Leben im Krieg: Stationen in Israel, dem Irak und der Ukraine

täglich Brot

“Täglich Brot” von Pirapakar Kathirgamalingam.

Noch immer bestimmen Krisen die Nachrichten. Ständig sind neue Meldungen zu hören, die im Zusammenhang mit den Krisen im Irak, Israel oder der Ukraine stehen. Es ist schwierig, den Überblick zu behalten und das politische Weltgeschehen zu ordnen. Die Nachrichtenlage ist kompliziert, und das gilt bereits für jedes einzelne Ereignis. Eine besondere Schwierigkeit erwächst, sobald der Blick sich auf die Ereignisse vor Ort, auf die betroffenen Menschen richtet. Wem kann man glauben? Was sollen bestimmte Meldungen bezwecken? Es ist problematisch, hier am Schreibtisch zu entscheiden, auf welche Blogs verwiesen werden soll. Die Meldungen sind für uns nicht zu überprüfen – auch wenn wir natürlich versuchen, seriöse Quellen auszuwählen.

Dem Problem sind alle, die journalistisch arbeiten, ausgesetzt. Und in Krisenzeiten, in Kriegen verschärft es sich. Richard C. Schneider erläutert das in dem Blog des ARD-Studios Tel Aviv. Agenturbilder, so die Erkenntnis der Journalisten vor Ort, sind nicht verlässlich. Nachrichten und Bilder, die zum Beispiel in Blogs verbreitet werden, können sowieso nicht geprüft werden. Dabei prägten gerade einzelne Bilder, so Schneider, unser Bild der Krisen. Er nimmt ein drastisches Beispiel: Ein schreiendes palästinensisches Kind gegenüber einem kaum beschädigten Haus in Tel Aviv nach einem Raketenangriff, und sogar die Sonne scheint. Wertungen transportieren sich ungewollt.

In der Blogumschau wissen wir, dass Wertungen transportiert werden. Wir referieren diese, selbst wenn sie zum Teil ganz und gar nicht unsere Ansichten darstellen, woran ich noch einmal erinnern möchte.

Shoshanna Jaskoll wirft in einem Blog der „Times of Israel“ einen Blick auf die vergangenen sieben Wochen in Israel. Sieben Wochen sind vergangen seit die drei israelischen Jugendlichen, Gilad, Naftali und Eyal, entführt worden sind. Auch für Schneider ist diese Entführung das entscheidende Datum. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse.

Jaskoll zeigt Bilder der Solidarität mit dem israelischen Militär. Bilder am Rande des Krieges, dort, wo das Leben im Angesicht des Krieges weitergeht. Friseure und Friseurinnen kümmern sich um die Haarschnitte der Soldatinnen und Soldaten, Getränkeflaschen werden verteilt: Symbolische Akte der Solidarisierung. In einem Krankenhaus ist der gedeckte Festtisch für verletzte Soldaten und ihre Familien zu sehen. Jaskoll erlebt diese Zeit als eine besondere. Sie betitelt ihren Text mit „The Pain & Privilege of Being Israeli“ (Das Leid und das Privileg ein Israeli zu sein). Sie fühlt einen Stolz, da Gräben verschwinden, die sonst das Volk spalten.

Ortswechsel: Anbar, Irak. Al-Iraq Al-Hurr berichtet, wie Menschen Autos als Zuflucht wählen. Trucks, die in bis jetzt ruhigen Gegenden stehen werden als Zufluchtsstätten aufgesucht. Oder Menschen fahren ihre Autos auf abgelegene Parkplätze. Dort haben sie nicht einmal Wasser, doch vielleicht sind sie sicherer als in ihren Häusern. Andere wiederum kehrten – trotz aller Risiken – in ihre Wohnungen zurück. Viele besäßen einfach nicht die Mittel, um die Heimatregion zu verlassen. Dabei sind die Bedingungen, so wird auf Daily Updates from Anbar berichtet, erschreckend. Die Opfer der Region werden auf dem Blog verzeichnet, jeden Tag. Die Kämpfe zwischen den ISIL-Truppen und den verschiedenen Gruppierungen, die Widerstand leisten, fordern täglich Opfer.

Es klingt wie aus einer anderen Welt: ISIL-Kämpfer griffen Haditha an, wo sich ein großer Damm befindet. Der Damm ist bedeutsam für die Wasserversorgung des südlichen Iraks. Der Angriff scheiterte. Al-Iraq Al Hurr weiß von 20 getöteten ISIL-Kämpfern und 14 getöteten Stammeskämpfern. Doch umliegende Gebiete konnten die ISIL-Kämpfer unter ihre Kontrolle bringen. Die Kämpfe werden fortgesetzt.

Den Alltag in einem Land leben, in dem Krieg herrscht oder kriegsähnliche Zustände. Auch in der Ukraine findet das Leben teilweise unter solchen Bedrohungen statt. Martin Dietze, der über die Ukraine bloggt, schreibt entsetzt über Ereignisse im ukrainisch-russischen Grenzgebiet. Russische Soldaten würden zusammengezogen, und sie marschierten auf die ukrainische Grenze zu. Erst kurz vor der Grenze hielten sie inne. Von solchen Scheinangriffen russischer Soldaten wird berichtet und davon, wie russische Raketenwerfer in Stellung gebracht werden. Manch ein Ukrainer wird per Telefon von russischen Bekannten gewarnt, wenn die Raketenwerfer gegen die ukrainischen Dörfer und Städte gerichtet werden. Der Krieg greift in das Leben hinein.

Am 6. August, so ist auf Daily Updates from Anbar zu lesen, geriet das städtische Krankenhaus in Fallujah zum 23. Mal unter Beschuss. Am 6. August starben dort, unter anderen Opfern, auch zwei Mitarbeiter des Krankenhauses und sieben wurden verwundet. Leben im Krieg.

Zurückhaltung scheint angebracht angesichts all dieser Meldungen, angesichts eines Lebens im Krieg. Kein Wunder, so ließe sich folgern, wenn die Betroffenen – und auch betroffene Journalisten – teilweise ihren klaren Blick verlieren. Die westlichen Beobachter sollten jedenfalls, so wie es auch Richard Schneider fordert, sehr umsichtig sein mit ihren Bewertungen der Krisen.

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