Alibaba: Börsengang als Ereignis

Der chinesische Mega-Konzern Alibaba ist seit Freitag an der Börse notiert. Die Dienstleistungen, die Alibaba anbietet, kann man in den westlichen Ländern gar nicht wahrnehmen, die Unternehmensstruktur ist schwer nachvollziehbar, kaum jemand wird hierzulande privat in den Konzern investieren – dennoch ist der Börsengang ein gewaltiges Ereignis. Warum eigentlich?

Der Börsengang von Alibaba wirft die Frage auf, ob die Vormachtstellung der amerikanischen Internetgiganten gebrochen werden könnte. Martin Weigert beschreibt die chinesische E-Commerce-Wirtschaft und hebt die Aufbruchstimmung in Peking hervor. Dass nun Alibaba-Aktien an der New Yorker Börse gehandelt werden, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die Trennung zwischen westlicher und östlicher Internet-Welt vorüber gehe. Auch wenn das nicht heißt, dass nun Alibaba Amazon auf dem amerikanischen Markt bedeutende Anteile wegnehmen könnte. Vielmehr geht es um andere Wachstumsmärkte, wie Brasilien beispielsweise, in denen Amazon noch nicht eine so deutliche Machtposition innehat.

Der Börsengang wurde sicherlich auch so intensiv in den Medien diskutiert, weil die Alibaba-Aktien an der New Yorker Börse gehandelt werden. Ursprünglich bestand der Plan, wie Alex Hofmann auf dem Blog Gründerszene schreibt, in Hongkong an die Börse zu gehen. Doch die Börse von Hongkong akzeptierte die Pläne des Alibaba-Gründers Jack Ma nicht. Ma räumt den Aktionären keinerlei Rechte ein, das Sagen im Konzern haben weiterhin er und 26 Partner. Was in Hongkong nicht akzeptiert wurde, stellt an der New Yorker Börse kein Problem dar. Ähnliche Strukturen gibt es beispielsweise bei Amazon und Google.

Dirk Elsner fragt auf BlickLog, wie es zu dem Hype um die Aktie kommen konnte. Auf welchen Annahmen basiert dieser Hype? Wie kommen die Erwartungen der Aktionäre zustande? Die Aktie legte gleich am ersten Handelstag gewaltig zu. Der gigantische Börsengang hat einen Run ausgelöst. Elsner hat das erwartet, zeigt aber auch, dass die so hoch gehandelte Aktie sehr anfällig für Wachstumsdämpfer sei. Er würde keine Aktien von Alibaba halten.

Auch auf Kutzer Live werden die Risiken der Aktie hervorgehoben. Es sei eine Anlage für „risiko-tolerante“ Anleger. Und es sei eine Wette auf die Stärke des chinesischen Marktes. Das heißt im Umkehrschluss: Am Aktienkurs von Alibaba lässt sich ablesen, wie groß der Glaube daran ist, dass die chinesische Wirtschaft tatsächlich die amerikanische Wirtschaft einholen kann.

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