Gegen den Mainstream: Der Indiebookday 2014

9 Milliarden Euro setzen die Verlage und der deutsche Buchhandel pro Jahr um. Der Buchmarkt ist in Deutschland noch immer ein starker Markt. Doch seit einigen Jahren kristallisiert sich ein deutlicher Trend heraus: Einige wenige Bücher machen einen immer größeren Anteil des gesamten Absatzes aus. Die Bestseller bestimmen das Geschäft. Man sieht sie in den Buchläden der großen Ketten, in denen die verkaufsstarken Buchtitel meterhoch aufgestapelt werden.

Es gibt also sehr viele Bücher, die nur in niedrigen Auflagen produziert werden und einen geringen Absatz finden, und einige Bestseller, die für sehr große Umsätze und Gewinne sorgen. Der Anteil der Bücher, die in einem mittleren Segment liegen, die sich also gut verkaufen, den Verlagen Gewinn bringen und damit das Geschäft stützen, wird immer geringer. Das liegt kaum an der mangelnden Qualität oder am fehlenden Angebot unterschiedlicher Bücher. Der Markt ist riesig. Doch der Mainstream beherrscht den Buchverkauf immer stärker.  Dieser Trend wird sehr kritisch beobachtet.

Vor einem Jahr hatte Daniel Beskos vom mairisch-Verlag die Idee, einen Indiebookday ins Leben zu rufen. Wie diese Idee entstand, erzählt er selbst in einem Interview auf dem Blog Zeilensprünge. Aus einer Facebook-Einladung und einer kleinen Internetseite, auf der der Indiebookday skizziert ist, wurde ein Event, das in diesem Jahr zahlreiche Buchhändler unterstützen.

Die Idee ist ganz einfach: Man kauft in einem Buchladen ein beliebiges Buch eines Independent-Verlags und veröffentlicht – zum Beispiel auf Facebook oder auf einem Blog – ein Foto von sich und dem Buch. Das ist ein Statement für die kleinen unabhängigen Verlage und damit zugleich eine gute Werbung. Vor allem Werbung für die Vorstellung, dass kleine Verlage wichtig sind für die deutsche Buchlandschaft.

Auf litaffin lassen sich beispielsweise einige dieser Bilder finden, zusammen mit persönlichen Sätzen, warum gerade dieses Buch gekauft wurde. Das unabhängige Verlagswesen sollte damit gefeiert werden. Doch was ist ein Independent-Verlag überhaupt? Die Kurt-Wolff-Stiftung, die jedes Jahr einen Preis an herausragende unabhängige Verlage vergibt, hat einen Kriterien-Katalog vorgelegt und auch eine Liste unabhängiger Verlage erstellt. Die Kriterien wurden immer wieder in verschiedenen Blogs diskutiert und die Liste erweitert. Wibke Ladwig geht auf Sinn und Verstand auf die Diskussion ein und hat auch eine (unvollständige) Liste mit etwa 100 Verlagen veröffentlicht.

Tragend ist jedenfalls die Überlegung, dass kulturelle Vielfalt etwas Wünschenswertes sei. Gerade im Bereich des Kulturgutes „Buch“ wirken Großkonzerne mit ihrer Konzentration von Marktmacht offenbar bedrohlich. Die Ankündigung von Amazon, dass der Konzern nun ein deutschsprachiges Verlagsprogramm aufbauen wolle, erregte deshalb einige Aufmerksamkeit, wie auf Literaturwelt nachzulesen war. Die Ankündigung fiel zur Zeit der Leipziger Buchmesse.

Auch der Indiebookday, der am Samstag nach der Buchmesse stattfand, versucht diese mediale Aufmerksamkeit, die der Literatur Ende März gilt, zu nutzen. Die Leipziger Buchmesse führte beides vor Augen: den riesigen Buchmarkt, den Hype um Bestseller und ihre Autoren – und zugleich die enorme Vielfalt.

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