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	<title>Blogumschau &#187; Jean-Claude Juncker &#124; Blogumschau</title>
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		<title>Geht Juncker über Bord? Und die europäische Demokratie mit ihm?</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2014 06:35:46 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_364" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/06/Juncker-und-Freunde.jpg"><img class="wp-image-364 size-full" src="http://blogumschau.de/wp-content/uploads/2014/06/Juncker-und-Freunde.jpg" alt="" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">&#8220;Juncker und Freunde&#8221; von Pirapakar Kathirgamalingam.</p></div>
<p>Es hätte doch alles so einfach sein können. Je nachdem wer bei den Europawahlen die meisten Sitze im Europäischen Parlament erringt, stellt auch den nächsten Präsidenten der Europäischen Kommission. Die zur Wahl stehende Alternative lautete dann: entweder Jean-Claude Juncker, für die konservativ-christdemokratische „Europäische Volkspartei“ (EVP) oder Martin Schulz, für die „Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten“. So wurde dies der (deutschen) Öffentlichkeit präsentiert und so wurde es auch angeregt diskutiert. Von einem echten europäischen Novum war die Rede, denn bis dato waren es immer die europäischen Staats- und Regierungschefs, die nach der Wahl einen passenden und allseits genehmen Kandidaten unter sich ausbaldowert hatten. Die Implementierung von europäischen Spitzenkandidaten wurde vor diesem Hintergrund als eine Stärkung der europäischen Demokratie interpretiert, als eine Aufwertung der Europawahl und des europäischen Wählerwillens. Nach der Wahl hätte es dann eigentlich schnell gehen können (jedenfalls für europäische Verhältnisse): Die siegreiche EVP hätte Juncker den europäischen Staats- und Regierungschefs im Europäischen Rat vorgeschlagen, diese hätten die Personalie konsequenterweise durchgewinkt und dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt.</p>
<p>Doch so ist es nicht gekommen. Junckers Berufung wird blockiert und sogar offen in Frage gestellt – und zwar auch ganz maßgeblich von konservativer Seite. Insbesondere der britische Premier David Cameron stellte sich nachdrücklich gegen Juncker. Er hält ihn für einen Vertreter von gestern, der Europa nicht mehr repräsentiere. Cameron pocht zudem darauf, dass es auch weiterhin die europäischen Regierungschefs sein müssten, die über die Besetzung der europäischen Spitzenposten zu entscheiden hätten. Einige andere Staats- und Regierungschefs schlossen sich diesem Urteil an. Bundeskanzlerin Angela Merkel agierte in der Sache zögerlich. Erst nach einigem Abwarten unterstützte sie Junckers Ambitionen – wenn auch nicht allzu vehement. Während eines kürzlich im schwedischen Harpsund abgehaltenen „Mini-EU-Gipfels“ sah man Merkel und die Juncker-Gegner Cameron, Mark Rutte (Niederlande) und Frederik Reinfeldt (Schweden) über die Zukunft der EU beratschlagen. Das Bild einer – scheinbar harmonisch verlaufenden – gemeinsamen Ausfahrt im Ruderboot machte schnell in den Medien die Runde.<br />
Wie ist es bei all dem um die europäische Demokratie bestellt. Steht und fällt sie mit der Nominierung Junckers zum Kommissionspräsidenten?</p>
<p>Dass die Infragestellung und mögliche Nichtnominierung Junckers zur Schicksalsfrage für Europas Zukunft und Demokratie hochstilisiert wird, findet Meister Petz auf <a href="http://zettelsraum.blogspot.de/2014/06/demokratie-dein-name-sei-juncker.html" target="_blank">Zettels Raum</a> merkwürdig. Es gäbe ja durchaus gute Gründe die Eignung Junckers in Zweifel zu ziehen. In einigen Ländern hätte er gar nicht zur Wahl gestanden, außerdem sei Junckers Demokratieverständnis in mancherlei Hinsicht fragwürdig. An der demokratietheoretischen Überhöhung der Debatte um Juncker könne man ablesen, dass die Idee und das Verständnis eines europäischen Parlamentarismus auf tönernen Füßen stehe. Die EU gebe das einfach (noch?) nicht her. Die verschiedenen Staats- und Regierungschefs seien eben immer auch – oder zuallererst – ihren jeweiligen nationalen Wählern gegenüber verpflichtet und stellten die souveränen und partikularen Interessen ihrer Länder innerhalb Europas auch weiterhin in den Vordergrund.</p>
<p>Auf den <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=22001" target="_blank">NachDenkSeiten</a> wundert sich Albrecht Müller über den von verschiedenen fortschrittlichen bzw. linken Intellektuellen unterschriebenen Appell, der die Nominierung Junckers zum obersten demokratischen Gebot für Europa erklärt. Dass es bei der Nominierung Junckers um die Wahrung guter demokratischer Gepflogenheiten gehe, findet Müller lachhaft. Gerade Juncker sei doch als langjähriger Ministerpräsident der luxemburgischen Steueroase maßgeblich mit daran beteiligt gewesen die demokratische Willensbildung in Deutschland – im Zusammenhang mit der neoliberalen Neuordnung der Medienlandschaft in den 1980ern – zu unterhöhlen. Außerdem gelte auch nicht generell, wie es in dem Appell zu lesen ist, dass die stärkste Partei im Parlament mit der Regierungsbildung betraut werden müsse. Schließlich könnte ja auch die parlamentarische Gegenseite eine tragfähige Koalition schmieden, wenn die Mehrheitsverhältnisse dies zuließen. Demokratische Willensbildung gehe eben auch anders – <em>auch</em> in Europa.</p>
<p>Eric Bonse nimmt auf <a href="http://lostineu.eu/ein-gefaehrlicher-weg/" target="_blank">Lost in EUrope</a> an etwas Anderem Anstoß: Wer habe denn, so fragt Bonse, die kleine konservative Bootstruppe in Schweden dazu ermächtigt über die zukünftige Ausrichtung der EU zu entscheiden und sich – hinsichtlich des Zurückdrängens Junckers – über den Willen der Wähler und der EVP hinwegzusetzen? Und nicht Merkel solle nach der Europawahl zwischen den Positionen vermitteln, sondern eben Juncker oder Herman van Rompuy, der Präsident des Europäischen Rates. Das von den vier Staatschefs in Schweden propagierte neoliberale Programm für Europa sieht Bonse zudem äußerst kritisch: Es biete keine Lösung für die vielen europäischen Probleme, sondern führe die EU in eine gefährliche Sackgasse.</p>
<p>Hans Hütt macht sich auf dem Blog <a href="http://www.anlasslos.de/?p=488" target="_blank">anlasslos</a> Gedanken über die Ikonographie der medial inszenierten Bootsfahrt der vier Regierungschefs in Schweden. Die mutmaßlichen PR-Ziele, die hinter dem Bild stehen mögen, sieht er als grundlegend gescheitert an. Die Beteiligten hätten wohl vergessen, in welcher Tradition ein solches Bildnis stehe: Es gehe um Leben und Tod, ums Überleben in gefährlichen Gewässern; die auf dem Bild deutlich zu erkennenden Schutzwesten würden dies nur allzu deutlich machen.</p>
<p>Um im Bild zu bleiben: Die EU befindet sich nach den Europawahlen in unruhigen, äußerst aufgewühlten Gewässern. Das lange Hauen und Stechen um Juncker wird die Lage sicherlich nicht gerade beruhigen. Einige grundlegende Dinge gilt es zu klären, etwa ob die EU mehr echte demokratische Elemente braucht und wie diese dann auszugestalten und umzusetzen wären. Wenn man die Gelegenheit zur breiten Debatte darüber nun verstreichen lässt – die beginnende <a href="http://blogumschau.de/2014/06/ein-fussballfest-fuer-alle-die-wm-in-brasilien/" target="_blank">Fußball-WM</a> bietet ja bestes Ablenkungspotential – könnte dies langfristig folgenschwere Konsequenzen für das europäische Gemeinschaftsprojekt haben.</p>
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		<title>Warum wählen? Die Europawahlen 2014</title>
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		<pubDate>Thu, 22 May 2014 13:22:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[jwalter]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Europawahlen haben begonnen, aber so manch ein potentieller Wähler kann sein Gähnen nicht unterdrücken. Dabei stehen viele drängende Themen und Probleme auf der europäischen Agenda: Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht nachhaltig aufgearbeitet oder überwunden, die Jugendarbeitslosigkeit – vor allem in Südeuropa – ist nach wie vor erschreckend <a href=" http://blogumschau.de/2014/05/warum-waehlen-die-europawahlen-2014/ "> &#8230;weiterlesen</a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Europawahlen haben begonnen, aber so manch ein potentieller Wähler kann sein Gähnen nicht unterdrücken. Dabei stehen viele drängende Themen und Probleme auf der europäischen Agenda: Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht nachhaltig aufgearbeitet oder überwunden, die Jugendarbeitslosigkeit – vor allem in Südeuropa – ist nach wie vor erschreckend hoch, außenpolitisch hat man bislang keine (gute) Antwort auf die Ukraine-Krise gefunden, zudem bewegen die Verhandlungen zum transatlantischen Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) zunehmend die Gemüter. Doch all dies scheint die breite Masse der europäischen Bürger nicht wirklich zu interessieren und an die Wahlurnen zu treiben. Ein Rückgang der ohnehin schon niedrigen Wahlbeteiligung und ein gleichzeitiger Stimmenzugewinn europa- bzw. EU-skeptischer Parteien wird erwartet (in der Niederlande, wo bereits gewählt wird, zeichnet sich derzeit eine geringe Wahlbeteiligung ab). Und das obwohl der Aufwand, der für die Mobilisierung der Wähler betrieben wurde, in diesem Jahr beachtlich war: Neben den üblichen Wahlplakaten, Werbespots und Wahlkampftrupps, wurde in der Tages- und Wochenpresse und auf diversen Seiten im Internet der Europawahlkampf begleitet und die Bedeutung der Wahlen betont. Unschlüssige konnten wieder den Wahl-O-Mat zu Rate ziehen. Zudem gab es gleich mehrere TV-Veranstaltungen, die den SpitzenkandidatInnen der verschiedenen Fraktionen des Europäischen Parlaments die Möglichkeit bot, ihre Positionen deutlich zu machen und voneinander abzugrenzen. Die Spitzenkandidaten der beiden größten Fraktionen, Jean-Claude Juncker (Europäische Volkspartei, EVP) und Martin Schulz (Partei der Europäischen Sozialisten, PES) traten hierzulande gleich in zwei Duellen zur besten Sendezeit gegeneinander an. Von der Zuspitzung auf ein solches Duell erhofften sich viele einen Politisierungsschub des Wahlkampfs. Doch die Einschaltquoten waren ernüchternd.<br />
Warum mangelt es an Interesse für europäische Politik und insbesondere für die Wahlen zum Europäischen Parlament?</p>
<p>Im Hinblick auf das TV-Duell zwischen Juncker und Schulz konstatiert Eric Bonse auf <a href="http://lostineu.eu/kein-streit-keine-hoffnung/" target="_blank">Lost in EUrope</a>, dass die beiden Kontrahenten einfach zu häufig einer Meinung gewesen seien. Anstatt die Konfliktlinien zu markieren und prägnant herauszuarbeiten, hätten Juncker und Schulz etwa das Thema der (Jugend-) Arbeitslosigkeit allzu vorsichtig angepackt. Streit sei so kaum aufgekommen, doch gerade Dissens und das Aufzeigen von echten bzw. gangbaren Alternativen wären nötig, um die Wähler zu mobilisieren.</p>
<p>Auch Johan Schloemann kritisiert auf dem <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/ard-wahlarena-alles-sehr-deutsch-1.1970933" target="_blank">Europawahl-Blog</a> der Süddeutschen Zeitung, dass es bei dem TV-Duell zwischen Juncker und Schulz zu wenig zu einem echten Streitgespräch gekommen sei und dass die ganze Veranstaltung überdies viel zu vorhersehbar gewesen sei. Damit sei man weder der altehrwürdigen europäischen Debattenkultur gerecht geworden, noch dem amerikanischen Vorbild des Town Hall Meetings. Dass die Zuschauer des Duells zudem den Eindruck gewinnen mussten, dass die Umsetzung der recht kargen europäischen Zukunftsvisionen der beiden Kandidaten höchst ungewiss und undurchschaubar sei, wertet Schloemann als ein schlechtes Zeichen. Europa erscheine so wesentlich schwächer und machtloser, als es in Wirklichkeit sei.</p>
<p>Hans-Martin Tillack zieht aus der Zuspitzung des Wahlkampfs auf Juncker und Schulz für sich den Schluss, erst gar nicht zur Europawahl zu gehen. Auf einem <a href="http://blogs.stern.de/hans-martin_tillack/warum-ich-nicht-zur-eu-wahl-gehe/" target="_blank">Blog des Sterns</a> stellt Tillack fest, dass beide Kandidaten für ihn nicht wählbar seien. Nicht nur seien sie nahezu ununterscheidbar in ihren Positionen, sie stünden auch für ein altes, verkrustetes, nur mäßig demokratisches Europa, das es zu überwinden gelte. Da doch nur Juncker oder Schulz realistische Siegchancen hätten, will Tillack der Wahlkabine fernbleiben und setzt seine Hoffnung stattdessen auf die nächsten Europawahlen im Jahr 2019.</p>
<p>Das Bild, das die EU vor ihren BürgerInnen abgebe, beschreibt Jörg Wellbrock auf <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/129463/das-eu-parlament-party-keller-fuer-europas-rechte" target="_blank">Der Spiegelfechter</a>, als ein einigermaßen trostloses. Das zu wählende Europäische Parlament sei immer noch in vielerlei Hinsicht äußerst limitiert in seinen Möglichkeiten. In Fragen der Gesetzgebung, des Haushalts oder beim Personal, sei es ebenso beschränkt, wie bei der Außen- und Sicherheitspolitik. Warum dann überhaupt wählen gehen, wenn das Parlament doch kaum Befugnisse hat? Wellbrock kommt zu dem Schluss, dass man auch dann den – erwartet starken – rechten und europaskeptischen Parteien das Feld nicht überlassen dürfe, wenn das Parlament nur beschränkte Möglichkeiten habe. Denn wie dies in der Zukunft aussehe, sei ja wieder eine ganz andere Frage.</p>
<p>Patrick Schreiner sieht in den möglichen massiven Zugewinnen rechtspopulistischer und europaskeptischer Parteien ein fatales Zeichen für Europa. Dem gelte es etwas entgegenzusetzen, auch an der Wahlurne. Auf der Seite <a href="http://www.annotazioni.de/post/1385" target="_blank">annotazioni.de</a> führt er gleich mehrere Gründe an, warum man zur Europawahl gehen sollte. So verweist er darauf, dass das Europäische Parlament in der Vergangenheit durchaus auch Erfolge zu verzeichnen gehabt hätte und sich auch gegen die europäischen Regierungschefs und die Europäische Kommission durchsetzen konnte. Europa bräuchte eben (noch) mehr Demokratie und da das Europäische Parlament die einzige demokratisch legitimierte Instanz der EU sei, müsse man diese stärken, auch wenn Schreiner eine Veränderung der internen Mehrheiten, hin zu einer deutlichen Abschwächung marktradikaler Positionen, als dringend wünschenswert erachtet.</p>
<p>Wahlen sind ein <a href="http://blogumschau.de/2014/05/die-alte-hoffnung-auf-veraenderung-wahlen-im-irak-in-mazedonien-und-schongau/" target="_blank">paradoxes Thema</a>. Die einen streiten vehement für das Recht wählen zu dürfen, eine zunehmende Zahl derjenigen, die das Recht haben, sehen Wahlen als nutzlos an und verzichten auf ihr Recht. Politik- und Wahlverdrossenheit ist wahrlich kein neues Phänomen, auf der europäischen Ebene aber scheinbar <a href="http://blogumschau.de/2014/04/europawahlen-wen-interessierts/" target="_blank">besonders virulent</a>. Zu kompliziert erscheinen hier die Zusammenhänge, zu undurchschaubar die Verantwortlichkeiten, zu schwach ausgeprägt das demokratische Element. Ob der Verzicht zur Wahl zu gehen hier weiterhilft, muss in jedem Fall in Frage gestellt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die EU-BürgerInnen entscheiden werden.</p>
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