für einen Text bei Nichtgefallen das Geld zurückzubekommen. Als problematisch könnten sich allerdings die uneinheitlichen Online-Strategien der Medienhäuser und Zeitungen herausstellen. Wenn für manch einen Text bei Blendle ein Beitrag fällig werde, der wenige Tage später frei im Netz zu lesen sei, dann könnte sich der Kunde bei Blendle so fühlen, als gäbe er unnötigerweise Geld aus.</span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Auf dem Blog <a href="https://mediapunkorg.wordpress.com/2015/09/12/blendle-ein-zwischenfazit/" target="_blank">MediaPunk.org</a> schreibt Konrad Fux ebenfalls über den vielversprechenden Start von Blendle in Deutschland. Mehrfach hat Fux das System bereits in der Beta-Phase ausgiebig getestet und kommt zu dem Schluss, dass es die Erwartungen erfüllt. Blendle eigne sich gut, um in Ruhe am Wochenende Reportagen, Nachrichten, Interviews etc. zu lesen. Das Spektrum der Zeitungen und Zeitschriften, die bereits mitmachten sei ebenfalls gut – allerdings gebe es hier noch Potenzial für Verbesserungen. Keine einzige österreichische Publikation sei im Angebot und auch bei Zeitschriften für kleine Zielgruppen sei das Angebot noch auszubauen.</span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Ein entscheidendes Kriterium für Blendle ist sicher die große Auswahl der unterschiedliche Medien. <a href="http://www.o-daniel.de/blendle-der-preiskampf-um-die-lesestuecke/" target="_blank">Benjamin O&#8217;Daniel</a> sieht hier allerdings bereits einen Preiskampf, der sich abzeichne. Die Preise für einzelne Texte seien in einigen Fällen, so O&#8217;Daniel, sehr hoch. Die Titelgeschichte des Spiegel koste immerhin 1,99 Euro. Als Grund für diesen hohen Preis sieht O&#8217;Daniel die Angst des Spiegel das Hauptgeschäft, die Abonnements, mit Blendle zu kannibalisieren. Er rät dazu, die Preise zu reduzieren und so die Attraktivität der Plattform insgesamt zu steigern.</span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Insgesamt sind sehr viele begeisterte oder zumindest im Tenor überwiegend positive Artikel zu Blendle zu finden. <a href="http://brunowsky.blogspot.de/2015/09/warum-blendle-nicht-funktionieren-wird.html" target="_blank">Ralf-Dieter Brunowsky</a> dagegen glaubt weder, dass Blendle in Deutschland erfolgreich sein wird, noch denkt er, dass dies überhaupt wünschenswert wäre. Das Preismodell kritisiert auch Brunowsky, gerade die Uneinheitlichkeit der Preisgestaltung, die Grundlage des Preiskampfes ist, sei ein Problem. Denn der Leser müsse ständig abwägen, ob der Text denn nun diesen bestimmten Betrag wert sei oder nicht. Eine einheitliche Preisgestaltung hätte dieses Problem umschifft. Außerdem, so Brunowskys Befürchtung, werde sich auf lange Sicht ein Journalismus durchsetzen, der sich möglichst gut verkaufen lasse. Journalismus, der nicht mit der Mehrheitsmeinung geht, oder Journalismus, der auf den ersten Blick langweilig wirke, lasse sich per Blendle schlecht vermarkten.</span></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><span style="font-weight: normal;">Der Anfang ist jedenfalls gemacht, ob Blendle erfolgreich wird und wohin dieser Erfolg Blendle und die Zeitungslandschaft in Deutschland führen wird, bleibt abzuwarten.</span></span></strong></p>
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		<title>Der Absturz der Germanwings-Maschine und die Medien</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2015 07:29:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor einer Woche stürzte ein Airbus der Fluglinie Germanwings in den französischen Alpen ab. 150 Menschen kamen auf dem Flug 4U-9525 ums Leben. Es ist eine Katastrophe, für alle Angehörigen der Toten eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß. Und seit einer Woche wird auf sämtlichen Kanälen über diese Katastrophe berichtet: Eine <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/der-absturz-der-germanwings-maschine-und-die-medien/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einer Woche stürzte ein Airbus der Fluglinie Germanwings in den französischen Alpen ab. 150 Menschen kamen auf dem Flug 4U-9525 ums Leben. Es ist eine Katastrophe, für alle Angehörigen der Toten eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß. Und seit einer Woche wird auf sämtlichen Kanälen über diese Katastrophe berichtet: Eine deutsche Fluglinie, zahlreiche deutsche Opfer und ein deutscher Copilot, der mutmaßlich für den Absturz verantwortlich ist. Das Interesse der deutschen Medien ist selbstverständlich sehr groß. Aber die Art und Weise, wie die Medien berichteten, sorgte erneut – ähnlich, wie bei dem Attentat auf Charlie Hebdo oder im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise – für starke Verstimmungen.</p>
<p>Michael Kausch schreibt auf <a href="http://www.czyslansky.net/germanwings-und-die-medialen-reiter-der-apokalypse/#more-12925" target="_blank">czyslansky </a>über die Berichterstattung und die öffentlichen Reaktionen am letzten Dienstag vor allem im Internet und in den sozialen Medien. An vielen Orten war Entsetzen zu vernehmen, zum Beispiel in den Newslettern verschiedener Firmen, die den verbliebenen Angehörigen der Opfer ihr Beileid aussprachen, um danach beispielsweise auf ihre Produkte hinzuweisen. Die Grenzen zwischen einem geradezu zynischen Marketing, Beileidsbekundungen und Hilfsbereitschaft seien schwer zu ziehen. Auch die zahlreichen Kommentare zum Flugzeug-Absturz, zum Beispiel auf Twitter, die dem Schock Ausdruck verleihen sollten, wie ein „Oh mann, krass“, findet Kausch zweifelhaft. Er fragt, was für eine Kommunikation das sei und welchen Zweck sie habe.</p>
<p>Auf dem Blog <a href="http://www.reisen-fotografie.de/flug-4u-9525-und-die-medien/" target="_blank">reisen-fotografie</a> wird die Rolle der traditionellen Medien stärker in den Blick genommen, vor allem die Dauersendungen am Dienstag, die sich auf den öffentlich-rechtlichen Sendern vom Nachmittag bis in den Abend zogen. Es wurde berichtet, obwohl es kaum etwas zu sagen gab. Fragwürdige Experten wurden herangezogen, die über die Gründe für den Absturz spekulierten und schamlos Bilder von den Trauernden gezeigt. Selbstverständlich gibt es ein großes öffentliches Interesse an der Flugzeug-Katastrophe. Und dieses Interesse wurde bedient, selbst wenn gar keine neuen Informationen zur Verfügung standen.</p>
<p>Im Laufe der letzten Woche kamen dann immer mehr Details ans Licht. Der rätselhafte Absturz fügte sich offenbar zu einer Geschichte um einen psychisch kranken Copiloten, der einen erweiterten Suizid beging. Indem der Copilot, Andreas L., in den Mittelpunkt rückte, veränderte sich die Berichterstattung. Ein „Sündenbock“ war gefunden, und sein Leben, seine Umgebung und seine Familie wurden von der Presse unter die Lupe genommen. Auf dem <a href="http://www.bildblog.de/63749/andreas-l/" target="_blank">BILDBlog</a> hat Mats Schönauer zahlreiche Entgleisungen, vor allem aus der Boulevard-Presse, zusammengetragen. Eindeutige Schuldzuweisungen wurden dort getätigt und teilweise Bilder des Copiloten veröffentlicht zusammen mit seinem Namen und dem Wohnort.</p>
<p>Dass nun in der Presse oftmals der vollständige Name des Copiloten zu lesen ist, hat Viele erstaunt. Ist das überhaupt zulässig? Ausführlich hat sich damit <a href="https://steffenkutzner.wordpress.com/2015/03/27/durfen-medien-den-vollen-namen-des-copiloten-von-flug-4u9525-nennen-eine-argumentation/" target="_blank">Steffen Kutzner</a> auseinandergesetzt. Er geht die Passagen des Pressekodexʼ durch, die diese Frage berühren. Die großen Boulevardblätter aber auch einige seriöse Zeitungen haben auf ihre Weise Fakten geschaffen, indem sie den Namen nannten. Doch Kutzner kommt zu dem Schluss, dass in diesem Fall gegen den Pressekodex verstoßen wurde. Denn Beweise für die Schuld des Copiloten liegen nicht vor und seine Tat fand nicht in der Öffentlichkeit statt, alle direkten Zeugen sind mit ihm in den Tod gestürzt.</p>
<p><a href="http://bliersbachs-einsprueche.blogspot.de/2015/03/nicht-wissen-und-nicht-wissen-wollen.html" target="_blank">Gerhard Bliersbach</a> schreibt, es sei nun bedeutsam, das „Narrativ“ des mutmaßlichen Suizids zu verstehen. Was ist darüber noch zu erfahren? Bliersbach lehnt jedenfalls die Kurzschlüsse ab, die eine möglichst einfach Erklärung liefern wollen. Mittlerweile ist bekannt, dass Andreas L. vor Jahren wegen Suizidalität in Behandlung war, doch auch damit ist die „Geschichte“ nicht verstanden. Suizide werden nur in einem Beziehungsgeflecht nachvollziehbar, schreibt Bliersbach, die Motive seien komplex und nicht einfach kausal zu erklären. Allen einfachen Erklärungsversuchen ist deshalb zu misstrauen.</p>
<p>Neben dem Copiloten rückte die Stadt Haltern in den Fokus der Berichterstattung, denn sechzehn Schüler sowie zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums befanden sich an Bord des Fluges 4U-9525. Haltern wurde deshalb zu einer Chiffre für die Trauer über den Absturz. <a href="http://meistergedanke.de/2015/umgang-der-medien-mit-schuelern-und-angehoerigen-in-haltern/43" target="_blank">Mika Baumeister</a>, der Schüler am Joseph-König-Gymnasium ist, schreibt auf seinem Blog darüber, wie manche Journalisten jegliche Scham verloren, um Bilder und Stimmen von trauernden Schülern einzufangen. So wurde Schülern für ein Interview Geld angeboten, selbst Schülern der unteren Klassen, die minderjährig sind. Absperrungen wurden von manchen Journalisten übergangen, indem sie verdeckt fotografierten. Und die Trauer der Angehörigen, der Schülerinnen und der Schüler wurde von einigen Journalisten in keiner Weise respektiert.</p>
<p>Der Journalist <a href="https://medienland.wordpress.com/2015/03/27/das-ende-der-moral-oder-der-absturz-des-journalismus/" target="_blank">Ben Krischke</a> pflichtet dem Vorsitzenden des bayerischen Journalistenverbandes bei, der schrieb, er schäme sich in diesen Tagen Journalist zu sein. Krischke hofft, dass sich journalistische Ethik doch wieder durchsetzt.</p>
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		<title>Niedergang der Literaturkritik? Eine aktuelle Debatte</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2015 07:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Verleger des unabhängigen Verbrecher-Verlags, Jörg Sundermeier, hat eine Debatte über die Qualität der Literaturkritik angestoßen. Im „Sonntagsgespräch“ mit dem BuchMarkt äußerte er seinen Unmut darüber, wie derzeit Literaturkritik betrieben werde. Es fehle vor allem an „Haltung“, stattdessen sei alles nur noch bloße „Meinung“. Zahlreichen Besprechungen läge mittlerweile bloß ein <a href=" http://blogumschau.de/2015/02/niedergang-der-literaturkritik-eine-aktuelle-debatte/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Verleger des unabhängigen Verbrecher-Verlags, Jörg Sundermeier, hat eine Debatte über die Qualität der Literaturkritik angestoßen. Im „Sonntagsgespräch“ mit dem <a href="http://www.buchmarkt.de/content/61191-das-sonntagsgespraech.htm" target="_blank">BuchMarkt</a> äußerte er seinen Unmut darüber, wie derzeit Literaturkritik betrieben werde. Es fehle vor allem an „Haltung“, stattdessen sei alles nur noch bloße „Meinung“. Zahlreichen Besprechungen läge mittlerweile bloß ein Querlesen zugrunde. Und das werde in den Redaktionen toleriert, man wisse davon. Eingehende Kenntnisse, intensive Lektüren, fundierte Kritik: Das sei kaum noch anzutreffen.</p>
<p>Diese Kritik an der Literaturkritik wird heftig diskutiert. Hat Sundermeier Recht? Ist die Literaturkritik am Ende? Jan Drees hat in <a href="http://www.lesenmitlinks.de/buchmarkt-joerg-sundermeier/" target="_blank">seinem Blog</a> zahlreiche Reaktionen auf Sundermeiers Aussagen, zum Beispiel aus den Sozialen Netzwerken, zusammengetragen. Erstaunlich Viele stimmen dessen Aussagen zu. Die Kritik an Sundermeier zielt vor allem auf sein allzu pauschales Urteil: Wer seien denn die Literaturkritiker, die ihrer Aufgabe so schlecht nachgingen? Und warum stellt Sundermeier sich so dar, als sei er allein mit seinen Ansichten über die Literaturkritik und die Branche?</p>
<p><a href="http://leandersukov.de/?p=1782" target="_blank">Leander Sukov</a> unterstützt Sundermeier, er treibt dessen Kritik sogar noch weiter. Er sieht ebenfalls das Problem, dass es kaum „unbestechliche“ Kritik gebe, die auf Werten fußt. Das zielt in die gleiche Richtung wie Sundermeiers Klage über fehlende Haltung. Sukov schreibt weiter, es gebe deutlich mehr gute Literatur als es gut Kritiker gebe. Dann müsste der Literaturkritik tatsächlich ein Versagen attestiert werden, wenn lesenswerte Literatur nicht in den Feuilletons auftauche, gar nicht auftauchen könne, weil die Kritiker fehlen, die diese Literatur angemessen würdigen könnten. Er schließt mit dem Hinweis auf die Besprechungen von „Fifty Shades of Grey“, das in den Feuilletons vieler großer Zeitungen ausführlich rezensiert wurde. Genau hier könne die mangelnde Qualität der Literaturkritik klar gesehen werden, da hier ein offenbar literarisch zweifelhaftes Werk die Debatten beherrschte.</p>
<p>Die Klage vom Niedergang der Literaturkritik passe, nach <a href="https://thomasbrasch.wordpress.com/2015/01/31/literaturkritik-alles-willkur-oder-was/" target="_blank">Thomas Brasch</a>, ins Bild vom allgemein diagnostizierten Niedergang der Bildung. Sundermeier hatte auch angesprochen, dass „Intellektualität“ immer mehr wie ein schlechtes Etikett sei. Intellektualität sei gar nicht mehr gefragt. „Kulturpessimismus“, nennt dagegen Brasch die Kritik Sundermeiers und die zahlreichen beipflichtenden Kommentare.</p>
<p>Brasch stellt den Literaturkritikern aus den Feuilletons die Kritiker aus den Blogs beiseite. Selbst wenn vielleicht die Zahl der Literaturbesprechungen in den Zeitungen abnehme, sei die gesamte Menge der Literaturbesprechungen doch in den letzten Jahren massiv gestiegen. Das Beispiel „Houellebecq“ zeige zudem, wie vielfältig die Gattung der Rezension sei und wie zahlreich die Besprechungen, darunter auch eingehende Besprechungen. Die Verlage hätten außerdem längst zahlreiche Möglichkeiten, den Austausch mit den Leserinnen und Lesern zu suchen, diese Möglichkeiten seien so gut wie nie. Das Lamento über die schlechte Literaturkritik verzerre die Realität.</p>
<p>Brasch stellt in seinem Beitrag darüber hinaus den Begriff der Haltung infrage. Auch mit Haltung: Bleibt das literaturkritische Urteil nicht subjektiv? Über die Frage, inwieweit Literaturkritik „Meinung“ sei und was es mit dem „Subjektiven“ auf sich habe, geht Bersarin auf seinem Blog <a href="https://bersarin.wordpress.com/2015/02/02/sensus-communis-von-der-freiheit-zum-objekt/" target="_blank">AISTHESIS</a> nach. Die Literaturkritik sei durchaus in der Lage über die Meinung hinauszukommen. Das Kunstwerk, also der Text, müsste so behandelt werden, dass mehr als Meinung entstünde. Das bedeute, den Text selbst zu analysieren und nicht gleich in eine Meinung auszuweichen. In einem intersubjektiven Raum, so erläutert Bersarin mit Rückgriff auf Immanuel Kant, könne über ein Kunstwerk so gesprochen werden, dass am Ende mehr übrigbliebe als das bloß Subjektive. Der literarische Salon steht am Anfang dieser Entwicklung einer intersubjektiv verstandenen Kunstkritik. Allerdings liegt bereits hier die Gefahr für die Literaturkritik: Wenn der Intersubjektivität, dem Austausch über die ästhetische Erfahrung, so viel zugemutet wird, kann es eben geschehen, dass es fast beliebig scheint, über was eigentlich gesprochen wird, über (emphatisch verstandene) Kunst oder über beliebige (schöne) Erzeugnisse der Industrie.</p>
<p>Eine überraschende Parallele zu Sundermeiers Kritik findet sich in den Äußerungen Frédéric Jaegers, dem Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Filmkritik. Auch er sagte in diesen Tagen in einem Interview auf dem Blog <a href="http://www.getidan.de/kolumne/fundsachen/runhard_sage/66783/filmkritik-ein-gespraech-mit-frederic-jaeger-geschaeftsfuehrer-des-vdfk#more-66783" target="_blank">GETIDAN</a>: „Filmkritik ist eine Haltung.“ Die Situation der Filmkritik in Deutschland ist sicherlich nur eingeschränkt mit der Situation der Literaturkritik vergleichbar. Aber auch Jaeger fordert die Kritik auf, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die Filmkritik, so Jaeger, solle sich stärker einmischen. Eine Kritikerwoche, die nun beginnt und sich auf zehn Filme konzentriert, solle dazu beitragen, sich überhaupt darüber klar zu werden, welches Kino wir haben.</p>
<p>Hier, so scheint es, könnten durchaus Gespräche über die Medien hinweg, von Kino zu Literatur, weiterhelfen, um besser zu verstehen, was Kunstkritik überhaupt leisten soll und welchen Ort und welche Bedingungen sie dafür braucht.</p>
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		<title>2014 – Eine Jahresblogumschau</title>
		<link>http://blogumschau.de/2014/12/2014-eine-jahresblogumschau-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Dec 2014 07:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig? Zunächst zur Politik: Auf der <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/2014-eine-jahresblogumschau-2/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig?</p>
<p>Zunächst zur Politik:<br />
Auf der internationalen Ebene hielt uns die Ukraine-Krise in Atem: Die Demonstrationen auf dem Kiewer Maidan-Platz, der Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch, der völkerrechtlich höchst umstrittene Anschluss der Krim an das russische Territorium, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Ostukraine, der immer noch nicht aufgeklärte Abschuss der Passagiermaschine MH17, ein umstrittener russischer Hilfskonvoi mit Lieferungen für die ostukrainische Bevölkerung, der immer weiter eskalierende Streit zwischen Russland und dem Westen, den manche schon als Heraufkunft eines neuen Kalten Kriegs deuten.<br />
Und die Entwicklungen im Nordirak und in Syrien: Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), die die Menschen durch ihr brutales Vorgehen und Vorrücken in Angst und Schrecken versetzt, die Einkesselung von tausenden Jesiden in den Sindschar-Bergen, welche die USA endgültig zu einer erneuten militärischen Intervention bewog, der Kampf um die belagerte nordirakische Stadt Kobane, der immer noch anhält.<br />
Dazu kamen Europawahlen mit teilweise niederschmetternd niedrigen Wahlbeteiligungen und einem lang anhaltenden Geschacher um den Posten des Kommissionspräsidenten, den dann doch noch Jean-Claude Juncker erhielt. Die transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP erregen die Gemüter. Schottland entschied sich nur knapp gegen die Abspaltung von Großbritannien. In den USA treibt der noch lange nicht überwundene Rassismus die Menschen auf die Straßen – nicht nur in Ferguson. Der jüngst veröffentlichte Bericht zu den Foltermethoden der CIA nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 sorgt für Empörung und Entsetzen. Hinsichtlich der NSA-Abhöraffäre sind immer noch mehr Fragen offen als beantwortet. Edward Snowden sitzt immer noch im russischen Exil fest. Der Ausbruch einer Ebola-Epidemie beunruhigte nicht nur die Menschen in afrikanischen Ländern. Der Nahost-Konflikt kommt nicht zur Ruhe, Israel bombardierte den Gaza-Streifen, nachdem aus diesem Raketen auf das israelische Territorium gefeuert wurden.<br />
Und in Deutschland? Man streitet über die Autobahnmaut, DIE LINKE stellt in Thüringen mit Bodo Ramelow zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten, die FDP fliegt reihenweise aus den Landesparlamenten, in die nun die konservativ-populistische AfD einzieht. Die GDL legte über mehrere Tage hinweg den Bahnverkehr lahm und sorgte damit für viel Unmut und warf die Frage auf, wie weit das Streikrecht gehen darf. Der Berliner Flughafen ist immer noch eine Baustelle, Klaus Wowereit wird ihn nicht mehr als Berliner Bürgermeister benutzen können, er hat vor wenigen Tagen sein Amt an Michael Müller abgetreten.<br />
Der NSU-Prozess offenbart immer neue Details, auch über das Versagen der deutschen Behörden. Und es wurde viel demonstriert: Gegen Israels Politik, gegen einen linken Ministerpräsidenten, „Hooligans gegen Salafisten“, „patriotische Europäer“ gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, für den Frieden – mit teils bedenklichen Untertönen und Konnotationen. Auch in Deutschland sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit noch lange nicht überwunden.</p>
<p>Lässt sich da ein roter Faden finden? Christian P. Krohne versucht es auf <a href="http://www.spreepublik.de/2014/12/19/die-suche-nach-dem-roten-faden-ein-politischer-jahresrueckblick/" target="_blank">Spreepublik</a> und findet ihn überraschenderweise in der SPD. Ob nun das Verfahren gegen Sebastian Edathy, dem der Besitz von kinderpornographischem Material vorgeworfen wird, die gute Freundschaft des SPD-Altkanzlers Gerhard Schröder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Wowereit, der als Berliner Bürgermeister für einiges Durcheinander gesorgt hat, oder die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen, immer sei dieses Jahr irgendwie die SPD beteiligt gewesen.</p>
<p>Roberto J. De Lapuente stellt auf <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/12/weihnachtsgrue-aus-der-boombranche.html" target="_blank">ad sinistram</a> etwas anderes in den Mittelpunkt seines Weihnachtsgrußes, der zugleich ein kurzer Rückblick aufs Jahr ist: Er beobachtet, wie sich in diesem Jahr in verschiedenen Hinsichten – Salafisten, PEGIDA, (Finanz-) Kapitalismus, Ost/West-Konflikt – die Zustände radikalisieren und verschlimmern. Diffuse Ängste nehmen zu, der Egoismus und die Intoleranz sind auf dem Vormarsch und treiben die gesellschaftlichen Antagonismen voran. Einfache Feindbilder werden konstruiert, Hass und Aggression nehmen zu. An Themen wird es damit auch im nächsten Jahr nicht mangeln.</p>
<p>Auf <a href="http://wahrheitueberwahrheit.blogspot.de/2014/12/jahresruckblick-3-verschworungstheorie.html" target="_blank">Die Wahrheit über die Wahrheit</a> schreibt Thomas über eine andere bemerkenswerte Entwicklung dieses Jahres: Dass alles, was auch nur so halbwegs vom Meinungsmainstream abweiche, gleich zur Verschwörungstheorie erklärt und damit abgekanzelt werde. Bemerkenswert sei dies vor allem deshalb, weil sich doch so einige Behauptungen, die zunächst als Spinnereien abgetan worden seien, letztlich als stichhaltig erwiesen hätten, beispielsweise hinsichtlich der NSA-Überwachung, der CIA-Folter oder dem Nationalsozialistischen Untergrund. Bald könne einen wohl nichts mehr verwundern. Doch warum wird der Verschwörungsvorwurf so schnell und oft erhoben? Thomas vermutet ein gesellschaftliches Kommunikationsproblem: Die verschiedenen Gesellschaftsgruppen würden sich einfach nicht mehr verstehen. Also auch hier: ein bedenkliches Auseinanderdriften.</p>
<p>Das politische Geschehen hat das Jahr 2014 dominiert. Oder doch nicht? Aufschlussreich sind die Listen, die Google veröffentlicht hat, die aufzeigen, welche Begriffe 2014 am häufigsten gesucht worden sind. Im <a href="http://www.googlewatchblog.de/2014/12/google-jahresrueckblick2014-fussball-wm/" target="_blank">Googlewatchblog</a> sind diese Listen zu finden. Bei den Schlagzeilen dominiert die WM 2014, gefolgt von Michael Schumacher, der 2014 den furchtbaren Skiunfall hatte und Robin Williams, der in diesem Jahr verstarb. Erst auf Platz 6 folgt die Krim, auf Platz 8 die Ukraine. Die Google-Suchen spiegeln selbstverständlich nur Suchinteressen wider, sagen nur bedingt etwas über das tatsächliche Interesse an einem Thema aus.</p>
<p><a href="https://emshapro.wordpress.com/2014/12/22/jahresrueckblicke2014/" target="_blank">Emshapro</a> wundert sich darüber, dass in den TV-Rückblicken ebenfalls das Politische nur am Rande vorkam. Der Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft habe die zahlreichen Rückblicke dominiert. Es geht, so emshapro, vor allem darum, ein gutes Gefühl zu verbreiten. Politische Konflikte, Krisen und ernsthafte Probleme fänden in einem so konzipierten Programm nur bedingt Platz. Die TV-Jahresrückblicke böten keine Chronologie der einschneidenden Ereignisse, sondern hielten sich vor allem bei starken Bildern und großen Emotionen auf. Entsprechend ist das Fazit ernüchternd: Unzählige Rückblicke wurden gezeigt, die allerdings kaum darstellten, was tatsächlich wichtig war in diesem Jahr 2014.</p>
<p>Der Blick auf die Großereignisse ist die eine Möglichkeit das Jahr 2014 in einem Rückblick zu erfassen. Daneben geben gerade zahlreiche Blogs persönliche Rückblicke. Einen solchen hat Tobias Lindemann auf <a href="http://libroskop.wordpress.com/2014/12/22/kurzer-ruckblick-auf-das-libroskop-lesejahr-2014/" target="_blank">Libroskop</a> verfasst. Der Literaturblog stellt vor allem Leseerfahrungen in den Mittelpunkt. Welche Bücher prägten das Jahr 2014 für Lindemann? Esther Kinskys „Am Fluss“ stellt für Lindemann das eindrücklichste Leseerlebnis in diesem Jahr dar. Ein stilles Werk, dessen Zwischentöne ihn überzeugt haben.<br />
Lindemann schaut auch auf die literarischen Ereignisse des Jahres. Der Buchpreis habe ihn mit seiner Omnipräsenz zunehmend genervt, echte literarische Debatten hätten dagegen kaum stattgefunden, allenfalls Florian Kesslers streitbarer Artikel in der ZEIT sei zu nennen, der für weniger Konformismus in der deutschen Literatur plädiert habe.</p>
<p>Die Jahresrückblicke, die bereits stattgefunden haben, konnten mindestens ein Datum nicht mehr aufnehmen, das sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird: Udo Jürgens verstarb am 21. Dezember 2014. Konstantin Wecker würdigt ihn auf seinem Blog <a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/12/22/udo-juergens-cassandra-steen-was-wichtig-ist/" target="_blank">Hinter den Schlagzeilen</a> als eine „der ganz großen Begabungen für Melodien“.</p>
<p>In das Jahr 2014 fallen zahlreiche Ereignisse, wie zum Beispiel der Weltmeistertitel der deutschen Fußballnationalmannschaft in Brasilien, die eine gewisse Tragweite hatten. Zahlreiche „Ereignisse“ sind aber überhaupt nicht abgeschlossen wie der Ukraine-Konflikt oder das bröckelnde Vertrauen vieler deutscher Bürgerinnen und Bürger in die etablierten Medien, auch PEGIDA wird vermutlich im nächsten Jahr wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Blogumschau erlaubt sich deshalb nur eine kurze Pause und ist Anfang 2015 wieder mit Berichten aus der Welt der Blogs zur Stelle.</p>
<p>Ein frohes Weihnachtsfest und einen angenehmen Abschluss dieses Jahres wünschen</p>
<p>Jochen Walter &amp; Christian Wiebe</p>
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		<title>Ein Appell für Frieden in Europa verhallt in den Qualitätsmedien – zu Recht?</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Dec 2014 07:32:21 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Paradoxe Verhältnisse? Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe, die Gewalt in der Ostukraine bricht nicht ab. Die Stimmung zwischen Russland und dem Westen ist mehr als nur angespannt, manch einer spricht von einem neu heraufziehenden (Kalten) Krieg. Da sollte man meinen, dass ein von sechzig deutschen Politikern, Künstlern und Intellektuellen <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/ein-appell-fuer-frieden-in-europa-verhallt-in-den-qualitaetsmedien-zu-recht/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Paradoxe Verhältnisse? Die Ukraine kommt nicht zur Ruhe, die Gewalt in der Ostukraine bricht nicht ab. Die Stimmung zwischen Russland und dem Westen ist mehr als nur angespannt, manch einer spricht von einem neu heraufziehenden (Kalten) Krieg. Da sollte man meinen, dass ein von sechzig deutschen Politikern, Künstlern und Intellektuellen getragener Aufruf zum Frieden in Europa und zu einem gemäßigten Umgang zwischen dem Westen und Russland, auf fruchtbaren Boden fallen sollte. Doch der Appell findet in den öffentlich-rechtlichen Sendern und in den meinungsführenden Tages- und Wochenzeitungen kaum lobende Erwähnung. Wenn er überhaupt erwähnt wird.</p>
<p>In dem Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“, der auf <a href="http://www.zeit.de/politik/2014-12/aufruf-russland-dialog" target="_blank">ZEIT ONLINE</a> dokumentiert ist, warnen unter anderem Roman Herzog, Margot Käßmann, Reinhard Mey, Otto Schily, Gerhard Schröder und Wim Wenders davor, dass der Westen und Russland durch ein gefährliches Wechselspiel sich gegenseitig befeuernder Drohungen in einen neuen Krieg zu schlittern drohen, den eigentlich niemand wolle. Appelliert wird an die <em>gemeinsame</em> Verantwortung für Sicherheit und Frieden. Es gehe nicht um Wladimir Putin, sondern um Europa. Eine neue Entspannungspolitik wird von den Unterzeichnern des Aufrufs angemahnt, die nur im gleichberechtigten Dialog mit Russland zu erreichen sei. Die europäische „Gestaltungsmacht“ Russland dürfe nicht aus Europa gedrängt werden. Das russische Sicherheitsbedürfnis, das durch die westliche Ausdehnung gen Osten in den Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges strapaziert worden sei, müsse anerkannt und berücksichtigt werden. Der Aufruf ist insbesondere auch an die etablierten Medien gerichtet, die von vorurteilsbehafteten Berichten über Russland Abstand nehmen und stattdessen wieder ausgewogen und gut recherchiert über den Konflikt schreiben sollen.</p>
<p>Dass wirklich niemand Krieg wolle, wie der Friedensappell behauptet, davon ist Jens Siegert nicht überzeugt. Er zweifelt auf dem <a href="http://russland.boellblog.org/2014/12/07/aufruf-niemand-will-krieg-will-wirklich-niemand-krieg/" target="_blank">Russland-Blog</a> der Moskauer Heinrich-Böll-Stiftung erheblich am Friedenswillen der russischen Führung. Zudem herrsche doch schon Krieg in Europa, und Russland befördere diesen aktiv durch sein wiederholtes militärisches Engagement in der Ostukraine. Ohne diese russischen Interventionen, da ist sich Siegert ziemlich sicher, hätte es diesen Krieg wohl gar nicht gegeben. Siegert findet es des Weiteren mehr als unglücklich, dass der Appell die für die Eskalation der Gewalt Verantwortlichen nicht klar benennt, sondern sich stattdessen einer „opportunistischen Äquidistanz“ bediene. Das militärische Eingreifen Russlands werde mit den Sanktionen des Westens gleichgesetzt. Die Provokationen und Lügen Russlands würden so verdeckt bzw. beschönigt.</p>
<p>Karsten Lucke findet den Friedensappell geradezu grotesk, wie er auf <a href="http://kielspratineurope.eu/?p=1839" target="_blank">kielspratineurope</a> feststellt. Der Aufruf adressiere die Falschen. Nicht Europa oder der Westen treibe die Eskalationsspirale voran, sondern eben Russland. Putin tue einfach was er wolle, habe wiederholt aggressiv gehandelt und dabei jedes Maß verloren. Das Argument von der für Russland bedrohlichen Ost-Ausdehnung des Westens hält Lucke für ein Ammenmärchen. Die Staaten des ehemaligen Ostblocks hätten sich doch freiwillig für die Annäherung an den Westen entschieden. Nicht der Westen dränge Russland aus Europa heraus, sondern Putin tue dies selbst. Dabei müsste Putin doch erkennen, so Lucke, dass Russland angesichts der vielen virulenten globalen Problemlagen eigentlich eine strategische Partnerschaft mit Europa eingehen müsste und nicht mehr in alten (und überkommenen) geopolitischen Mustern denken dürfte.</p>
<p>In den sozialen Netzwerken und Blogs schlossen sich aber auch viele der Analyse und mahnenden Stoßrichtung des Aufrufs an. Der Friedensappell wurde häufig geteilt und weiterverbreitet. In der Berichterstattung insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien spielte er hingegen kaum eine Rolle.</p>
<p>Bei <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/19983/60-prominente-gegen-den-krieg-sind-keine-nachricht-fuer-ard-und-zdf/" target="_blank">Stefan Niggemeier</a> verursacht es schon gehöriges Kopfschütteln, dass da eine ziemlich prominent besetzte Gruppe von Politikern, Künstlern und Intellektuellen Kritik an den politischen Entscheidungsträgern und Medienschaffenden im Zuge der Ukraine-Krise übt und die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformate dies einfach weitgehend ignorieren. Dass es am Tag der Veröffentlichung des Friedensappells am vergangenen Freitag viele andere wichtige Meldungen gegeben habe, wie dies Elmar Theveßen, der stellvertretende ZDF-Chefredakteur, auf Nachfrage mitteilte, könne ja vielleicht noch angehen, so Niggemeier. Skeptisch macht es ihn aber schon, dass dies nur zu gut zum Bild der letzten Monate passe, wo ARD und ZDF immer wieder für ihre allzu einseitige Berichterstattung im Zuge der Ukraine-Krise kritisiert wurden, ohne darauf entschieden zu reagieren. Der nachrichtenreiche Freitag sei den Nachrichtenplanern vielleicht gerade recht gekommen, mutmaßt Niggemeier, um den auch gegen sie gerichteten kritischen Appell elegant übergehen zu können.</p>
<p>Die Skepsis gegenüber den etablierten Qualitätsmedien wird so jedenfalls nicht geringer. Man muss die in dem Friedensappell geäußerte Kritik an der Politik und den Medien ja nicht teilen – es gibt durchaus berechtigte Einwände. Sie einfach zu ignorieren wird allerdings nicht helfen, sondern die Vertrauenskrise weiter vergrößern.</p>
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		<title>Computerspiele im Feuilleton? Über Thomas Böhms „New Level“</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2014 08:34:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Computerspiele]]></category>
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		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description><![CDATA[Computerspiele kommen noch immer kaum in den Feuilletons der großen Zeitungen oder im Kulturteil wichtiger Zeitschriften vor und ebenso wenig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dieser Bereich der Kultur findet – von einigen Ausnahmen abgesehen – in einer Parallelwelt statt. Bücher, Filme, Theaterstücke sind selbstverständlich in allen Kulturnachrichten zu Hause, aber schon <a href=" http://blogumschau.de/2014/11/computerspiele-im-feuilleton-ueber-thomas-boehms-new-level/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Computerspiele kommen noch immer kaum in den Feuilletons der großen Zeitungen oder im Kulturteil wichtiger Zeitschriften vor und ebenso wenig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dieser Bereich der Kultur findet – von einigen Ausnahmen abgesehen – in einer Parallelwelt statt. Bücher, Filme, Theaterstücke sind selbstverständlich in allen Kulturnachrichten zu Hause, aber schon seit langem auch die Popmusik. Computerspiele allerdings verirren sich nur äußerst selten in den Kulturteil einer Zeitung.</p>
<p>Thomas Böhm, der Programmleiter des internationalen Literaturfestivals Berlin, überschreitet nun mit dem Buch „New Level. Computerspiele und Literatur“ eine Grenze. Der Band, den er als Herausgeber verantwortet, fragt nach dem Zusammenhang und den Unterschieden von Literatur und Computerspielen. So skizzieren beispielsweise bekannte Autoren, wie Saša Stanišić oder Georg Klein, eine Computerspielidee. Oder es wird theoretisch die Möglichkeit bzw. die Unmöglichkeit erwogen, Literatur zu lesen.</p>
<p>Das Buch ist schon vor rund zwei Monaten erschienen, es dauerte allerdings eine Weile bis ihm Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Jetzt hat Sebastian Standke das Buch auf <a href="http://superlevel.de/spielkram/rezension-new-level-computerspiele-und-literatur/" target="_blank">Superlevel</a> besprochen. Er beginnt seine Besprechung mit dem allgegenwärtigen Wertungsunterschied: Shakespeare gehöre nun mal ins kulturelle Gedächtnis, nicht Allan Alcorn, der Erfinder des Spieleklassikers „Pong“. „New Level“ ist auch so anziehend, weil der Herausgeber, Thomas Böhm, eben in der Literaturszene bekannt ist. Das Thema Computerspiel ist damit hochkulturell geadelt. Die Unterschiede bestehen also für die Autoren nicht zuerst im Niveau (hochwertig vs. minderwertig), sondern in der Form des „Erzählens“, die eben im Spiel tendenziell Freiheiten besitzt, die Handeln ermöglichen. Die Nacherzählung eines Spiels entziehe dem Plot gerade wieder diese Handlungsoption, mache das Spiel wieder statisch. Dieser Unterschied liegt auf der Hand, und lässt dann wiederum die Annäherung verschiedener Autoren an eine Spielidee so reizvoll erscheinen.</p>
<p><a href="http://christianhuberts.blogspot.de/2014/10/schreiben-lesen-spielen.html" target="_blank">Christian Huberts</a>, der selbst einen Beitrag zu dem Buch beigesteuert hat, leitet verschiedene Fragen aus den Aufsätzen und Essays ab: Wo sind die Unterschiede zwischen einer literarischen Fiktion und einer Computerspiel-Dramaturgie? Lassen sich literarische Stoffe in Spiele überführen? Literatur sei nur ein Element von Computerspielen, so Huberts, ebenso müsse an Performance-Künste oder Architektur gedacht werden. Computerspiele seien in der Lage ganz verschiedene Künste zu integrieren, und sie sind dennoch etwas ganz anderes als Verlängerungen dieser Künste in ein anderes Medium, da sie eben spielbar sind.</p>
<p>Computerspiele könnten jedenfalls, so <a href="http://www.christoph-deeg.de/" target="_blank">Christoph Deeg</a>, das Leitmedium des 21. Jahrhunderts werden. Es sei zwar noch ein weiter Weg bis dorthin, doch eröffneten Spiele schon jetzt neue Formen der Vermittlung von Kultur und Wissen. Computerspiele werden längst von verschiedenen Institutionen oder Unternehmen zu ihren Zwecken eingesetzt. Zumeist allerdings werden Computerspiele nur sehr begrenzt genutzt, um Interesse für etwas ganz anderes zu wecken, wie es im Marketing üblich ist. So führen nun manche Büchereien Computerspielecken ein, allein mit dem Ziel, Interesse für Bücher zu wecken. Verschenktes Potenzial, sagt Martin Lorber auf dem <a href="http://spielkultur.ea.de/themen/gesellschaft-und-kultur/digitale-spiele-in-bibliotheken" target="_blank">Blog für digitale Spielkultur</a> des Computerspieleherstellers EA.</p>
<p>Computerspiele und Kultur: Die Debatte ist noch nicht in Fahrt gekommen. Ob Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. <a href="http://spielkultur.ea.de/themen/gesellschaft-und-kultur/staatsministerin-fur-kultur-und-medien-trifft-gamesbranche" target="_blank">Martin Lorber</a> hebt hervor, dass sie prominente Vertreter der Branche getroffen habe, um sich über kulturpolitische Aspekte auszutauschen. Allein dieser Umstand ist immerhin ein Signal.</p>
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		<title>Mehr Medienvielfalt! Steinmeier spricht bei den Lead Awards in Hamburg</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Nov 2014 08:03:49 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
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		<description><![CDATA[Bei den „Lead Awards“ werden in jedem Jahr die bedeutendsten Medienerzeugnisse prämiert. Das Magazin der Süddeutschen erhielt den renommierten Preis als bestes Magazin, der Tagespiegel den Preis als beste Zeitung. Als Cover des Jahres gilt nun der Titel des SZ-Magazins, auf dem Peer Steinbrück mit „Stinkefinger“ zu sehen war. Die <a href=" http://blogumschau.de/2014/11/mehr-medienvielfalt-steinmeier-spricht-bei-den-lead-awards-in-hamburg/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bei den „Lead Awards“ werden in jedem Jahr die bedeutendsten Medienerzeugnisse prämiert. Das Magazin der Süddeutschen erhielt den renommierten Preis als bestes Magazin, der Tagespiegel den Preis als beste Zeitung. Als Cover des Jahres gilt nun der Titel des SZ-Magazins, auf dem Peer Steinbrück mit „Stinkefinger“ zu sehen war.</p>
<p>Die deutschen Medien wurden also gefeiert, und sie ließen sich feiern. In diesem Jahr fielen die „Lead Awards“ allerdings in die Zeit einer offensichtlichen Krise. Die wirtschaftlichen Probleme vieler Zeitschriften und Zeitungen sind längst bekannt. Mittlerweile kommt allerdings ein Glaubwürdigkeitsproblem hinzu, über das ebenfalls nicht mehr hinweggesehen werden kann. Insbesondere im Zusammenhang der Ukraine-Krise zeigt sich, dass Teile der Gesellschaft der Berichterstattung in den großen Zeitungen und in den öffentlich-rechtlichen Sendern misstrauen.</p>
<p>Die ARD zeigte am Sonntagabend ein Interview mit Wladimir Putin, um anschließend bei Günther Jauch darüber zu diskutieren. Und gestern sprach Angela Merkel über die Ukraine-Krise und widersprach in ihrer Rede Putin: Putin missachte internationales Recht. Wie sind die Ansprachen der beiden Spitzenpolitiker einzuordnen? In den Medien beginnen nun die Interpretationen. Und damit liegt wieder die Frage auf dem Tisch: Wem kann der Bürger trauen? Wo beginnt die ungewollte Einseitigkeit, wo vielleicht gar die Manipulation?</p>
<p>Frank-Walter Steinmeier sprach nun in Hamburg bei den „Lead Awards“ über die Krise der Medien. <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/19854/steinmeier-beklagt-erstaunliche-homogenitaet-und-konformitaetsdruck-in-medien/" target="_blank">Stefan Niggemeier</a> zitiert Ausschnitte der Rede – mittlerweile ist die Rede auch auf der <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2014/141115_Rede_BM_anl%C3%A4sslich_Verleihung_Lead_Awards.html" target="_blank">Internetpräsenz des Auswärtigen Amts</a> einsehbar –, und kommentiert sie nur knapp als „außerordentlich hellsichtig“. Steinmeier spricht davon, dass der „Meinungskorridor“ schon mal breiter gewesen sei. Die Medien berichten insgesamt zu einseitig und bilden damit die vielfältigen Meinungen des Publikums überhaupt nicht ab. Nun sollten die Journalisten ja nicht dem Publikum nach dem Mund schreiben, so Steinmeier weiter, aber sie können ihre Leserinnen und Leser auch nicht dauerhaft ignorieren.</p>
<p>Es herrsche, so folgert Steinmeier, ein Konformitätsdruck in den Medien. Im <a href="http://blauerbote.com/2014/11/15/frank-walter-steinmeier-und-der-konformitatsdruck-der-medien/" target="_blank">Blauen Boten </a>liefert Jens Bernert ein Beispiel für diesen Konformitätsdruck, das Steinmeier selbst erlebte: In verschiedenen Medien wurde im Laufe der Ukraine-Krise über eine (mögliche) Invasion russischer Truppen in der Ukraine berichtet. Passende Bilder wurden hierzu gezeigt. Doch vor der UN sprach Steinmeier davon, dass aufgrund der diplomatischen Bemühungen, die eigenen eingeschlossen, eine Invasion verhindert werden konnte. Was denn nun? Viele Medien berichteten über diese diplomatische Leistung jedenfalls gar nicht, sondern hielten vielmehr das Bild eines russischen Einmarschs – oder einer solchen Bedrohung – aufrecht. Das einmal erzeugte Bild des Ereignisses werde in manchen Medien also wider besseres Wissen am Leben erhalten. Das wäre ein Beispiel für einseitige und dadurch fehlerhafte Berichterstattung, und auch weil in diesem Fall Steinmeiers eigene Leistung unterschlagen worden wäre, prangere er – zu Recht – den Konformitätsdruck an.</p>
<p>In der <a href="http://menschenzeitung.de/?p=25589" target="_blank">MenschenZeitung</a> dagegen wird Steinmeiers Rede auf zwei Ebenen kritisiert. Erstens sei seine Forderung nicht glaubwürdig, denn gerade die SPD reagiere empfindlich auf abweichende Meinungen. Meinungsvielfalt bei den Medien einzufordern, würde demnach bedeuten, diese im eigenen Haus zu fördern. Zweitens gebe es längst diese Meinungsvielfalt und zwar in den Internetzeitungen und Blogs, die Steinmeier anscheinend nicht zur Kenntnis nehme.</p>
<p>Wie auch immer die Rede Steinmeiers eingeordnet wird, es bleibt sicherlich bemerkenswert, dass ausgerechnet ein deutscher Spitzenpolitiker, der derzeit in der Regierung sitzt, die deutschen Medienhäuser zu einer größeren Meinungsvielfalt auffordert. Inwieweit seine Rede und die anderen Appelle mittel- oder langfristig zu Veränderungen führen und bei den enttäuschten Medienkonsumenten wieder Vertrauen stiften, bleibt abzuwarten. Peer Steinbrücks „Stinkefinger“ wirkt jedenfalls heute anders als zu der Zeit, da das SZ-Magazin mit diesem Titel erschien. Wurde Steinbrück damals noch von vielen Zeitungen als „Pannen-Peer“ vorgeführt, leiden jetzt die Medien unter einem ähnlichen Gesichtsverlust. Steinmeier betonte in seiner Rede genau diese Parallele: Die Krise der Demokratie und die Krise des Journalismus hängen zusammen.</p>
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		<title>Gibt es eine Strategie? Geplante Entlassungen bei der „Brigitte“</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2014 08:39:01 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Verlag „Gruner + Jahr“ wurde gerade erst von „Bertelsmann“ vollständig übernommen. Nun berichteten Zeitungen über die ersten geplanten Kündigungen bei der „Brigitte“ und bei „GEO“. Besonders die Kündigungen bei der „Brigitte“ haben für Wirbel gesorgt, sollen doch alle Textredakteure entlassen werden. Woher sollen die Texte nun kommen? Die „Brigitte“ <a href=" http://blogumschau.de/2014/11/gibt-es-eine-strategie-geplante-entlassungen-bei-der-brigitte/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_609" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/11/Brigitte-Entlassung.jpg"><img class="wp-image-609 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/11/Brigitte-Entlassung.jpg" alt="Brigitte Entlassung" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Entlassungen &#8220;Brigitte&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam</p></div>
<p>Der Verlag „Gruner + Jahr“ wurde gerade erst von „Bertelsmann“ vollständig übernommen. Nun berichteten Zeitungen über die ersten geplanten Kündigungen bei der „Brigitte“ und bei „GEO“. Besonders die Kündigungen bei der „Brigitte“ haben für Wirbel gesorgt, sollen doch alle Textredakteure entlassen werden. Woher sollen die Texte nun kommen? Die „Brigitte“ will vermehrt auf Freelancer setzen, die für die Zeitschrift schreiben.</p>
<p><a href="http://www.sprengsatz.de/?p=4169%20 " target="_blank">Michael Spreng</a> sagt, damit beschleunigten die Verlage das Sterben ihrer Printmedien. Das sei „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Und sowohl für die Mitarbeiter der Verlage als auch für die Leserinnen und Leser sei das eine verhängnisvolle Entwicklung: Die freien Journalisten stehen schlechter da als vorher die festangestellten, und für die Leserschaft stelle sich irgendwann die Frage, wozu das Blatt denn noch gekauft werden solle, wenn der gute Journalismus nach und nach aufgegeben werde.</p>
<p>Die Begründungen für diese Neustrukturierung, die bei „Gruner + Jahr“ geplant wurde, seien zudem fadenscheinig, worauf Kai Biermann auf <a href="http://neusprech.org/netzwerkredaktion/" target="_blank">neusprech </a>hinweist. Das Wort „Netzwerkredaktion“ sei in der Begründung von „Gruner + Jahr“ gefallen, und das wecke unter anderem ganz erfreuliche Assoziationen, wie Vernetzung und das Internet. Außerdem wird von einem „kreativen und flexiblen Kompetenzteam“ gesprochen. Diese Worthülsen führten allerdings die Leserinnen und Leser in die Irre. Mit solchen Worten sollten nur, wie in den Jahren zuvor oftmals mit dem Begriff „Synergie“, Stellenstreichungen kaschiert werden.</p>
<p>Indem das Redaktionsteam durch Freelancer ersetzt werde, verlieren die Zeitschriften an Identität, bemängelt <a href="http://siegstyle.de/?p=167" target="_blank">Alf Frommer</a>. Die Marken, wie „Brigitte“ oder „Der Spiegel“, seien heute weniger stark als früher. Das resultiert auch aus dem Medienkonsum im Netz. Wo die Inhalte konsumiert werden, spiele kaum noch eine Rolle, viel eher gelinge es einzelnen Autorinnen oder Autoren zu einer „Marke“ zu werden. Die „Brigitte“ werde diesen Trend voraussichtlich verstärken. Wenn ständig neue Schreiber am Werk seien, hätten die Inhalte keine Identität, nichts, was sie besonders auszeichne. Schließlich gefährde das die Wiedererkennbarkeit des Magazins.</p>
<p>Einen sehr differenzierten Blick wirft <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2014/10/brigitte" target="_blank">Thomas Knüwer</a>, der sich immer wieder mit den Problemen der Print-Medien beschäftigt hat, auf die Umstrukturierungen innerhalb der Brigitte-Redaktion. Das Modell einer Redaktion, die ihre Texte ausschließlich von Freelancern bezieht, sei nicht in jedem Fall ein Problem. Solche Redaktionen könnten durchaus Erfolg haben, sagt Knüwer. Zudem seien viele der besten Journalisten eben Freelancer und nicht fest bei einer Redaktion angestellt. Und auch die Bezahlung muss nicht zwangsläufig schlechter sein. Das Modell, das nun im Haus von „Gruner + Jahr“ umgesetzt wird, bietet also tatsächlich auch Möglichkeiten, und es ist nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Allerdings glaubt Knüwer nicht daran, dass es bei der „Brigitte“ erfolgreich umgesetzt werden kann. Schon längst fehle es den großen Verlagen an der Fähigkeit, Qualität differenziert zu beurteilen, das Wort vom „Qualitätsjournalismus“ sei nichts weiter als eine Floskel.</p>
<p>Das ist dann doch eine vernichtende Einschätzung, und damit liegt die Verantwortung für die Misere ganz bei den Redaktionsleitern, und es ist kein Automatismus am Werk, bei dem Printangebote durch kostenlose Online-Angebote ausgetauscht werden müssten.</p>
<p><a href="http://see-the-story.blogspot.de/2014/10/social-affiliation-gesellschaftliche.html" target="_blank">Sabine Felber</a> schaut bei den Plänen von „Gruner + Jahr“ vor allem auf die Mitarbeiter, die nun voraussichtlich entlassen werden. Einerseits bedauert Felber die Redakteure, aber sie sieht auch eine Chance, die mehr Freiheit verspreche. Mehr Freiheit? Wäre das nicht eine total neoliberale Sicht auf die Dinge? Felber sieht vor allem das Problem, dass die Freelancer eben keine Interessenvertretung haben, keine Gewerkschaft, die für sie eintritt. Sie hofft auf die nächste Generation von Redakteuren, die Freiheit und zugleich Teilhabe einfordern solle. Diese Interessen müssten gemeinsam geäußert werden.</p>
<p>Viele Medienhäuser und Verlage müssen zurzeit umdenken, da die Umsätze an vielen Stellen einbrechen. Und Zeitschriften, wie die „Brigitte“, müssen nun beweisen, dass sie doch einen so großen Wert darstellen und dass sie aus dem riesigen Medienangebot im Internet herausstechen, so dass die Leserinnen und Leser gerne dafür bezahlen.</p>
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		<title>Was läuft da falsch? Zur Berichterstattung über die Ukraine-Krise</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Sep 2014 07:36:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Den Verdacht hatten viele Medienbeobachter, aber auch zahlreiche Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer längst geäußert: Die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in vielen großen Zeitungen zur Ukraine-Krise ist verzerrt. Blogs leben unter anderem von den Defiziten solcher Berichterstattung. In vielen Blogs wird immer wieder auf einseitige Berichterstattungen aufmerksam gemacht. So wirkte es <a href=" http://blogumschau.de/2014/09/was-laeuft-da-falsch-zur-berichterstattung-ueber-die-ukraine-krise/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_547" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/09/Schwarz-Weiß-Malerei-ARD.jpg"><img class="size-full wp-image-547" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/09/Schwarz-Weiß-Malerei-ARD.jpg" alt="&quot;Schwarz-Weiß-Malerei der ARD&quot; von Pirapakar Kathirgamalingam." width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Schwarz-Weiß-Malerei der ARD&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Den Verdacht hatten viele Medienbeobachter, aber auch zahlreiche Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer längst geäußert: Die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in vielen großen Zeitungen zur Ukraine-Krise ist verzerrt. Blogs leben unter anderem von den Defiziten solcher Berichterstattung. In vielen Blogs wird immer wieder auf einseitige Berichterstattungen aufmerksam gemacht. So wirkte es wie eine Bestätigung der eigenen kritischen Arbeit, als der ARD-Programmbeirat nun die Berichte zur Ukraine-Krise im eigenen Haus scharf rügte.</p>
<p>Die Kritik des Programmbeirats war nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Auf <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html" target="_blank">Telepolis </a>wurde dann jedoch das Resümee des Protokolls, das die kritischen Positionen des Programmbeirats zusammenfasst, zugänglich gemacht. Kritikpunkte sind dort unter anderem die Undifferenziertheit und eine erkennbare Tendenz, die Ziele der NATO und EU nicht zu hinterfragen. Auf Telepolis ist mittlerweile die Replik von Thomas Baumann, Chefredakteur der ARD, zu lesen. Er weist eine tendenziöse und einseitige Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt energisch zurück.</p>
<p><a href="https://scholien.wordpress.com/2014/09/19/2014034/" target="_blank">Markus Klein</a> schreibt dagegen, von „Berichterstattung“ könne im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise gar nicht mehr gesprochen werden. Es sei längst auf beiden Seiten ausschließlich Meinungsmache zu vernehmen. Er zitiert Willy Wimmer, der in der Regierung Kohl Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung war, der sagte, die westlichen Medien seien von der NATO unterwandert.</p>
<p>Wie ist das zu verstehen? Ist das nicht bloß aufmerksamkeitsheischende Verschwörungstheorie? Klein führt die problematische Berichterstattung darauf zurück, dass der Ukraine-Konflikt eigentlich ein Stellvertreterkrieg sei. Es gehe – zugespitzt – um Interessen der NATO und um Interessen Russlands – und der Krieg um diese Interessen finde in der Ukraine statt. Zahlreiche wichtige Medien hätten sich für diese Interessen in Dienst nehmen lassen. Klein leitet daraus ab, dass der Mediennutzer aktiv werden muss, wenn er ein umfassendes Bild erhalten will. Er muss vom Medienkonsumenten zu einem Informationssuchenden werden.</p>
<p>Der Mann der Stunde ist nun Mathias Bröckers, dessen Buch „Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“, das er gemeinsam mit Paul Schreyer verfasst hat, gerade die Bestsellerlisten erobert. Bröckers weist selbst auf <a href="http://www.broeckers.com/2014/09/20/mediendammerung/" target="_blank">seinem Blog</a> auf die Ähnlichkeit seiner eigenen Kritik zu der Kritik des ARD-Programmbeirats hin. Er sagt, wenn sowohl er und Paul Schreyer als auch der Programmbeirat unabhängig voneinander zu den gleichen Schlüssen kämen, zeige das an, dass seine Beobachtungen wohl richtig wären: Die großen Medien berichten tendenziös über die Ukraine-Krise. Und er wiederholt seine Kritik vor allem an den öffentlich-rechtlichen Sendern. Denn im Unterschied zu privaten Medien, wie zum Beispiel den Zeitungen der Axel-Springer-Gruppe, sind die öffentlich-rechtlichen Sender zu einer unparteiischen Berichterstattung verpflichtet. Genau dies ist ja ihre Aufgabe und auch deshalb sollen die Gebühren berechtigt sein. Bei privaten Zeitungen könne das teilweise anders aussehen, so sei in den Arbeitsverträgen des Axel-Springer-Konzerns eine Verpflichtung auf die NATO festgeschrieben. Eine entsprechende Berichterstattung ist also zu erwarten.</p>
<p>Auch Hans-Dietrich Genscher hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet, und die Sanktionen der EU kritisiert, die eine Eskalation herbeiführen könnten, wie auf dem Blog <a href="http://politikparadox.blogspot.de/2014/09/genscher-warnt-vor-russland-sanktionen.html" target="_blank">Politikparadox </a>zu lesen ist. Er kritisierte vor allem die Aufrüstung der Worte. Das betrifft dann die Medien, die in vielen Fällen eben keine Zwischentöne zugelassen, sondern sich allzu einseitig verhalten haben. Diese Einseitigkeit stellen zahlreiche Blogs immer wieder heraus.</p>
<p>Schon vor Monaten hat Georg Restle, der MONITOR-Redaktionsleiter, in <a href="http://www1.wdr.de/daserste/monitor/interaktiv/blog-gleichgeschaltete-medien100.html" target="_blank">seinem Blog </a>festgehalten: Nichts gebe im Netz mehr Applaus als die Behauptung, die Medien seien gleichgeschaltet. Die Gleichschaltung der Medien sei allerdings ein viel zu allgemeines Vorurteil. Differenzierung sei stattdessen geboten. Das gelte für die großen Medienhäuser und ihre Berichte, aber eben auch für die Kritiker der Medien, die es sich ebenfalls zu einfach machten und jede Differenzierung vermissen lassen.</p>
<p>Aber auch Restle schrieb schon im Mai, dass es Meinungsführer gebe, die „auf dem Ticket der Bertelsmänner, transatlantischer Vereinigungen oder der politischen Stiftungen unterwegs sind“. Diese Kritik wird nun von vielen Seiten bestätigt.</p>
<p>Die Lage in der Ukraine ist überaus komplex, worauf Jochen Walter hier in der Blogumschau ja stets hingewiesen hat. Blogger können vor Ort in der Regel gar nicht recherchieren. Aber sie können andere Quellen heranziehen, um ihre Ansichten zu prüfen. Sicher ist, dass die Bloggerinnen und Blogger die Berichterstattung, ganz besonders der ARD, genau beobachten werden.</p>
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		<title>Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg: Medienkritische Anmerkungen</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Sep 2014 11:37:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Thüringen und Brandenburg wurde gewählt. Die Wahlgewinner stehen nun vor den Aufgaben der Regierungsbildung, währenddessen die Wahlergebnisse analysiert werden. Auffällig ist die – wieder einmal – sehr niedrige Wahlbeteiligung. Bereits vor zwei Wochen in Sachsen fiel die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent. Nicht einmal die Hälfte der wahlberechtigten Bürgerinnen und <a href=" http://blogumschau.de/2014/09/landtagswahlen-in-thueringen-und-brandenburg-medienkritische-anmerkungen/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In Thüringen und Brandenburg wurde gewählt. Die Wahlgewinner stehen nun vor den Aufgaben der Regierungsbildung, währenddessen die Wahlergebnisse analysiert werden. Auffällig ist die – wieder einmal – sehr niedrige Wahlbeteiligung. Bereits vor zwei Wochen in Sachsen fiel die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent. Nicht einmal die Hälfte der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger gingen zur Wahl. Dieser Trend bestätigt sich nun in Thüringen und Brandenburg.</p>
<p>Die Gründe einer Wahl fern zu bleiben, können vielfältig sein. Die sehr große Gruppe der Nichtwähler lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. <a href="http://www.kanzleikompa.de/2014/09/14/medienimpact-scheint-im-wahlkampf-relativ-zu-sein/" target="_blank">Markus Kompa</a> stellt fest, dass jedenfalls die Appelle, bitte wählen zu gehen, nicht (mehr) zum Ziel führen. Kompa fragt deshalb, ob vielleicht die klassischen Nachrichtenmedien, wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen, an Einfluss verloren hätten. Die Aufrufe zur Wahl zu gehen, verfingen nicht – sie hatten bei den letzten Wahlen kaum „Impact“, wie Kompa schreibt. Und auch diejenigen, die wählten, wählten eben zu großen Teilen Parteien, die von den Medien eher vernachlässigt werden. Die AfD und die Linke werden von den Medien anders behandelt als die CDU, SPD und die Grünen, Parteien, die längst als etabliert gelten.</p>
<p>Das ist selbstverständlich lange schon ein Thema der Blogger und Autoren, die vor allem im Netz zu Hause sind: Die klassischen Medien bilden die Meinungsvielfalt nicht mehr angemessen ab, man müsse schon lange die Blogs, Blog-Kommentare, Foren und Tweets hinzunehmen, um ein Meinungsbild der Gesellschaft zu erhalten. <a href="http://christophkappes.de/no-comment-wer-leistet-die-verdichtung/" target="_blank">Christoph Kappes</a> denkt in seinem Blog über die Meinungsäußerungen im Internet nach. Es sei zwar durch das Internet sehr viel einfacher geworden, seine Meinung kundzutun. Es existieren unzählige Möglichkeiten, einen Kommentar zu hinterlassen. Doch es sei schwieriger geworden, darüber zu einem Meinungsbild zu gelangen. Die unzähligen Kommentare müssten erst einmal „verdichtet“ werden. Kappes rät dazu, die Debatten im Internet ernst zu nehmen. Das beginnt bei der Moderation von Kommentaren und geht bis zu neuen Debattenformaten, die eben nicht einfach endlose Kommentare produzieren, sondern eine Verdichtung ermöglichen, also der Debatte eine Struktur verleihen. Das sollten die Medienhäuser sich zur Aufgabe setzen.</p>
<p>Längst nutzen zahlreiche klassische Medien die neuen Kommunikationsmedien. Doch das führt eben nicht zwangsläufig zu einem offenen Journalismus, der „näher dran“ wäre an den Menschen, die sonst von den Medien nicht erreicht werden. In dem Blog <a href="http://mediarina.wordpress.com/2014/09/04/meinungsmache-zur-landtagswahl-durch-zeitungsgruppe-thuringen/" target="_blank">Mediarina</a> wurde bereits vor der Wahl auf parteiische Tendenzen der „Zeitungsgruppe Thüringen“ aufmerksam gemacht. Es sind dort Tweets zu lesen, die jeweils die CDU in ein günstiges Licht setzen. Tweets sind äußert knapp, sie reduzieren eine Nachricht auf eine Schlagzeile – und jeweils die CDU und die thüringische Spitzenkandidatin, Christine Lieberknecht, scheinen von der Berichterstattung zu profitieren.</p>
<p>Der thüringischen Spitzenkandidatin wurde eine Bühne bereitet, wogegen Bodo Ramelow, der Spitzenkandidat der Linken, durch das Buch eines Redakteurs der „Thüringer Allgemeinen“ besonders kritisch beäugt wurde. Mit solchen Parteinahmen, die noch über die sozialen Netzwerke verbreitet werden, handeln sich die klassischen Medien wiederum den Vorwurf ein, eben die Personen, die vorrangig Nachrichten im Netz konsumieren, nicht zu erreichen. Der Journalismus müsse gerade den etablierten und mächtigen Politikerinnen und Politikern gegenüber kritischer sein.</p>
<p>Doch das ist mitunter gar nicht so leicht, wie <a href="http://udostiehl.wordpress.com/2014/09/14/wie-christine-lieberknecht-ihre-ignoranz-gegenuber-der-presse-demonstriert/" target="_blank">Udo Stiehl</a> nachzuvollziehen versucht. Er hat das Interview, das Caren Miosga für die „Tagesthemen“ mit Christine Lieberknecht führte, niedergeschrieben. Er weist darauf hin, wie wenig sich Lieberknecht um die kritischen Fragen Miosgas kümmerte. Sie nutzte das Interview vor allem, um zu versichern, dass die CDU die Wahl gewonnen habe. Stiehl sagt, das Interview zeige die „Arroganz der Macht“. So als bräuchten den Mächtigen die Fragen der Journalisten nicht zu interessieren.</p>
<p>Die Bürgerinnen und Bürger bleiben immer häufiger den Wahlurnen fern, die Abonnenten-Zahlen mancher Zeitungen brechen ein: Nach den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg haben diese beiden Entwicklungen anscheinend mehr miteinander zu tun, als man vorher vielleicht dachte.</p>
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