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	<title>Blogumschau &#187; Berlin &#124; Blogumschau</title>
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		<title>Kirill Petrenko wird der neue Chefdirigent der Berliner Philharmoniker</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2015 10:29:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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		<description><![CDATA[Bereits im Mai sollte der Nachfolger von Sir Simon Rattle für die Position des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker bekanntgegeben werden, doch auch nach langen Diskussionen konnten sich die Musiker nicht auf einen neuen Chefdirigenten einigen. Dass überhaupt die Musiker ihren Dirigenten wählen, ist in der musikalischen Welt der großen Orchester <a href=" http://blogumschau.de/2015/06/kirill-petrenko-wird-der-neue-chefdirigent-der-berliner-philharmoniker/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits im Mai sollte der Nachfolger von Sir Simon Rattle für die Position des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker bekanntgegeben werden, doch auch nach langen Diskussionen konnten sich die Musiker nicht auf einen neuen Chefdirigenten einigen. Dass überhaupt die Musiker ihren Dirigenten wählen, ist in der musikalischen Welt der großen Orchester einzigartig – und im Mai führte diese Besonderheit zu Schwierigkeiten. Mit wem soll die Arbeit fortgesetzt werden? Gestern fiel nun die Wahl auf Kirill Petrenko, der noch bis 2018 die Geschicke der Bayerischen Staatsoper lenkt.</p>
<p>Auf dem Blog <a href="http://meingesamtkunstwerk.blogspot.de/2015/06/kirill-petrenko-neuer-chef-der-berliner.html" target="_blank">Gesamtkunstwerk</a>, der sich vielfach mit der Bayerischen Staatsoper beschäftigt hat, ist von einer guten Wahl zu lesen. Die Hängepartie könnte so schnell vergessen werden. Allein für die Bayerische Staatsoper dürfte die bloße Ankündigung, dass Petrenko gehen wird, für Diskussionen sorgen, denn er steht unangefochten an der Spitze des Hauses und sein Weggang könnte bedeuten, dass jetzt grundsätzlich über die zukünftige Ausrichtung der Staatsoper nachgedacht werden müsse.</p>
<p>Manuel Brug hatte bereits am Sonntag, noch bevor die Entscheidung verkündet worden war, auf seinem <a href="http://klassiker.welt.de/2015/06/21/wird-kirill-petrenko-neuer-chef-der-berliner-philharmoniker-ab-2020/" target="_blank">Klassik-Blog der WELT</a> spekuliert, dass Petrenko der Nachfolger Rattles werden könnte. Petrenko sei allerdings erst drei Mal, 2006, 2009 und 2012, mit dem Berliner Orchester aufgetreten, schreibt Brug. Vor allem aber, so hebt er hervor, sei darunter kein sinfonisches Werk des Kernrepertoires gewesen. Petrenko ist bislang vor allem als Operndirigent hervorgetreten. Von einem „hochmerkwürdigen Fall“ spricht Brug deshalb. Das Orchester werde sich jedenfalls wandeln, auch in seiner Außendarstellung: Rattle war in den Medien äußerst präsent, Petrenko dagegen gibt schon seit geraumer Zeit keine Interviews mehr – er gilt als scheu.</p>
<p>Als einen Kompromiss sieht dagegen Sascha Krieger auf dem Blog <a href="https://stagescreen.wordpress.com/2015/06/23/ein-aufbruch-und-viele-offene-fragen/" target="_blank">Stage and Screen</a> die Wahl. Als Favoriten waren vielerorts Christian Thielemann, der die Dresdner Staatskapelle leitet, und Andris Nelsons, Dirigent des Boston Symphony Orchestra, gehandelt worden. Petrenko sei eine Wahl, so Krieger, mit der sowohl Traditionalisten als auch Reformer leben könnten, ein typischer Kompromiss eben – und keine mutige Entscheidung. Die Wahl sei sehr sympathisch, aber keine Richtungsentscheidung, sondern nun bleibe abzuwarten, wie der neue Dirigent ein Profil gewinnen werde.</p>
<p>Das Konzertpublikum muss sich jedenfalls gedulden, denn in der kommenden Spielzeit ist kein Konzert der Philharmoniker unter der Leitung Kirill Petrenkos vorgesehen.</p>
<p><strong> </strong></p>
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		<title>Erste Eindrücke von der Berlinale: Sebastian Schippers „Victoria“</title>
		<link>http://blogumschau.de/2015/02/erste-eindruecke-von-der-berlinale-sebastian-schippers-victoria/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Feb 2015 09:14:51 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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		<description><![CDATA[Der rote Teppich liegt wieder in Berlin. Vom 5. bis zum 15. Februar findet die Berlinale statt und die Liste der Filme und Stars, die gesehen werden wollen, ist lang. Ein Überblick ist da gar nicht zu gewinnen, aber an einigen Stellen verdichten sich die Kommentare, es entsteht dann eine <a href=" http://blogumschau.de/2015/02/erste-eindruecke-von-der-berlinale-sebastian-schippers-victoria/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_749" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/02/Berlinale_bär_im_kino.jpg"><img class="wp-image-749 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2015/02/Berlinale_bär_im_kino.jpg" alt="Berlinale_bär_im_kino" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Die Berlinale&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam</p></div>
<p>Der rote Teppich liegt wieder in Berlin. Vom 5. bis zum 15. Februar findet die Berlinale statt und die Liste der Filme und Stars, die gesehen werden wollen, ist lang. Ein Überblick ist da gar nicht zu gewinnen, aber an einigen Stellen verdichten sich die Kommentare, es entsteht dann eine Diskussion um einen Film, die über einen einzelnen Festivaltag hinausweist.</p>
<p>„Victoria“ von Sebastian Schipper ist so ein Film, der auf eine außergewöhnliche Weise gedreht wurde und der deshalb zu allgemeinen Fragen über die Filmästhetik anregt. Schipper stellt mit seinem Film einen Weltrekord auf: Der Film ist ein einziger 140 Minuten langer Take. Auf einem <a href="http://blogs.taz.de/popblog/2015/02/08/berlinale-victoria-regie-sebastian-schipper/" target="_blank">Blog der taz</a> zeigt sich Christian Ihle von dem Film stark beeindruckt. Dass eine Einstellung, die 140 Minuten dauert, für die Darsteller, den Regisseur, den Kameramann und die Logistik eine große Herausforderung bedeutet, ist leicht nachzuvollziehen. Aber was gewinnt der Film dadurch?</p>
<p>Ihle schreibt, durch diesen Trick, einen einzigen Take zu zeigen, gewinne der Film an „Echtheit“. Die Geschichte einer Nacht, eines Einbruchs und seiner Folgen wirken „echt“. Es entstehe eine Dichte und Nähe, die wohl nur durch diesen drehtechnischen Kniff zu erreichen sei. Das bedeutet dann für die erste Hälfte des Films, dass der Zuschauer Geduld brauche, denn es geschehe zunächst wenig. In der zweiten Hälfte dagegen werde es hektisch, die Ereignisse überschlagen sich. Genau das, so Ihle, dieses Zuwenig und Zuviel, erzeuge die „Echtheit“.</p>
<p><a href="http://filmtabs.blogspot.de/2015/02/berlinale-2015-victoria-wettbewerb.html" target="_blank">Günter H. Jekubzik</a> sieht das anders. Für ihn ist der Film etwa eine halbe Stunde zu lang, womit er vor allem den gemächlichen Anfang des Filmes meint. Die zweite Hälfte des Films sei packend und der „Weltrekordversuch“ stehe nicht mehr im Vordergrund. Denn das ist selbstverständlich das Problem eines Films, der sich so stark über ein „Alleinstellungsmerkmal“ ins Gespräch bringt. Der Weltrekord könnte sich in den Vordergrund und damit die Geschichte des Films in den Hintergrund drängen. Jekubzik findet diese Idee durchaus originell, doch hätte der Film besser sein können, wäre er geschnitten worden.</p>
<p>Dem widerspricht Lukas Stern auf <a href="http://www.critic.de/film/victoria-7670/" target="_blank">critic.de</a>, der zunächst einräumt, dass das Dreh-Konzept von „Victoria“ skeptisch machen könnte. Aber der Film bläst seine eigene Besonderheit nicht auf, stellt nicht zur Schau, wie aufwendig er geplant und produziert wurde, sondern versucht diese speziellen Voraussetzungen in Intensität umzusetzen. Der Film suggeriere eine Instabilität, als könnte er, einmal gesehen, nicht noch einmal im Kino von vorne beginnen. Es transportiere sich ein Gefühl des Ausgeliefertseins, so wie die Schauspielerinnen und Schauspieler diesem einen Take ausgeliefert sind – und ein Fehler das gesamte Gebilde zerstören könnte. So erkenne der Zuschauer, dass er ausgeliefert ist, da nichts außerhalb dieses Stroms gezeigt wird, keine Perspektive angeboten wird, die Halt verspräche.</p>
<p>Die Kritiken versuchen allesamt die Ästhetik des Films von Sebastian Schipper zu erfassen. Und damit entsteht tatsächlich eine Diskussion um einen Film. Der Filmkritik wurde ja, ähnlich wie der Literaturkritik, eine Krise attestiert. Die „Woche der Kritik“, die nun erstmalig auf der Berlinale stattfindet, soll auf diese Krise reagieren. Teresa Vena stellt auf<a href="http://berliner-filmfestivals.de/2015/02/debatte-ueber-genre-film-on-the-job-bei-der-ersten-woche-der-kritik" target="_blank"> Berliner-Filmfestivals.de</a> fest, dass es zwar eine überaus wünschenswerte Initiative sei, dass allerdings die erste Diskussion noch keine Impulse setzen konnte. Die Diskussion um den Film „On the Job“ erschöpfte sich dann darin, festzustellen, dass der Film nichts Neues zu bieten habe. – Soweit sei das Publikum auch direkt nach dem Film gewesen, äußert Vena etwas frustriert.</p>
<p>Es scheint allerdings ein Bedürfnis zu geben, sich über die Kritik zu verständigen. Sowohl im literarischen Bereich gibt es hier offenkundig Gesprächsbedarf als auch beim Film. Und angesichts der Fülle der Filme, die Aufmerksamkeit beanspruchen wollen, kommt einer fundierten Kritik ja auch eine bedeutende Rolle zu.</p>
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		<title>Mehr als große Emotionen? Das Gedenken an den Mauerfall</title>
		<link>http://blogumschau.de/2014/11/mehr-als-grosse-emotionen-das-gedenken-an-den-mauerfall/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Nov 2014 08:39:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Jahrestag]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 25 Jahren fiel die Mauer, die Teilung Berlins wurde aufgehoben und der Kalte Krieg war beendet. An diesen Tag wurde in Deutschland und vor allem in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen gedacht. Sämtliche Medien begleiteten die groß angelegten Ereignisse, wie zum Beispiel die Grenze aus leuchtenden Ballons. Die <a href=" http://blogumschau.de/2014/11/mehr-als-grosse-emotionen-das-gedenken-an-den-mauerfall/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 25 Jahren fiel die Mauer, die Teilung Berlins wurde aufgehoben und der Kalte Krieg war beendet. An diesen Tag wurde in Deutschland und vor allem in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen gedacht. Sämtliche Medien begleiteten die groß angelegten Ereignisse, wie zum Beispiel die Grenze aus leuchtenden Ballons.</p>
<p>Die Künstlerin <a href="http://christinaweisz.blogspot.de/2014/11/lichtgrenze-ballonaktion-25-jahre.html" target="_blank">Christina Weiß</a> hat diese „Lichtgrenze“ fotografiert. Indem sie die Ballons aus kurzer Distanz und vornehmlich bei Tageslicht aufnimmt, wirken die aufgereihten Ballons kaum mehr wie eine Grenze. Es macht eher einen spielerischen Eindruck, wie einzelne Dekorationsobjekte zwischen den Berliner Häusern aufleuchten. Ein Ballon neigt sich – fast schelmisch – einem offenbar authentischen Mauerrest entgegen und zeigt damit aufs Deutlichste, wie hier das Symbolische und das Dekorative auf die geschichtliche Wirklichkeit treffen. Ein anderes Bild zeigt über der Lichtgrenze einen Fesselballon, mit dem Werbeaufdruck „DIE WELT“. Woran lässt sich hier denken: An die freie Presse der alten BRD? Oder an den Kapitalismus, der bereits mit seinen Werbeverheißungen über die Grenze flog? Ein Foto jedenfalls, das starke Assoziationen hervorruft.</p>
<p>Auf <a href="http://kosmopolitissa.net/2014/11/10/gedanken-zum-25-jahrestag-des-mauerfalls/" target="_blank">kosmopolitissa </a>wird ebenfalls die Lichtgrenze aufgegriffen: Sie symbolisiert die Freude darüber, dass die Mauer fiel, und darüber, wie sie fiel. Und die Lichtgrenze war nicht nur ein Symbol, denn die aufsteigenden Luftballons lösten selbst starke Emotionen aus. „Emotionen“ allerdings sind das eine, das andere sei es, aus den vergangenen Ereignissen zu lernen. Doch wie steht es um Deutschland 2014? Was wurde denn gelernt?</p>
<p>An die NSU-Morde und den laufenden Prozess wird unter anderem auf kosmopolitissa erinnert. Am 8. November 2011 hatte sich Beate Zschäpe der Polizei gestellt. Der Prozess dauert nun schon lange an, aber die Chancen, dass die Tathergänge umfänglich aufgeklärt werden, sinke, weil viele Zeugen sich auf „Erinnerungslücken“ beriefen. Was sollen denn in so einem Zusammenhang, im Zusammenhang des aktuellen politischen Geschehens, „große Emotionen“ bedeuten?</p>
<p>Das wirft auch die Frage auf, wie richtigerweise an ein Ereignis gedacht werden soll. <a href="http://zettelsraum.blogspot.de/2014/11/deutscher-gedunk.html" target="_blank">Zettels Raum</a> ironisiert genau das, diese Frage nach dem „richtigen“ Gedenken. Gerade in Deutschland scheine das Gedenken besonders kompliziert zu sein und hier müssten alle Eventualitäten berücksichtigt werden. Alle Betroffenen sollten in jeder Gedenkrede untergebracht werden, was zu solch einer Bemühtheit führe, dass das Gedenken erst recht würdelos erscheine. Damit werden solche Gedenkveranstaltungen grundsätzlich fragwürdig, oder zumindest ihre Form. Auf Zettels Raum wird alternativ auf zwei Einzelschicksale verwiesen, die über „ihren“ Mauerfall berichten und so der großen Geschichte kleine eigene Geschichten hinzufügen.</p>
<p><a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2014/11/als-die-mauer-fiel-und-die-geschichte.html" target="_blank">Roberto J. De Lapuente</a> greift das Gedenken des Mauerfalls dagegen sehr konkret an: Es seien vor allem Klischees und westdeutsche Arroganz zu vernehmen gewesen. Zudem klänge das gesamte Gedenken, wie das Wort vom „Ende der Geschichte“. Indem die Mauer fiel, so die allzu einfache und auch falsche Version, wurde Ostdeutschland befreit und es erfüllte sich den Traum vom Kapitalismus. Doch so eine Version der Geschichte ist eine Geschichte aus der Sicht der Gewinner, schreibt De Lapuente. Und damit werden viele Bestrebungen der DDR-Bürgerrechtler unterschlagen, die gar keine Wiedervereinigung im Sinn hatten, sondern oftmals vor allem für Menschen- bzw. Bürgerrechte eintraten. Diese Komplexität müsste gerade ins Gedächtnis gerufen werden, denn damit würde ersichtlich, dass die alte BRD keineswegs die Erfüllung aller Träume gewesen sei. Damit gewänne dann das – durchaus freudige – Gedenken einen selbstkritischen Zug, den De Lapuente schmerzlich vermisst.</p>
<p>Auf <a href="http://saetzeundschaetze.com/2014/11/09/der-9-november-in-den-worten-der-dichter/" target="_blank">Sätze und Schätze</a> wird anlässlich des Mauerfalls das „Handbuch der politischen Poesie“ von Joachim Sartorius vorgestellt. In der Rezension kommen einige Dichter zu Wort. Und Heiner Müller scheint auf De Lapuente zu antworten, wenn er sich selbst vorwirft, er hätte manches Mal geschrieben, als sei er im Besitz der Wahrheit. Die selbstkritischen Zeilen waren zwar auf Müllers kommunistisches Gedankengut gemünzt, das er im Angesicht des Mauerfalls nicht mehr als Wahrheit ansehen möchte, doch scheinen die Verse für uns auch eine andere Bedeutung gewonnen zu haben:</p>
<p>„Meine Herausgeber wühlen in alten Texten</p>
<p>Manchmal wenn ich sie lese überläuft es mich kalt Das</p>
<p>Habe ich geschrieben IM BESITZ DER WAHRHEIT […]“</p>
<p>Die Verse mahnen eine Selbstkritik an, die den Bloggerinnen und Bloggern angemessen zu sein scheint. Und womit das Gedenken dann tatsächlich das Denken bewegen könnte und nicht nur einen Augenblick lang große Emotionen weckt.</p>
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		<title>Wie bauen? Stationen in Berlin, Venedig und Höxter</title>
		<link>http://blogumschau.de/2014/07/wie-bauen-stationen-in-berlin-venedig-und-hoexter/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Jul 2014 07:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Venedig]]></category>
		<category><![CDATA[Weltkulturerbe]]></category>

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		<description><![CDATA[Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, <a href=" http://blogumschau.de/2014/07/wie-bauen-stationen-in-berlin-venedig-und-hoexter/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_402" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg"><img class="wp-image-402 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/07/Berliner-Stadtschloss.jpg" alt="Berliner Stadtschloss" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Berliner Stadtschloss&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam</p></div>
<p>Der öffentliche Raum wird schnell zu einem Streitthema: Wie soll man bauen? Wie soll man mit den alten Häusern und den alten Stadtstrukturen – überhaupt mit der Tradition – umgehen? Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses steht Vielen symbolisch für eine verkehrte Baukultur in Deutschland. Die Pläne, die nun umgesetzt werden, standen von Anfang an in der Kritik – und sie werden noch immer scharf kritisiert. In Berlin wird das Schloss in weiten Teilen rekonstruiert, doch es sind vor allem Fassaden, die dort an den Originalbau erinnern sollen. Das neue „Schloss“, das in Berlin entsteht, spiegelt den prunkvollen Barock vor: Es ist aber weder eine richtige Rekonstruktion, die den alten Entwurf bis in die Details ernst nähme, noch ist es ein mutiger Neu-Entwurf.</p>
<p><a href="http://exportabel.wordpress.com/2014/06/27/architektur-und-dogma-2-begutigende-tradition/" target="_blank">Genova </a>nennt das Stadtschloss kurzum eine Katastrophe. Er wirft einen wütenden Blick auf gerade entstehende Gebäude in Deutschland. Es entstehen zum Beispiel in Neubauvierteln Häuser, die eine Bautradition nur vortäuschen. In der Massenfabrikation werden Elemente, wie Sprossenfenster, hergestellt, die nur noch einen billigen Ersatz für eine verlorengegangene Tradition bieten. Der Bezug zum Material spielt keine Rolle mehr und ebenso wenig bauliche Notwendigkeiten. Es sind allein scheinbare Rückgriffe auf etwas, das aussieht wie „damals“.</p>
<p>Dabei sieht Genova im Osten Deutschlands das Problem noch verstärkt, da in der DDR mutwillig Traditionen, gerade Bautraditionen, abgeschnitten wurden. <a href="http://immaterialist.blogspot.de/2014/06/ganz-kleiner-versuch-uber-eine.html" target="_blank">Diego Castro</a> versucht, parallel dazu, die westdeutsche Ästhetik zu bestimmen. Er kommt dabei teilweise zu ganz ähnlichen Schlüssen. Auch er greift die aktuellen Rekonstruktionen an, bei denen möglichst schnell und billig, historische Gebäude wiedererstehen sollen. Von schlampigen und banalen Surrogaten schreibt Diego Castro. Es werde eine idealisierte Vergangenheit nachgebaut, die es nie gab, und die zudem – ironischerweise – schlecht ausgeführt ist. Im Osten Deutschlands seien nach 1989 zwar zahlreiche historische Innenstädte gerettet worden, doch das Erbe der ostdeutschen Baukultur wurde nach und nach ausgelöscht und durch westdeutsche Industriestandards ersetzt. Hier zeige sich das Problem mit ganzer Schärfe.</p>
<p>Geht es auch anders? Am 28. Juni fand in Deutschland der Tag der Architektur statt. Der <a href="http://www.architektourist.de/2014/06/28/tag-der-architektur-2014-thueringen/" target="_blank">Architektourist </a>zeigt verschiedene Bauten und Bauprojekte, die ganz anders mit der Tradition umgehen. So ist eine Haus-in-Haus-Lösung zu sehen: Ein Gemeindehaus wurde dabei in das Seitenschiff einer Kirche hineingebaut. Auf diese Weise entstanden neue Nutzungsmöglichkeiten, ohne den historischen Kirchenbau von außen zu beeinträchtigen. Und es ist auch ästhetisch keine banale Lösung oder gar ein Täuschungsversuch: Das Haus im Haus ist ein roter, gar nicht historisierender Baukörper.</p>
<p>Auch die Architektur-Biennale in Venedig widmet sich der Frage nach der Tradition und der Moderne. Rem Kohlhaas hat gezielt die Frage nach der Vergangenheit, die Frage nach der Bautradition in den Mittelpunkt gestellt. Auf <a href="http://venedig-ebb.blogspot.de/2014/06/die-biennale-2014-ist-leer.html" target="_blank">Unterwegs in Venedig</a> findet sich ein kleiner Bericht. Kohlhaas versuche unter dem Stichwort „Elements“ die einzelnen Elemente des Bauens in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu zeigen, wie zum Beispiel Türklinken. Doch es bleibe leider bei zusammengewürfelten Einzelteilen. Eine Idee des Ganzen erschließe sich nicht in der Zusammenschau der sehr vielen Elemente. Welches Konzept vermittelt sich, wenn man 300 Türklinken gesehen habe? Wie sind die unterschiedlichen Teile zu bewerten? In Erinnerung blieben allein Details, keine übergeordnete Idee.</p>
<p>Auch <a href="http://www.baumeister.de/biennale-v-utopien/" target="_blank">Sabine Schneider</a> ist kritisch mit diesen „Fundamenten“, die Kohlhaas identifizieren wolle: Es fehle der Bezug zu der jeweiligen Kultur. Indem die Elemente abstrahiert dargestellt werden, scheint gerade der wichtigste Aspekt verloren zu gehen. Wer hat die Türklinken benutzt? Wo ist der kulturelle Zusammenhang? Doch das hier wiedergegebene Problem ist auf der Biennale deutlich zu sehen: Wie gehen die Länder mit ihrem kulturellen Erbe um? Vierzig italienische Architekten, die Kohlhaas ausgewählt hat, beschäftigen sich mit dieser Frage. Gerade Italien ist reich an historischen Gebäuden, besitzt eine ungeheure Menge an Kunstschätzen. Der Blick der Architekten ist dabei ernüchternd. Verfallende moderne Betonbauten werden <a href="http://www.baumeister.de/biennalevi-spiegel/" target="_blank">dort gezeigt</a> oder ein Architekt gesteht seine Irrtümer ein, wenn er die Ruine einer Wohnsiedlung zeigt. Sie wurde gebaut, als auf Sardinien ein G8-Gipfel geplant wurde. Doch der fand dann dort gar nicht statt, und so zerfallen nun die Gebäude – ohne dass darüber diskutiert oder die Fehler öffentlich besprochen worden seien.</p>
<p>Ortswechsel: Im ostwestfälischen Höxter freut sich die Museumsleiterin des Kulturkreises Höxter-Corvey, dass das Westwerk und die ehemalige Klosterstadt Corvey nun zum Weltkulturerbe zählen. Die <a href="http://www.die-ostwestfalen.de/staedte/hoexter/reichsabtei-corvey-ist-unesco-weltkulturerbe/" target="_blank">Ostwestfalen</a> erinnern an die Geschichte des Klosters, das von Karl dem Großen gegründet wurde. Vor allem das Westwerk der Klosterkirche, das heißt, der bauliche Abschluss der Kirche nach Westen, gilt als herausragend, da sich aus der karolingischen Zeit kaum vergleichbares erhalten habe. Dieser gewaltige einmalige Bau sei unbedingt zu bewahren.</p>
<p>Corvey wird sicherlich touristisch bedeutsamer werden als es bislang war. Die Menge der Besucher solcher historischer Gebäude weist darauf hin, dass die Bautradition sehr wohl wahrgenommen und geschätzt wird – allerdings, so der Befund der Kritiker, scheinen viele Bauherren daraus die falschen Schlüsse zu ziehen, wenn eine ideale Vergangenheit nur so billig wie möglich zitiert werden soll.</p>
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		<title>Der Wahlsonntag: Neonazis, UKIP und das Tempelhofer Feld</title>
		<link>http://blogumschau.de/2014/05/der-wahlsonntag-neonazis-ukip-und-das-tempelhofer-feld/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 May 2014 07:37:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[cwiebe]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Neonazis]]></category>
		<category><![CDATA[Politikverdrossenheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Wochenende der Europawahlen: Aber war das nun ein Wahlsonntag? War Europa politisiert in diesen Tagen? Europa durchlebt ohne Zweifel eine Krise. Ist die geringe Wahlbeteiligung in vielen Ländern ihr Symptom oder eine ihrer Ursachen? Zeugt die mangelnde Bereitschaft zu wählen von einem Desinteresse an der Europawahl, ist sie Protest <a href=" http://blogumschau.de/2014/05/der-wahlsonntag-neonazis-ukip-und-das-tempelhofer-feld/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Wochenende der <a href="http://blogumschau.de/2014/05/warum-waehlen-die-europawahlen-2014/">Europawahlen</a>: Aber war das nun ein Wahlsonntag? War Europa politisiert in diesen Tagen? Europa durchlebt ohne Zweifel eine Krise. Ist die geringe Wahlbeteiligung in vielen Ländern ihr Symptom oder eine ihrer Ursachen? Zeugt die mangelnde Bereitschaft zu wählen von einem Desinteresse an der Europawahl, ist sie Protest gegen die aktuelle Politik oder sind alle zufrieden und gehen deshalb nicht zur Wahl? Was sagt die Wahlbeteiligung über den „Zustand der Demokratie“ in Europa aus?</p>
<p>Ein Blick von außen: <a href="http://www.juancole.com/2014/05/parliament-elections-euroquake.html" target="_blank">Remy Davison</a> aus Michigan macht sich Gedanken über die Europawahlen: Etwa 43 Prozent Wahlbeteiligung in Frankreich. Er schreibt, dann seien die French Open wohl spannender gewesen. Ihm geht es so, wie vielen Beobachtern in Europa auch, eine einzige deutliche Botschaft ist aus den vielen Wahlergebnissen kaum zu gewinnen. In Frankreich und Großbritannien siegen die Rechtskonservativen, in den Niederlanden verlieren sie deutlich, in Deutschland gewinnen die SPD und die AfD am meisten Stimmen, in Griechenland das Bündnis der Linken. Die politischen Beobachter und Analysten werden in den nächsten Tagen und Wochen viel zu tun haben, um die Ergebnisse zu interpretieren.</p>
<p>Vor allem das Wahlergebnis in Großbritannien ist erstaunlich. Die rechtskonservative Partei UKIP konnte 17 Prozent der Wählerstimmen erreichen und zugleich gingen überhaupt nur 35 Prozent der Briten zur Wahl – was bedeutet das?</p>
<p>Die nationalistischen Töne der Partei, die fordert, dass Großbritannien aus der EU austreten solle, konnten allerdings in vielen Großstädten Englands kaum eine nennenswerte Zahl Wähler erreichen. Auf einem <a href="http://blogs.telegraph.co.uk/news/danhodges/100273114/if-ukip-wants-a-culture-war-with-london-bring-it-on/" target="_blank">Blog des Telegraph</a> denkt Dan Hodges über diese Kluft nach. Er und die anderen Londoner haben offenbar „falsch“ gewählt. Sie wählten nicht die UKIP, doch jetzt müssen sich die Autoren, Publizisten, die zu großen Teilen aus den Großstädten kommen, mit diesem politischen Erdbeben auseinandersetzen, ein Erdbeben, das von den Kleinstädten und der Landbevölkerung ausgeht. Und nun sei durch diese Wahl eine Kluft der Kulturen sichtbar geworden; gar ein Kulturkampf könne sich abzeichnen. Nicht einmal 35 Prozent der britischen Bevölkerung wählten also: Ist die Bevölkerung nicht mehr politisch? Ist da keine Begeisterung mehr für die Demokratie?</p>
<p>Wahlsonntag in Dortmund. Der <a href="http://nordstadtblogger.de/11934" target="_blank">Nordstadtblogger </a>berichtet über einen Angriff von Neonazis auf eine Wahlparty im Dortmunder Rathaus. Der verbotene „Nationale Widerstand Dortmund“ und andere Faschisten hatten gewaltsam versucht, das Rathaus zu stürmen. Dieser Angriff scheiterte, da sich verschiedene Politiker, Bürger und Antifaschisten den Nazis in den Weg stellten. Unter den Beteiligten gab es Verletzte, die von Sanitätern behandelt werden mussten. Die Neonazis hatten mit Flaschen geworfen und Pfefferspray eingesetzt. Der Nordstadtblogger feiert den gelungenen Widerstand der „Demokraten“. Gut auch, dass so viele Augenzeugen zugegen waren, die nun die Täter identifizieren konnten. Es war also ein Sieg der Demokraten, die sich den Faschisten entgegenstellen, wenn es darauf ankommt. Kein Rechtsrutsch findet statt, wenn sich die Demokraten gemeinsam gegen die Neonazis wehren. Das könnte dann aktive Demokratie genannt werden, Politisierung auf der Straße.</p>
<p>Teile der Berliner Bevölkerung sahen dem Wahlsonntag mit Spannung entgegen. In vielen deutschen Gegenden waren nicht nur Europawahlen, sondern andere Wahlen, wie zum Beispiel Kommunalwahlen in NRW, kamen hinzu oder, wie in Berlin, ein Volksbegehren in Sachen Tempelhofer Feld. Eine deutliche Mehrheit sprach sich gegen die Bebauung des ehemaligen Tempelhofer Flughafens aus, der eine unvergleichlich große Brachfläche in Berlin darstellt. Der Volksentscheid hatte in Berlin viele Bürgerinnen und Bürger politisch mehr erhitzt als die Europawahl. Klaus Wowereit und die SPD sprachen sich für eine Randbebauung des Tempelhofer Felds aus, nun haben sich die Gegner durchgesetzt. Auf dem Blog <a href="http://dany1705.wordpress.com/2014/05/26/volksentscheid-zum-tempelhofer-feld-2/" target="_blank">Creative Look</a>, der eigentlich nicht politischen Themen gewidmet ist, freut sich Dany darüber, dass endlich mal etwas erreicht werden konnte – wenngleich sie auch die Stellungnahme eines SPD-Politikers registriert, nun könnten eben keine Wohnungen für mittlere und niedrige Einkommen gebaut werden. Da werde den Befürwortern des Volksbegehrens – unfairerweise – die Schuld für die Gentrifizierung zugewiesen.</p>
<p>Eine vollkommene Verdrehung der Tatsachen, schreibt <a href="http://www.dondahlmann.de/?p=24548" target="_blank">Don Dahlmann</a> dazu. Das Ergebnis sei gerade zustande gekommen, weil die Berliner mit der Wohnungspolitik in Berlin so unzufrieden seien. Gerade hiergegen zielte diese Wahl. Es ist jedenfalls bemerkenswert: Das Gefühl, durch den demokratischen Volksentscheid etwas erreicht zu haben, bedeutet ausgerechnet, gegen den Willen der regierenden Parteien etwas erreicht zu haben. Sucht man die Demokratie am falschen Ort, wenn man sie bei den <a href="http://blogumschau.de/2014/04/europawahlen-wen-interessierts/">Europawahlen </a>sucht? Ist sie eher bei einem Volksbegehren zu finden? Oder bei den Widerständen gegen die Neonazis auf dem „Platz des Friedens“ in Dortmund.</p>
<p>Der Nordtadtblogger hebt hervor, dass es eben nicht die Polizei war, die die Faschisten gestoppt habe, obwohl der „Sturm auf das Rathaus“ im Vorfeld angekündigt worden war. Siegfried Borchardt, der Spitzenkandidat der Partei „Die Rechte“ hatte diese gewaltsame Aktion auf Facebook für jeden sichtbar angedeutet. Es hätte dann mehr als zwanzig Minuten gedauert, bis überhaupt die Polizei die Bürgerinnen und Bürger vor den Neonazis schützen konnte. Ist „die Demokratie“ vielleicht genau dort zu sehen, wo der Staat nicht ist?</p>
<p>Und so sieht auch Dan Hodges einem möglichen Kulturkampf gelassen entgegen. Er schaut dabei nicht auf die Parteien, sondern auf das multikulturelle London, das nicht dem neuen Nationalismus auf dem Leim gehe. Die Idee eines demokratischen Europas zeigt sich demnach nicht in dieser Europawahl, sie zeigt sich eher in den Reaktionen darauf. Die Londoner wollen in der Mehrheit nicht zu diesen 17 Prozent der UKIP-Wählern gerechnet werden.</p>
<p>Die europäische Krise wird die nächsten Monate sicher bestimmen. Die vielen (gefühlten) Widersprüche, zwischen Großstadt und Landbevölkerung, Staatsapparat und Demokratie, Regierenden und Regierten deuten jedenfalls nicht darauf hin, dass sich die Krisen-Stimmung auflösen würde.</p>
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