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	<title>Blogumschau &#187; Weltkulturerbe &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>Die Zerstörung der archäologischen Stätten im Irak</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2015 07:56:02 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
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		<description><![CDATA[Immer wieder verbreitet der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Videos seiner grausamen Taten, die zur Propaganda eingesetzt werden. Nun zeigen Videos die Zerstörung irakischer Kulturschätze. Bislang hatte der IS die antiken Kunstobjekte zumeist verkauft, um mit den Erlösen seinen Kampf zu finanzieren. Nun werden mehr und mehr Zerstörungen publik: die Ruinen <a href=" http://blogumschau.de/2015/03/die-zerstoerung-der-archaeologischen-staetten-im-irak/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder verbreitet der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Videos seiner grausamen Taten, die zur Propaganda eingesetzt werden. Nun zeigen Videos die Zerstörung irakischer Kulturschätze. Bislang hatte der IS die antiken Kunstobjekte zumeist verkauft, um mit den Erlösen seinen Kampf zu finanzieren. Nun werden mehr und mehr Zerstörungen publik: die Ruinen der Stadt Nimrud, die antike Stadt Hatra, die zum Weltkulturerbe gehört, und möglicherweise auch die Festung von Chorsabad. Diese archäologischen Stätten liegen allesamt im heutigen Nordirak, der im Einflussbereich des IS liegt.</p>
<p>Auf dem Blog <a href="https://gatesofnineveh.wordpress.com/2015/03/03/assessing-the-damage-at-the-mosul-museum-part-2-the-sculptures-from-hatra/" target="_blank">Gates of Niniveh</a> bemüht sich Christopher Jones darum, die Schäden an den Skulpturen aus Hatra abzuschätzen, die im Museum in Mossul lagern. Jones analysiert zu diesem Zweck einzelne Bilder der Propaganda-Videos und vergleicht diese mit Aufnahmen der Kunstobjekte, die katalogisiert sind. Problematisch bei den Analysen ist, dass die Skulpturen aus Hatra sehr schlecht erforscht sind. Das gilt selbst für herausragende Objekte, die nun für die Nachwelt wohl verloren sind.</p>
<p>Einen ausführlichen Überblick zu den jüngsten Zerstörungen bietet Rainer Schreg auf seinem Blog <a href="http://archaeologik.blogspot.de/2015/03/krieg-gegen-die-vergangenheit-der-is.html" target="_blank">Archaeologik</a>. Schreg hat zahlreiche Quellen gesammelt, die über das Geschehen im Nordirak berichten. Die gesamte Nachrichtenlage ist jedoch äußerst problematisch, da die meisten Berichte nicht verifiziert werden können. Es ist im Einzelfall auch nicht zu klären, wer welche Interessen verfolgt, indem bestimmte Nachrichten verbreitet werden. Möglicherweise würden die Berichte über die Zerstörungen auch gezielt übertrieben, um eine breite Unterstützung für ein militärisches Eingreifen gegen den IS zu gewinnen. Und der IS selbst verfolgt sicherlich das Interesse, den Westen gezielt zu provozieren. Es ist jedenfalls, so mutmaßt Schreg, mehr als Ikonoklasmus, das heißt eine Bildzerstörung aus religiösen Motiven, der hier am Werk ist. Das zeigen beispielsweise die Zerstörungen der Herrscher-Statuen der Könige von Hatra. Die antike Stadt Hatra widersetzte sich Rom, also der westlichen Welt, und die Herrscher von Hatra führten später sogar den Titel „König der Araber“, erläutert Jones. Wenn nun Hatra zerstört wird, muss das deshalb vor allem als Provokation aufgefasst werden.</p>
<p>Die Provokationen erreichen jedenfalls ihr Ziel. Zahlreiche Stellungnahmen wurden publiziert, sobald die Zerstörungen bekannt wurden. Und selbstverständlich wurde das Vorgehen des IS von vielen Seiten verurteilt. Die Archäologin Margarete van Ess beispielsweise wurde unter anderem im heute journal des ZDF zitiert. Sie sagte, die Zerstörung der Stadt Nimrud sei für die Archäologen ein großer Verlust. Das gehe allerdings vollkommen an der Bedeutung der Sache vorbei, wie auf dem Blog <a href="https://sprachederdingeblog.wordpress.com/2015/03/08/nimrud-zerstort-ein-verlust-fur-die-archaologen/" target="_blank">Sprachen der Dinge</a> zu lesen ist. Dass es für die Archäologie ein großer Verlust sei, das sei vollkommen klar. Die Tragweite der Verluste sei damit aber kaum erfasst. Es werde im Irak ein Stück der Menschheitsgeschichte zerstört, und wie immer man die Geschichte interpretiere, sei es vor allem wichtig, die Stätten zu erhalten, um Geschichtsschreibung überhaupt zu ermöglichen.</p>
<p><a href="https://publicplacespastpresent.wordpress.com/2015/03/06/destruction-of-cultural-heritage-as-political-protest/" target="_blank">Alexis McBride</a> kommentiert die Zerstörungen durch den IS dagegen ambivalent. Sie bedauere einerseits – als Archäologin – jede Zerstörung von archäologischen Artefakten. Andererseits sieht sie, wie effektiv die Zerstörung als Propaganda funktioniere. Die Empörung spiele damit dem IS wiederum in die Karten, der Entsetzen verbreiten wollte. Darüber hinaus vergleicht sie die Vernichtungen der Kulturgüter im Irak mit den Zerstörungen andernorts, denn, so McBride, es wurden schon immer bedeutende Stätten oder Monumente vernichtet, weil dies eben ein starkes Symbol sei. Sie erinnert auch an die Statue von Saddam Hussein, die 2003 gestürzt wurde. Die Aufregung, so McBride, sei nun eben so groß, weil der IS im Irak am Werk sei, nicht, weil plötzlich so vielen Menschen die vergangenen Kulturen am Herzen lägen.</p>
<p>Wie lassen sich solche Zerstörungen vermeiden oder aufhalten? Aufgrund der Ereignisse im Irak hatten manche Journalisten angeregt, es sei doch besser, wenn solche bedeutenden Kunstschätze im Westen deponiert würden und nicht dort, wo Terroristen so leichtes Spiel hätten, die Werke zu zerstören. <a href="http://saubereschweine.blogspot.de/2015/03/export-ins-abendland-ist-keine-losung.html" target="_blank">Peter Brunner</a> lehnt dies rigoros ab. Der Export der Kunstschätze sei keine Lösung. Und auch Brunner vergleicht die Zerstörungen im Irak – mit den Zerstörungen der letzten 70 Jahre in Deutschland. Es ist nicht lange her, da gingen in Deutschland zahlreiche bedeutende Kunstschätze und Bauwerke unwiederbringlich verloren. Im Westen ging man nicht besser mit bedeutenden Bau- und Kunstwerken um.</p>
<p>Vor allem trifft der Verlust der antiken Schätze wohl die Iraker selbst. So argumentiert auch McBride, die schreibt, die Iraker verlören ihre Identität und ihre Geschichte.</p>
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		<title>Das Sieben-zu-Eins: Einblicke aus Brasilien und Ausblick auf die letzten Spiele</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2014 08:43:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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		<description><![CDATA[„Für die Ewigkeit“ oder zumindest „für die Geschichtsbücher“ war dieser Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Die Seleção, ohne Neymar und ohne ihren Kapitän Thiago Silva: bitter geschlagen. Nun stehen die beiden letzten Spiele an, das Spiel um Platz drei, worauf die Stars, wie zu vernehmen ist, kaum Lust verspüren. Und das <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/das-sieben-zu-eins-einblicke-aus-brasilien-und-ausblick-auf-die-letzten-spiele/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Für die Ewigkeit“ oder zumindest „für die Geschichtsbücher“ war dieser Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Die Seleção, ohne Neymar und ohne ihren Kapitän Thiago Silva: bitter geschlagen. Nun stehen die beiden letzten Spiele an, das Spiel um Platz drei, worauf die Stars, wie zu vernehmen ist, kaum Lust verspüren. Und das Finale, in dem Deutschland wieder einmal auf Argentinien trifft.</p>
<p>Zunächst noch einmal der Rückblick: <a href="http://www.trainer-baade.de/surrealissimo/" target="_blank">Trainer Baade</a> hat zahlreiche Rekorde, die das Spiel Deutschland gegen Brasilien sprengte, zusammengetragen. Er nennt das Spiel eine Singularität; etwas, das eben einmalig ist, weil es gegen jede Wahrscheinlichkeit spricht. Wie Trainer Baade anführt, konnten deutsche Nationalmannschaften bislang bei Weltmeisterschaften nicht einmal ein einziges Tor gegen Brasilien erzielen. Das Sieben-zu-Eins war vollkommen unwahrscheinlich.</p>
<p>In Brasilien waren viele Menschen nach dem Spiel geradezu geschockt. <a href="http://brafus2014.com/tag-30-und-dann-weint-david-luiz-2/" target="_blank">Auf Brafus2014</a> sind Bilder von einem Fanfest in Tijuca zu sehen. Die Fotos zeigen erst noch erwartungsvolle Gesichter, dann ein Staunen. Ein Fan hat sich die Sonnenbrille auf die Stirn gerückt und den Mund leicht geöffnet. Doch überall sind auch ungläubig lachende Brasilianer, und schließlich ist da ein tanzendes Pärchen. Entsetzen ist zu sehen, aber wenig Wut.</p>
<p>Vor allem in Sao Paulo herrschte nach dem Debakel der brasilianischen Mannschaft zeitweilig Chaos. Busse brannten und gewaltbereite Brasilianer raubten Läden aus. Von Ausschreitungen berichtet auch <a href="http://imlanddesfussballs.blogspot.de/2014/07/wm-27-tag-mineiraco.html" target="_blank">Martin Curi</a>, der das Halbfinale vor Ort auf seinem Blog in Bildern festgehalten hat. Gewalt war sichtbar, doch sie entlud sich, soweit Curi gesehen hat, nicht gegen die deutschen Fans.</p>
<p>Auf einem <a href="http://www.ksta.de/blogobonito/-wm--blogobonito----folge-32-mehr--geht--nicht,27398618,27771976.html" target="_blank">Blog des Kölner Stadtanzeigers</a> blickt Michael Krämer nun nach vorne: Auf den wichtigsten Arbeitstag seines Lebens, im berühmten Maracana-Stadion. Nun, so hält er fest, hoffe Brasilien nur noch, dass nicht die argentinische Mannschaft den Sieg im Finale davonträgt. Da Brasilien das wichtigste Ziel, den Weltmeistertitel, nicht mehr erreichen könne, hoffe man nun, dass das zweitwichtigste Ziel erreicht werden kann: Argentinien darf keinesfalls Weltmeister werden.</p>
<p>Das ist die sportliche Sicht. Auf <a href="http://brafus2014.com/tag-29-das-hohle-versprechen/" target="_blank">Brafus2014</a> finden sich Geschichten, die einen Blick auf andere Orte, auf Nebenschauplätze, werfen. Luiz Eduardo do E. Santo, ein Touristenführer in Ouro Preto, eine Stadt, deren alter Kern von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, spricht über die Erwartungen, die mit der Weltmeisterschaft in seinem Land verbunden waren. Luiz hoffte darauf, dass die Versprechen der brasilianischen Regierung zutreffen würden. Die WM sollte Besucher aus aller Welt bringen – und zwar nicht nur solche, die vor allem die Spiele sehen wollen, sondern Touristen, die sich für das Land, für die brasilianische Geschichte interessieren. Das Gegenteil, so weiß er nun, ist der Fall: Der Kulturtourismus, auf den er angewiesen ist, litt. Die Geschäfte brachen durch die Weltmeisterschaft ein. Die Weltmeisterschaft hat vielen Brasilianern gar nichts gebracht – mit der Niederlage ihrer Nationalmannschaft tritt das nun wieder in den Vodergrund.</p>
<p>Die ganze Welt blickt in diesen Tagen nach Brasilien, aber, so scheint es, sie sieht oft gar nicht richtig hin.</p>
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		<title>Wie bauen? Stationen in Berlin, Venedig und Höxter</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jul 2014 07:11:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/wie-bauen-stationen-in-berlin-venedig-und-hoexter/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_402" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg"><img class="wp-image-402 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg" alt="Berliner Stadtschloss" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Berliner Stadtschloss&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam</p></div>
<p>Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, standen von Anfang an in der Kritik – und sie werden noch immer scharf kritisiert. In Berlin wird das Schloss in weiten Teilen rekonstruiert, doch es sind vor allem Fassaden, die dort an den Originalbau erinnern sollen. Das neue „Schloss“, das in Berlin entsteht, spiegelt den prunkvollen Barock vor: Es ist aber weder eine richtige Rekonstruktion, die den alten Entwurf bis in die Details ernst nähme, noch ist es ein mutiger Neu-Entwurf.</p>
<p><a href="http://exportabel.wordpress.com/2014/06/27/architektur-und-dogma-2-begutigende-tradition/" target="_blank">Genova </a>nennt das Stadtschloss kurzum eine Katastrophe. Er wirft einen wütenden Blick auf gerade entstehende Gebäude in Deutschland. Es entstehen zum Beispiel in Neubauvierteln Häuser, die eine Bautradition nur vortäuschen. In der Massenfabrikation werden Elemente, wie Sprossenfenster, hergestellt, die nur noch einen billigen Ersatz für eine verlorengegangene Tradition bieten. Der Bezug zum Material spielt keine Rolle mehr und ebenso wenig bauliche Notwendigkeiten. Es sind allein scheinbare Rückgriffe auf etwas, das aussieht wie „damals“.</p>
<p>Dabei sieht Genova im Osten Deutschlands das Problem noch verstärkt, da in der DDR mutwillig Traditionen, gerade Bautraditionen, abgeschnitten wurden. <a href="http://immaterialist.blogspot.de/2014/06/ganz-kleiner-versuch-uber-eine.html" target="_blank">Diego Castro</a> versucht, parallel dazu, die westdeutsche Ästhetik zu bestimmen. Er kommt dabei teilweise zu ganz ähnlichen Schlüssen. Auch er greift die aktuellen Rekonstruktionen an, bei denen möglichst schnell und billig, historische Gebäude wiedererstehen sollen. Von schlampigen und banalen Surrogaten schreibt Diego Castro. Es werde eine idealisierte Vergangenheit nachgebaut, die es nie gab, und die zudem – ironischerweise – schlecht ausgeführt ist. Im Osten Deutschlands seien nach 1989 zwar zahlreiche historische Innenstädte gerettet worden, doch das Erbe der ostdeutschen Baukultur wurde nach und nach ausgelöscht und durch westdeutsche Industriestandards ersetzt. Hier zeige sich das Problem mit ganzer Schärfe.</p>
<p>Geht es auch anders? Am 28. Juni fand in Deutschland der Tag der Architektur statt. Der <a href="http://www.architektourist.de/2014/06/28/tag-der-architektur-2014-thueringen/" target="_blank">Architektourist </a>zeigt verschiedene Bauten und Bauprojekte, die ganz anders mit der Tradition umgehen. So ist eine Haus-in-Haus-Lösung zu sehen: Ein Gemeindehaus wurde dabei in das Seitenschiff einer Kirche hineingebaut. Auf diese Weise entstanden neue Nutzungsmöglichkeiten, ohne den historischen Kirchenbau von außen zu beeinträchtigen. Und es ist auch ästhetisch keine banale Lösung oder gar ein Täuschungsversuch: Das Haus im Haus ist ein roter, gar nicht historisierender Baukörper.</p>
<p>Auch die Architektur-Biennale in Venedig widmet sich der Frage nach der Tradition und der Moderne. Rem Kohlhaas hat gezielt die Frage nach der Vergangenheit, die Frage nach der Bautradition in den Mittelpunkt gestellt. Auf <a href="http://venedig-ebb.blogspot.de/2014/06/die-biennale-2014-ist-leer.html" target="_blank">Unterwegs in Venedig</a> findet sich ein kleiner Bericht. Kohlhaas versuche unter dem Stichwort „Elements“ die einzelnen Elemente des Bauens in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu zeigen, wie zum Beispiel Türklinken. Doch es bleibe leider bei zusammengewürfelten Einzelteilen. Eine Idee des Ganzen erschließe sich nicht in der Zusammenschau der sehr vielen Elemente. Welches Konzept vermittelt sich, wenn man 300 Türklinken gesehen habe? Wie sind die unterschiedlichen Teile zu bewerten? In Erinnerung blieben allein Details, keine übergeordnete Idee.</p>
<p>Auch <a href="http://www.baumeister.de/biennale-v-utopien/" target="_blank">Sabine Schneider</a> ist kritisch mit diesen „Fundamenten“, die Kohlhaas identifizieren wolle: Es fehle der Bezug zu der jeweiligen Kultur. Indem die Elemente abstrahiert dargestellt werden, scheint gerade der wichtigste Aspekt verloren zu gehen. Wer hat die Türklinken benutzt? Wo ist der kulturelle Zusammenhang? Doch das hier wiedergegebene Problem ist auf der Biennale deutlich zu sehen: Wie gehen die Länder mit ihrem kulturellen Erbe um? Vierzig italienische Architekten, die Kohlhaas ausgewählt hat, beschäftigen sich mit dieser Frage. Gerade Italien ist reich an historischen Gebäuden, besitzt eine ungeheure Menge an Kunstschätzen. Der Blick der Architekten ist dabei ernüchternd. Verfallende moderne Betonbauten werden <a href="http://www.baumeister.de/biennalevi-spiegel/" target="_blank">dort gezeigt</a> oder ein Architekt gesteht seine Irrtümer ein, wenn er die Ruine einer Wohnsiedlung zeigt. Sie wurde gebaut, als auf Sardinien ein G8-Gipfel geplant wurde. Doch der fand dann dort gar nicht statt, und so zerfallen nun die Gebäude – ohne dass darüber diskutiert oder die Fehler öffentlich besprochen worden seien.</p>
<p>Ortswechsel: Im ostwestfälischen Höxter freut sich die Museumsleiterin des Kulturkreises Höxter-Corvey, dass das Westwerk und die ehemalige Klosterstadt Corvey nun zum Weltkulturerbe zählen. Die <a href="http://www.die-ostwestfalen.de/staedte/hoexter/reichsabtei-corvey-ist-unesco-weltkulturerbe/" target="_blank">Ostwestfalen</a> erinnern an die Geschichte des Klosters, das von Karl dem Großen gegründet wurde. Vor allem das Westwerk der Klosterkirche, das heißt, der bauliche Abschluss der Kirche nach Westen, gilt als herausragend, da sich aus der karolingischen Zeit kaum vergleichbares erhalten habe. Dieser gewaltige einmalige Bau sei unbedingt zu bewahren.</p>
<p>Corvey wird sicherlich touristisch bedeutsamer werden als es bislang war. Die Menge der Besucher solcher historischer Gebäude weist darauf hin, dass die Bautradition sehr wohl wahrgenommen und geschätzt wird – allerdings, so der Befund der Kritiker, scheinen viele Bauherren daraus die falschen Schlüsse zu ziehen, wenn eine ideale Vergangenheit nur so billig wie möglich zitiert werden soll.</p>
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