Über Entwicklungen im Fernsehen: Joko und Klaas suchen den besten Freund

Am vergangenen Samstag lief auf ProSieben die erste Ausgabe von „Mein bester Feind“. Das wäre erstmal nichts Besonderes, werden doch immer wieder neue Formate im Fernsehen ausgetestet, wenn nicht Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt die Moderatoren wären, die zuletzt als Retter des deutschen Fernsehens ausgerufen wurden. Das Format wurde also mit einiger Spannung erwartet und löste im Anschluss vor allem bei Twitter ein enormes Echo aus.

Das Showkonzept ist einfach und wurde von Joko und Klaas ähnlich in deren Sendung „Circus Halligalli“ durchgespielt. Für den Gewinn eines Fernsehers musste der beste Freund des Kandidaten eine Aufgabe bestehen, wie zum Beispiel unter einem Gletscher durchtauchen. Der gewonnene Fernseher konnte dann in der Show wieder gesetzt werden, um nach einem bestandenen Parcours einen Porsche 911 zu gewinnen. Dieser Parcours hatte es dann in sich: Matheaufgaben lösen, während Scooter-Frontmann HP Baxxter Zahlen shoutet – ein Spaß. Eine Aufgabe bestand allerdings darin, sich vor laufender Kamera ein Tattoo stechen zu lassen. Vier Motive standen zur Auswahl, wie ein besoffener Esel auf einem Skateboard, den Klaas Heufer-Umlauf gezeichnet hatte. Und, ja, tatsächlich dieser Esel ziert jetzt den Fuß des Freundes des glücklichen Porsche-Gewinners und auch den Po eines unglücklichen Verlierers.

Der reDDakteur lobt vor allem den Auftritt von Max, der am Ende den Porsche für seinen Freund gewinnen konnte. Er musste bei einer Show des Rappers Kollegah live rappen. Der Text, den er dafür lernen musste, stammte von Klaas und bestand vor allem aus Beleidigungen des Kollegah-Publikums und den Dresdnern allgemein. Vollkommen sinnlos, aber beste Samstagabend-Unterhaltung lautet das Fazit des reDDakteurs. Klaas und Joko würden wohl zu Recht als Erben von Thomas Gottschalk und Stefan Raab gehandelt.

Die Quote allerdings war bescheiden, wie auf klatsch-tratsch festgehalten wird. Nicht einmal 2 Millionen Zuschauer sahen die Sendung, was deutlich unter den Erwartungen lag. Für die Zukunft des Fernsehens ist das dann wohl zu wenig. Das Konzept der Show sei zu durchschaubar gewesen. Die Aufgaben waren so gestellt, dass alle Kandidaten sie bestanden. Das müsse so sein, denn sonst werden sie nicht zum Live-Wettbewerb in der Halle eingeladen. Dazu passt, dass die Aufgaben auffällig an buchbare Abenteuer aus dem Programm von Jochen Schweizers Event-Firma erinnerten. Und eben diese Firma schaltete zahlreiche Werbespots in den Werbepausen.

Marketing, natürlich. Die Fernsehsender suchen nach neuen Möglichkeiten, Werbeeinnahmen zu generieren. Denn nicht allein die Zeitungen und Zeitschriften stehen unter einem zunehmenden Druck durch wegbrechende Werbeeinnahmen, sondern auch die Fernsehsender. Gelungene Ausschnitte werden deshalb längst bei YouTube zweitverwertet. Die kurzen Clips der Teilnehmer in „Mein bester Feind“ bieten sich dafür an. Der „Diss“ auf dem Rap-Konzert von Kollegah hat immerhin schon mehr als 80.000 Klicks.

Nur Kleinigkeiten gegenüber dem Gangnam-Style, dem bislang erfolgreichsten Video auf YouTube, das nun die 2 Milliarden-Grenze knackte. Das nutzte Google für eine Meldung, denn bis vor kurzem war bei etwas mehr als 2 Milliarden Klicks Schluss mit der Zählung. Eine größere Zahl war technisch nicht darstellbar. Daraus ließ sich doch eine Meldung machen, wie „Psy zerstört YouTube“, eine Meldung, die, so ähnlich, viele Medien aufgriffen, klang sie ja äußerst spektakulär. Allerdings handelte es sich bloß um eine Marketing-Meldung, wie Peter Mock in seinem Blog Netz-TV festhält, die den enormen Erfolg von YouTube zur Schau stellt.

Eine geradezu ironische Schleife: Da machen die alten Medien – mehr oder weniger unwissentlich, aber ganz und gar freiwillig – Werbung für den Erfolg von YouTube. Ausgerechnet. Die Zukunft des Fernsehens findet längst im Netz statt, der Erfolg, auch von Joko und Klaas, muss sich auf lange Sicht hier beweisen.

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