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	<title>Blogumschau &#187; WM &#124; Blogumschau</title>
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	<description>Die unabhängige Blogzeitung</description>
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		<title>2014 – Eine Jahresblogumschau</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Dec 2014 07:30:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig? Zunächst zur Politik: Auf der <a href=" http://blogumschau.de/2014/12/2014-eine-jahresblogumschau-2/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2014 liegt fast hinter uns. Rückblicke dominieren die Berichterstattung in diesen Tagen – auch in den Blogs. Es ist die rechte Zeit ein wenig Rück- und Umschau zu halten. Was war in diesem Jahr in der Politik, im Feuilleton und jenseits davon wichtig?</p>
<p>Zunächst zur Politik:<br />
Auf der internationalen Ebene hielt uns die Ukraine-Krise in Atem: Die Demonstrationen auf dem Kiewer Maidan-Platz, der Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch, der völkerrechtlich höchst umstrittene Anschluss der Krim an das russische Territorium, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Ostukraine, der immer noch nicht aufgeklärte Abschuss der Passagiermaschine MH17, ein umstrittener russischer Hilfskonvoi mit Lieferungen für die ostukrainische Bevölkerung, der immer weiter eskalierende Streit zwischen Russland und dem Westen, den manche schon als Heraufkunft eines neuen Kalten Kriegs deuten.<br />
Und die Entwicklungen im Nordirak und in Syrien: Die dschihadistische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), die die Menschen durch ihr brutales Vorgehen und Vorrücken in Angst und Schrecken versetzt, die Einkesselung von tausenden Jesiden in den Sindschar-Bergen, welche die USA endgültig zu einer erneuten militärischen Intervention bewog, der Kampf um die belagerte nordirakische Stadt Kobane, der immer noch anhält.<br />
Dazu kamen Europawahlen mit teilweise niederschmetternd niedrigen Wahlbeteiligungen und einem lang anhaltenden Geschacher um den Posten des Kommissionspräsidenten, den dann doch noch Jean-Claude Juncker erhielt. Die transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP erregen die Gemüter. Schottland entschied sich nur knapp gegen die Abspaltung von Großbritannien. In den USA treibt der noch lange nicht überwundene Rassismus die Menschen auf die Straßen – nicht nur in Ferguson. Der jüngst veröffentlichte Bericht zu den Foltermethoden der CIA nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 sorgt für Empörung und Entsetzen. Hinsichtlich der NSA-Abhöraffäre sind immer noch mehr Fragen offen als beantwortet. Edward Snowden sitzt immer noch im russischen Exil fest. Der Ausbruch einer Ebola-Epidemie beunruhigte nicht nur die Menschen in afrikanischen Ländern. Der Nahost-Konflikt kommt nicht zur Ruhe, Israel bombardierte den Gaza-Streifen, nachdem aus diesem Raketen auf das israelische Territorium gefeuert wurden.<br />
Und in Deutschland? Man streitet über die Autobahnmaut, DIE LINKE stellt in Thüringen mit Bodo Ramelow zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten, die FDP fliegt reihenweise aus den Landesparlamenten, in die nun die konservativ-populistische AfD einzieht. Die GDL legte über mehrere Tage hinweg den Bahnverkehr lahm und sorgte damit für viel Unmut und warf die Frage auf, wie weit das Streikrecht gehen darf. Der Berliner Flughafen ist immer noch eine Baustelle, Klaus Wowereit wird ihn nicht mehr als Berliner Bürgermeister benutzen können, er hat vor wenigen Tagen sein Amt an Michael Müller abgetreten.<br />
Der NSU-Prozess offenbart immer neue Details, auch über das Versagen der deutschen Behörden. Und es wurde viel demonstriert: Gegen Israels Politik, gegen einen linken Ministerpräsidenten, „Hooligans gegen Salafisten“, „patriotische Europäer“ gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, für den Frieden – mit teils bedenklichen Untertönen und Konnotationen. Auch in Deutschland sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit noch lange nicht überwunden.</p>
<p>Lässt sich da ein roter Faden finden? Christian P. Krohne versucht es auf <a href="http://www.spreepublik.de/2014/12/19/die-suche-nach-dem-roten-faden-ein-politischer-jahresrueckblick/" target="_blank">Spreepublik</a> und findet ihn überraschenderweise in der SPD. Ob nun das Verfahren gegen Sebastian Edathy, dem der Besitz von kinderpornographischem Material vorgeworfen wird, die gute Freundschaft des SPD-Altkanzlers Gerhard Schröder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Wowereit, der als Berliner Bürgermeister für einiges Durcheinander gesorgt hat, oder die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen, immer sei dieses Jahr irgendwie die SPD beteiligt gewesen.</p>
<p>Roberto J. De Lapuente stellt auf <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/12/weihnachtsgrue-aus-der-boombranche.html" target="_blank">ad sinistram</a> etwas anderes in den Mittelpunkt seines Weihnachtsgrußes, der zugleich ein kurzer Rückblick aufs Jahr ist: Er beobachtet, wie sich in diesem Jahr in verschiedenen Hinsichten – Salafisten, PEGIDA, (Finanz-) Kapitalismus, Ost/West-Konflikt – die Zustände radikalisieren und verschlimmern. Diffuse Ängste nehmen zu, der Egoismus und die Intoleranz sind auf dem Vormarsch und treiben die gesellschaftlichen Antagonismen voran. Einfache Feindbilder werden konstruiert, Hass und Aggression nehmen zu. An Themen wird es damit auch im nächsten Jahr nicht mangeln.</p>
<p>Auf <a href="http://wahrheitueberwahrheit.blogspot.de/2014/12/jahresruckblick-3-verschworungstheorie.html" target="_blank">Die Wahrheit über die Wahrheit</a> schreibt Thomas über eine andere bemerkenswerte Entwicklung dieses Jahres: Dass alles, was auch nur so halbwegs vom Meinungsmainstream abweiche, gleich zur Verschwörungstheorie erklärt und damit abgekanzelt werde. Bemerkenswert sei dies vor allem deshalb, weil sich doch so einige Behauptungen, die zunächst als Spinnereien abgetan worden seien, letztlich als stichhaltig erwiesen hätten, beispielsweise hinsichtlich der NSA-Überwachung, der CIA-Folter oder dem Nationalsozialistischen Untergrund. Bald könne einen wohl nichts mehr verwundern. Doch warum wird der Verschwörungsvorwurf so schnell und oft erhoben? Thomas vermutet ein gesellschaftliches Kommunikationsproblem: Die verschiedenen Gesellschaftsgruppen würden sich einfach nicht mehr verstehen. Also auch hier: ein bedenkliches Auseinanderdriften.</p>
<p>Das politische Geschehen hat das Jahr 2014 dominiert. Oder doch nicht? Aufschlussreich sind die Listen, die Google veröffentlicht hat, die aufzeigen, welche Begriffe 2014 am häufigsten gesucht worden sind. Im <a href="http://www.googlewatchblog.de/2014/12/google-jahresrueckblick2014-fussball-wm/" target="_blank">Googlewatchblog</a> sind diese Listen zu finden. Bei den Schlagzeilen dominiert die WM 2014, gefolgt von Michael Schumacher, der 2014 den furchtbaren Skiunfall hatte und Robin Williams, der in diesem Jahr verstarb. Erst auf Platz 6 folgt die Krim, auf Platz 8 die Ukraine. Die Google-Suchen spiegeln selbstverständlich nur Suchinteressen wider, sagen nur bedingt etwas über das tatsächliche Interesse an einem Thema aus.</p>
<p><a href="https://emshapro.wordpress.com/2014/12/22/jahresrueckblicke2014/" target="_blank">Emshapro</a> wundert sich darüber, dass in den TV-Rückblicken ebenfalls das Politische nur am Rande vorkam. Der Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft habe die zahlreichen Rückblicke dominiert. Es geht, so emshapro, vor allem darum, ein gutes Gefühl zu verbreiten. Politische Konflikte, Krisen und ernsthafte Probleme fänden in einem so konzipierten Programm nur bedingt Platz. Die TV-Jahresrückblicke böten keine Chronologie der einschneidenden Ereignisse, sondern hielten sich vor allem bei starken Bildern und großen Emotionen auf. Entsprechend ist das Fazit ernüchternd: Unzählige Rückblicke wurden gezeigt, die allerdings kaum darstellten, was tatsächlich wichtig war in diesem Jahr 2014.</p>
<p>Der Blick auf die Großereignisse ist die eine Möglichkeit das Jahr 2014 in einem Rückblick zu erfassen. Daneben geben gerade zahlreiche Blogs persönliche Rückblicke. Einen solchen hat Tobias Lindemann auf <a href="http://libroskop.wordpress.com/2014/12/22/kurzer-ruckblick-auf-das-libroskop-lesejahr-2014/" target="_blank">Libroskop</a> verfasst. Der Literaturblog stellt vor allem Leseerfahrungen in den Mittelpunkt. Welche Bücher prägten das Jahr 2014 für Lindemann? Esther Kinskys „Am Fluss“ stellt für Lindemann das eindrücklichste Leseerlebnis in diesem Jahr dar. Ein stilles Werk, dessen Zwischentöne ihn überzeugt haben.<br />
Lindemann schaut auch auf die literarischen Ereignisse des Jahres. Der Buchpreis habe ihn mit seiner Omnipräsenz zunehmend genervt, echte literarische Debatten hätten dagegen kaum stattgefunden, allenfalls Florian Kesslers streitbarer Artikel in der ZEIT sei zu nennen, der für weniger Konformismus in der deutschen Literatur plädiert habe.</p>
<p>Die Jahresrückblicke, die bereits stattgefunden haben, konnten mindestens ein Datum nicht mehr aufnehmen, das sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird: Udo Jürgens verstarb am 21. Dezember 2014. Konstantin Wecker würdigt ihn auf seinem Blog <a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/12/22/udo-juergens-cassandra-steen-was-wichtig-ist/" target="_blank">Hinter den Schlagzeilen</a> als eine „der ganz großen Begabungen für Melodien“.</p>
<p>In das Jahr 2014 fallen zahlreiche Ereignisse, wie zum Beispiel der Weltmeistertitel der deutschen Fußballnationalmannschaft in Brasilien, die eine gewisse Tragweite hatten. Zahlreiche „Ereignisse“ sind aber überhaupt nicht abgeschlossen wie der Ukraine-Konflikt oder das bröckelnde Vertrauen vieler deutscher Bürgerinnen und Bürger in die etablierten Medien, auch PEGIDA wird vermutlich im nächsten Jahr wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Blogumschau erlaubt sich deshalb nur eine kurze Pause und ist Anfang 2015 wieder mit Berichten aus der Welt der Blogs zur Stelle.</p>
<p>Ein frohes Weihnachtsfest und einen angenehmen Abschluss dieses Jahres wünschen</p>
<p>Jochen Walter &amp; Christian Wiebe</p>
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		<title>Das Sieben-zu-Eins: Einblicke aus Brasilien und Ausblick auf die letzten Spiele</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2014 08:43:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Für die Ewigkeit“ oder zumindest „für die Geschichtsbücher“ war dieser Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Die Seleção, ohne Neymar und ohne ihren Kapitän Thiago Silva: bitter geschlagen. Nun stehen die beiden letzten Spiele an, das Spiel um Platz drei, worauf die Stars, wie zu vernehmen ist, kaum Lust verspüren. Und das <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/das-sieben-zu-eins-einblicke-aus-brasilien-und-ausblick-auf-die-letzten-spiele/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Für die Ewigkeit“ oder zumindest „für die Geschichtsbücher“ war dieser Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Die Seleção, ohne Neymar und ohne ihren Kapitän Thiago Silva: bitter geschlagen. Nun stehen die beiden letzten Spiele an, das Spiel um Platz drei, worauf die Stars, wie zu vernehmen ist, kaum Lust verspüren. Und das Finale, in dem Deutschland wieder einmal auf Argentinien trifft.</p>
<p>Zunächst noch einmal der Rückblick: <a href="http://www.trainer-baade.de/surrealissimo/" target="_blank">Trainer Baade</a> hat zahlreiche Rekorde, die das Spiel Deutschland gegen Brasilien sprengte, zusammengetragen. Er nennt das Spiel eine Singularität; etwas, das eben einmalig ist, weil es gegen jede Wahrscheinlichkeit spricht. Wie Trainer Baade anführt, konnten deutsche Nationalmannschaften bislang bei Weltmeisterschaften nicht einmal ein einziges Tor gegen Brasilien erzielen. Das Sieben-zu-Eins war vollkommen unwahrscheinlich.</p>
<p>In Brasilien waren viele Menschen nach dem Spiel geradezu geschockt. <a href="http://brafus2014.com/tag-30-und-dann-weint-david-luiz-2/" target="_blank">Auf Brafus2014</a> sind Bilder von einem Fanfest in Tijuca zu sehen. Die Fotos zeigen erst noch erwartungsvolle Gesichter, dann ein Staunen. Ein Fan hat sich die Sonnenbrille auf die Stirn gerückt und den Mund leicht geöffnet. Doch überall sind auch ungläubig lachende Brasilianer, und schließlich ist da ein tanzendes Pärchen. Entsetzen ist zu sehen, aber wenig Wut.</p>
<p>Vor allem in Sao Paulo herrschte nach dem Debakel der brasilianischen Mannschaft zeitweilig Chaos. Busse brannten und gewaltbereite Brasilianer raubten Läden aus. Von Ausschreitungen berichtet auch <a href="http://imlanddesfussballs.blogspot.de/2014/07/wm-27-tag-mineiraco.html" target="_blank">Martin Curi</a>, der das Halbfinale vor Ort auf seinem Blog in Bildern festgehalten hat. Gewalt war sichtbar, doch sie entlud sich, soweit Curi gesehen hat, nicht gegen die deutschen Fans.</p>
<p>Auf einem <a href="http://www.ksta.de/blogobonito/-wm--blogobonito----folge-32-mehr--geht--nicht,27398618,27771976.html" target="_blank">Blog des Kölner Stadtanzeigers</a> blickt Michael Krämer nun nach vorne: Auf den wichtigsten Arbeitstag seines Lebens, im berühmten Maracana-Stadion. Nun, so hält er fest, hoffe Brasilien nur noch, dass nicht die argentinische Mannschaft den Sieg im Finale davonträgt. Da Brasilien das wichtigste Ziel, den Weltmeistertitel, nicht mehr erreichen könne, hoffe man nun, dass das zweitwichtigste Ziel erreicht werden kann: Argentinien darf keinesfalls Weltmeister werden.</p>
<p>Das ist die sportliche Sicht. Auf <a href="http://brafus2014.com/tag-29-das-hohle-versprechen/" target="_blank">Brafus2014</a> finden sich Geschichten, die einen Blick auf andere Orte, auf Nebenschauplätze, werfen. Luiz Eduardo do E. Santo, ein Touristenführer in Ouro Preto, eine Stadt, deren alter Kern von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, spricht über die Erwartungen, die mit der Weltmeisterschaft in seinem Land verbunden waren. Luiz hoffte darauf, dass die Versprechen der brasilianischen Regierung zutreffen würden. Die WM sollte Besucher aus aller Welt bringen – und zwar nicht nur solche, die vor allem die Spiele sehen wollen, sondern Touristen, die sich für das Land, für die brasilianische Geschichte interessieren. Das Gegenteil, so weiß er nun, ist der Fall: Der Kulturtourismus, auf den er angewiesen ist, litt. Die Geschäfte brachen durch die Weltmeisterschaft ein. Die Weltmeisterschaft hat vielen Brasilianern gar nichts gebracht – mit der Niederlage ihrer Nationalmannschaft tritt das nun wieder in den Vodergrund.</p>
<p>Die ganze Welt blickt in diesen Tagen nach Brasilien, aber, so scheint es, sie sieht oft gar nicht richtig hin.</p>
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		<title>WM 2014: Eindrücke aus Brasilien und von der deutschen Berichterstattung</title>
		<link>http://blogumschau.de/2014/06/wm-2014-eindruecke-aus-brasilien-und-von-der-deutschen-berichterstattung/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jun 2014 12:13:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Morgen spielt Deutschland gegen die USA, und alle Beteiligten, die gefragt werden, beteuern, dass es keinen Nichtangriffspakt geben werde. Ein Unentschieden würde beiden Mannschaften für das Achtelfinale reichen – und ausgerechnet der ehemalige Coach der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann, betreut nun das Team der USA. Ein Sieg muss also her, <a href=" http://blogumschau.de/2014/06/wm-2014-eindruecke-aus-brasilien-und-von-der-deutschen-berichterstattung/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Morgen spielt Deutschland gegen die USA, und alle Beteiligten, die gefragt werden, beteuern, dass es keinen Nichtangriffspakt geben werde. Ein Unentschieden würde beiden Mannschaften für das Achtelfinale reichen – und ausgerechnet der ehemalige Coach der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann, betreut nun das Team der USA. Ein Sieg muss also her, egal für welche Mannschaft, damit es nicht nach einer Absprache aussieht.</p>
<p>Besonders bitter ist diese Ausgangssituation für Ghana, die gegen die USA unglücklich verloren hatten und gegen die Mannschaft aus Deutschland – trotz guter Torgelegenheiten – nicht über ein Unentschieden hinauskamen. <a href="http://augenklicke.wordpress.com/2014/06/22/mein-fusball-nachmittag-mit-ronaldo-und-oliver-kahn/" target="_blank">Michael Augustin</a> hat das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Nationalmannschaft aus Ghana in einer Strandbar in Rio de Janeiro verfolgt. Er zeigt einige junge Brasilianer, die dem Fernsehen den Rücken zukehren und aufs Meer sehen. Und er berichtet über die anderen Gäste, die den Abend mit gekühltem Bier genießen und die Deutschen mit „Oliver Kahn. Ronaldo. Oliver Kahn. Ronaldo“ aufziehen.</p>
<p>Alle Brasilianer lieben den Fußball? Nur ein Klischee, schreibt Augustin. Allein wenn die Seleção spielt, so zeigen es die Bilder auf dem Blog <a href="http://www.brafus2014.com/tag-18-unter-huegeln/" target="_blank">Brafus2014</a>, steht das Leben einen Moment lang still. Es sind Fotos aus der kleinen Stadt Passa Quatro auf dem Weg nach Belo Horizonte, wo Brasilien sein Achtelfinale gegen Chile bestreiten wird. Die Bilder zeigen Menschen allein oder in kleinen Gruppen vor dem Fernseher. Nach dem Spiel ist ein Autokorso auf der Straße zu sehen.</p>
<p>Beide Blogs suchen den spontanen Eindruck, die Dokumentation eines Augenblicks während der Fußballweltmeisterschaft. Die Berichterstattung im deutschen Fernsehen ist dagegen massiv in die Kritik geraten. Das beginnt mit den Klischees, die fortwährend reproduziert werden. <a href="http://koenigsblog.net/2014/06/22/tom-bartels-und-der-wildenstamm/" target="_blank">Torsten Wieland</a> schreibt darüber, wie Tom Bartels das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana kommentiert habe. Die Kommentare seien vollkommen unsachlich und zudem voller länderbezogener Klischees gewesen. In Ghanas Abwehr habe „die nackte Angst“ regiert, sobald ein „deutscher Spieler angestürmt“ sei.</p>
<p>Steffen Simon hatte beim Spiel Iran – Nigeria kommentiert: „Iraner sind Südländer und nicht immer ganz perfekt organisiert.“ An diesen Satz, der für Aufregung sorgte und zu einer Entschuldigung führte, erinnert Daniel Raecke, der den Bogen auf <a href="http://gegendenball.com/im-namen-des-volkes/" target="_blank">Gegendenball </a>noch sehr viel weiter spannt. Raecke argumentiert, es ginge in der Berichterstattung permanent um nationale Zuschreibungen und darum, ein „gutes Gefühl“ zu erzeugen. Offenbar, so Raecke, solle dies darüber gelingen, dass die deutsche Mannschaft besonders stark geredet werde und gezeigt werde, wie sehr „uns“ doch die anderen Mannschaften respektieren. Da wurde etwa Luis Figo vor dem Spiel Deutschland gegen Portugal gefragt, ob die Portugiesen Respekt vor Deutschland hätten. Da rücke das Sportliche vollständig in den Hintergrund, um dem „guten Gefühl“, zu Deutschland dazuzugehören, Platz zu machen.</p>
<p>Auch <a href="http://www.opinion-club.com/2014/06/bela-rethy-ist-das-geringste-problem/" target="_blank">Falk Heuermann</a> bedauert, wie wenig Raum der Sport selbst im öffentlichen Fernsehen habe. Vor allem die Berichte zwischen den Spielen, so Heuermann, seien vollkommen belanglos. Und auch er weist darauf hin, wie Klischees reproduziert werden: brasilianische Sambatänzerinnen und afrikanische Voodoo-Zauberer. Und zehn Millionen Zuschauern wird so ein Programm vorgesetzt.</p>
<p>Morgen spielt USA gegen Deutschland, und die Berichterstattung und Moderation wären gerade bei diesem Spiel gefordert, fair zu sein. Doch wenn die Kritiker Recht haben, sind das bislang nicht Fehler, wie sie eben auch der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens unterlaufen können, sondern das Programm ist gezielt auf diesem Niveau angesetzt. Echter Sportjournalismus könnte Abhilfe schaffen – oder eben Versuche, abseits oder am Rand des Sports, Brasilien während der Weltmeisterschaft zu zeigen – was auch ohne permanente Klischees gelingen könnte.</p>
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		<title>Fußballweltmeisterschaft: Alles rosarot?</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jun 2014 10:41:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ein furioser Sieg. Die deutsche Nationalmannschaft besiegt Portugal 4:0. Im Vorfeld wurde viel kritisiert und die deutschen Aussichten, eine gute WM zu spielen, klein geredet. Außer Klose sei kein richtiger Stürmer dabei, Schweinsteiger nicht in Topform, Khedira war lange verletzt und hat kaum Spielpraxis, Özil zu lethargisch, die Vorbereitung war <a href=" http://blogumschau.de/2014/06/fussballweltmeisterschaft-alles-rosarot/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein furioser Sieg. Die deutsche Nationalmannschaft besiegt Portugal 4:0. Im Vorfeld wurde viel kritisiert und die deutschen Aussichten, eine gute WM zu spielen, klein geredet. Außer Klose sei kein richtiger Stürmer dabei, Schweinsteiger nicht in Topform, Khedira war lange verletzt und hat kaum Spielpraxis, Özil zu lethargisch, die Vorbereitung war problematisch, in Südamerika gewinnen sowieso Südamerikaner, jedenfalls nicht die Deutschen, die Hitze nicht gewöhnt seien. Und nun so ein souveräner Auftakt und so ein Thomas Müller. Ist nun alles rosarot?</p>
<p>Die gesamte Stimmung scheint jedenfalls schon seit ein paar Tagen deutlich zu kippen. Bis die Weltmeisterschaft begann, waren die <a href="http://blogumschau.de/2014/06/ein-fussballfest-fuer-alle-die-wm-in-brasilien/">Proteste in Brasilien</a> ein heißes Thema. Nun, seit die Vorrunde läuft, hat sich die Aufmerksamkeit deutlich verschoben. Brasilien hat gesiegt, Deutschland hat gesiegt: Wer interessiert sich hier noch für politische Nebenschauplätze?</p>
<p>Aus sportlicher Sicht gab es bereits einige bemerkenswerte, sogar herausragende Spiele. Niederlande gegen Spanien und Italien gegen England: Das klingt nicht nach einer langweiligen Vorrunde, nach einer WM, die nur langsam in Fahrt kommt. Vor allem das Spiel der Niederländer gegen Spanien wird vielen in Erinnerung bleiben – ganz gleich, welcher Mannschaft man die Daumen drückte.</p>
<p>Auf <a href="http://spielverlagerung.de/2014/06/14/spanien-niederlande-15/" target="_blank">spielverlagerung </a>lässt sich noch einmal nachvollziehen, wie van Gaal die Mannschaft taktisch einstellte, um den Spaniern das Leben schwer zu machen. In der defensiven Ausrichtung konnte gerade zu Anfang ein ungewöhnliches 5-0-5 ausgemacht werden. Das bewegte sich, so die Analyse, zwischen Kompaktheit und Harakiri. Doch die ungewöhnliche Maßnahme ging gut – so gut, dass den Spaniern im gesamten Spiel bloß drei Pässe in den Strafraum hinein glückten.</p>
<p>Und gestern der Sieg der deutschen Mannschaft. Eindrücke vom Drumherum im Stadion hat der Experte für brasilianischen Fußball, <a href="http://imlanddesfussballs.blogspot.de/2014/06/wm-4-tag-salvador-deutschland-portugal.html" target="_blank">Martin Curi</a>, festgehalten. Er schreibt von bester Stimmung und von vielleicht etwas zu betrunkenen Fans der deutschen Mannschaft. Volle Straßen sind zu sehen, viele Nationalfarben und Angela Merkel in der VIP-Loge.</p>
<p>Die Stimmung ist bestens. <a href="http://sandhu.de/hdm-blog/die-grossartigste-show-der-welt-wm-2014-aus-pr-perspektive/" target="_blank">Swaran Sandhu</a> analysiert die Weltmeisterschaft aus Sicht der Werbung. Dass die WM ein mediales und auch ein kommerzielles Großereignis ist: das ist bekannt und dürfte kaum überraschen. Aber der Blick darauf, wie nun eben gute Stimmung erzeugt wird, ein „Wir-Gefühl“, ist bedeutsam. Natürlich, die Sponsoren haben ein großes Interesse daran, dass die WM ein gutes Gefühl erzeugt, positive Emotionen weckt. Vor diesem Hintergrund ist es eben für die Sponsoren auch problematisch, wie die FIFA agiert, die gerade mit Korruptionsfällen beschäftigt ist. Die WM soll den Zuschauern Freude machen – dann funktioniert die Werbung.</p>
<p><a href="http://maxost.de/wie-die-ersten-tage-in-den-sommerferien-warum-ich-die-wm-vorrunde-mag/" target="_blank">Max Ost</a> freut sich vor allem über die Vorrunde. Da sei eben alles gut. Genau dieses Gefühl, die Unbeschwertheit feiert Ost. Schon wenn die Achtelfinals beginnen, ist die Leichtigkeit sowieso vorbei. Jetzt sei es, wie der Beginn der Sommerferien zur Schulzeit, wenn alles noch vor einem liegt.</p>
<p>Alles rosarot also? Sicher nicht, aber immerhin, wie Sandhu Blatter zitiert: „die großartigste Show der Welt“ hat begonnen!</p>
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		<title>Ein Fußballfest für alle? Die WM in Brasilien</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jun 2014 06:05:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In wenigen Tagen beginnt in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Während hierzulande noch munter darüber diskutiert wird, ob der Bundestrainer Joachim Löw die richtigen Spieler nominiert hat, ob die angeschlagenen Schlüsselspieler rechtzeitig zum Turnierbeginn wieder fit werden, oder ob es ausreicht, mit nur einem „gelernten“ Stoßstürmer zum Turnier zu fahren, <a href=" http://blogumschau.de/2014/06/ein-fussballfest-fuer-alle-die-wm-in-brasilien/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In wenigen Tagen beginnt in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Während hierzulande noch munter darüber diskutiert wird, ob der Bundestrainer Joachim Löw die richtigen Spieler nominiert hat, ob die angeschlagenen Schlüsselspieler rechtzeitig zum Turnierbeginn wieder fit werden, oder ob es ausreicht, mit nur einem „gelernten“ Stoßstürmer zum Turnier zu fahren, herrschen in Brasilien ganz andere Sorgen und Probleme vor: Schon 2013, während des Confederations Cups, kam es in Brasilien zu teilweise gewalttätigen Protesten und sozialen Unruhen. Der Protest entzündete sich unter anderem daran, dass für Milliardensummen neue Stadien gebaut wurden – zu großen Teilen finanziert vom brasilianischen Staat –, während gleichzeitig das lokale und regionale Transportwesen sowie das Bildungs- und Gesundheitssystem, chronisch unterfinanziert und marode sind. Riesige Fußballtempel – deren Nutzen für die Zeit nach der WM und den Olympischen Spielen 2016 höchst ungewiss ist – wurden mehr oder weniger direkt in oder neben verarmten Stadtvierteln hochgezogen. Viele Bewohner wurden in der Folge von dort verdrängt.<br />
Die Protestbewegung wuchs schnell zu einer beachtlichen Größe heran und übernahm auch andere Themen, die die brasilianische Gesellschaft aufwühlen: der Raubbau an der Natur, die rasante Zunahme von Privatisierungen oder der rücksichtslose Umgang mit den eigenen indigenen Minderheiten. Die Bilder von Indios, die während einer Demonstration in Brasília mit Pfeil und Bogen gegen Polizisten vorgingen, markieren den symbolischen Höhepunkt der jüngeren Auseinandersetzungen. Vorfreude auf die WM will bei all dem nicht so recht aufkommen. „FIFA go home“ ist an vielen Stellen an Hauswände gesprüht oder in den Sand gemalt.</p>
<p>Niklas Götz spricht auf <a href="http://cato-online.blogspot.de/2014/06/wm-der-scheinheiligkeit-teil-i.html" target="_blank">CATO</a> über Widersprüche und Paradoxien, die sich mit der Austragung eines solchen durchkommerzialisierten Großereignisses in einem Schwellenland verbinden. Götz empfindet es als hochgradig perfide, dass da gigantomanische Bauten errichten werden, wo die Menschen nebenan kaum genug zu Essen oder sauberes Trinkwasser haben. Oder dass der Regenwald im großen Maßstab abgeholzt wird, aber ein Gürteltier zum WM-Maskottchen gemacht wird, das die Ökologie und den Umweltschutz mit im Namen trägt („Fuleco“, als Zusammensetzung von <em>futebol</em> und <em>ecologia</em>). Auch den oftmals fragwürdigen Praktiken der FIFA oder der WM-Sponsoren – die sich um das Wohlergehen oder die Rechte der Menschen nur wenig kümmern, dafür aber um so mehr um ihre kommerziellen Interessen –, steht Götz äußerst kritisch gegenüber. Er kann nicht anders, als von der WM als einem Fest der Scheinheiligkeit zu sprechen.</p>
<p>Auch Mira Sigel widmet sich auf <a href="http://diefreiheitsliebe.de/allgemein/survival-brasilien-wm" target="_blank">Die Freiheitsliebe</a> den Kehrseiten der Fußball-WM und richtet ihr Hauptaugenmerk auf die Situation der indigenen Völker Brasiliens. Deren Zahl und Population wurde über Jahrhunderte drastisch dezimiert, manche indigene Gruppen haben zum jetzigen Zeitpunkt nur noch eine Handvoll Mitglieder. Indigene würden heute von der brasilianischen Polizei mit äußerst rabiaten Mitteln von ihrem Land vertrieben – auch in Regionen, in denen demnächst WM-Spiele stattfinden. Beschämend findet Sigel zudem, dass der WM-Sponsor Coca-Cola mit Bildern fröhlicher Indios Werbung für seine Brause macht, in der Zucker von solchen Zuckerrohrplantagen verarbeitet wird, deren Boden illegal den Indigenen entrissen wurde.</p>
<p>René Scheu bemüht sich auf einem Gastbeitrag auf <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/brasiliens_mittelschicht_will_mehr_als_nur_fussballzauber" target="_blank">Die Achse des Guten</a> um eine möglichst realistische Einschätzung der gegenwärtigen sozialen Proteste in Brasilien. Es sei nicht hauptsächlich – wie oft behauptet würde – die brasilianische Unterschicht, die Armen, die Ausgegrenzten, die Bewohner der Favelas, die da auf die Straße gingen, um zu protestieren. Es sei stattdessen insbesondere die neue Mittelschicht, die das Versagen der öffentlichen Verwaltung, die Verteuerung des Personennahverkehrs oder die korrupten staatlichen Eliten kritisierte. Das Bild eines zutiefst gespaltenen Landes, das jederzeit auseinanderzubrechen drohe, sei eben viel zu vereinfachend. In Wirklichkeit wüchse da auch eine leistungsbereite und gut ausgebildete Mittelschicht heran, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wolle und dafür auch auf die Straße gehe.</p>
<p>Roberto J. De Lapuente ärgert sich auf seinem Blog <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/05/zerlumpte-huttenbewohner-und-fuballfans.html" target="_blank">ad sinistram</a> in anderer Hinsicht darüber, wie verzerrt die Brasilianer von uns wahrgenommen würden. Dass diese als ständig gutgelaunte Strahlemänner und -frauen dargestellt seien, die sich für wenig mehr als Fußball interessieren, macht De Lapuente wütend. Der Protest gegen Entrechtung und die Auflehnung gegen (verkommene) Machtstrukturen gehöre doch mindestens genauso zu Brasilien wie der Fußballenthusiasmus. Die sozialen Proteste sollten nicht als lästige Störung des anstehenden Fußballgroßereignisses herabgewürdigt oder als bloße Randnotiz abgestempelt werden. Vielmehr verdienten sie als berechtigte Kritik an den Auswüchsen des Neoliberalismus unser aller Respekt und Aufmerksamkeit.</p>
<p>Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff versuchte unlängst die verschiedenen Kritiker der mit der WM verbundenen Geldverschwendung zu beschwichtigen und sprach davon, dass die WM Brasilien ein „dauerhaftes Erbe“ hinterlassen werde. Ob dies nun als Verheißung oder Drohung zu verstehen ist, darüber lässt sich sicherlich diskutieren.</p>
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