„Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“

Der Film „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ von Isabell Šuba ist in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Da ist die Filmidee: Die Regisseurin Isabell Šuba wurde mit ihrem Kurzfilm „Chicca XX Mujer“ 2012 zum Filmfestival nach Cannes eingeladen. Sie war auch dort, allerdings unter einem falschen Namen. Sie akkreditierte sie sich als Filmstudentin, die eine Dokumentation drehen wolle. Die Schauspielerin Anne Haug trat in Cannes als Isabell Šuba auf. Isabell Šuba filmte also die Schauspielerin Anne Haug, die Isabell Šuba in Cannes spielte. An der Seite von Anne Haug spielte der Produzent Matthias Weidenhöfer – sowohl im Film als auch im wahren Leben Produzent. So entstand ein Film, der dokumentarischen und fiktiven Charakter zugleich hat: Dokufiction.

Bemerkenswert auch die Dreh- und Finanzierungsbedingungen, denn gedreht wurde innerhalb von fünf Tagen in Cannes. Die Festivaltermine gaben einen Großteil des Skripts vor. Anschließend wurde der Film durch Crowdfunding finanziert. Mehr als 8000 Euro kamen so zusammen. Die Crowdfunding-Maßnahmen, bei denen via Internet zahlreiche Geldgeber gesucht werden, die ein Projekt mit großen oder sehr kleinen Summen unterstützen können, geraten ja gerade immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Die deutsche Plattform startnext feiert mehr als 1500 erfolgreich finanzierte Projekte aus der Kreativwirtschaft mit einem Volumen von insgesamt 10 Millionen Euro. Die US-Plattform kickstarter erreichte im März sogar die Grenze von 1 Milliarde Doller, wie auf dem Blog Blick Log zu lesen ist.

Und bemerkenswert das Thema. Der Film greift schon in seinem Titel die Sexismus-Debatte auf, die von drei französischen Regisseurinnen angestoßen wurde. 2012 lief in Cannes im Wettbewerb kein einziger Film einer Regisseurin: Männer zeigen ihre Filme.

Auf dem Blog filmosophie wird vor allem die Umsetzung dieses Themas behandelt. Wie subtil Isabell Šuba in diesem Film vorgehe, wenn sie beispielsweise eine Party zeige, in der Frauen die Angeblickten sind und Männer die Blickenden, wird auf filmosophie gewürdigt. Der Film stelle dar, er führe vor Augen, mache in seiner dokumentarischen Art auf einen sexistischen Umgang bei den Filmfestspielen aufmerksam, aber moralisiere nicht. Das sei eine große Stärke dieses Films von Šuba.

Ein etwas anderer Schwerpunkt wird auf electru gesetzt, wenn der Film als eine Geschichte über Durchsetzungsvermögen verstanden wird. Die Protagonistin beginne an der Welt zu zweifeln, die sie umgibt, wofür dann auch die Ungleichbehandlung der Geschlechter stehen kann. Sie zweifelt an sich selbst, es ist ihre Unsicherheit als Frau in der Männerdomäne „Film“ und ihre Unsicherheit als junge Regisseurin, die nun in der „Glitzerwelt“ anzukommen glaubt, aber stattdessen ihr Apartment mit Festivalgästen teilen muss.

„Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ eröffnete gerade das 10. Filmfestival „Achtung Berlin“, das ausschließlich Filme zeigt, die in der Hauptstadtregion produziert worden sind. Damit schließt sich auch ein selbstreflexiver Kreis. Der Film über ein Festival wird auf einem Festival gezeigt. – Und es ist der einzige Film im Wettbewerb von einer Frau.

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