Das Feuilleton, die Literaturblogs und Elke Heidenreichs Irrtum

Elke Heidenreich irrte sich. Im „Literaturclub“ zitierte sie Martin Heidegger. Heidegger wird derzeit stark diskutiert, denn die Veröffentlichung der sogenannten „Schwarzen Hefte“ soll, so scheint es fast, endlich die Frage klären, ob der große Philosoph denn nun heilloser Antisemit gewesen und deshalb zu verdammen sei – oder eben nicht.

Heidenreich zitierte Heidegger „die verborgene Deutschheit müssen wir entbergen“, und fügte an, „und das tun wir, indem wir die Juden endlich beseitigen aus Deutschland.“ Der Moderator Stefan Zweifel merkte an, dass dies so aber nicht in dem gemeinten Buch stehe. Ein scharfes „Doch!“, und dann warf sie das Buch auf den Tisch, der in der Mitte stand. Es gab einen Eklat um das falsche Zitat Heidenreichs und die irritierende Suspendierung des Moderators, der ja Recht gehabt hatte. Auf dem Umblätterer geht Josik auf diesen Eklat ein.

Das ist also professionelle Literaturkritik. Oder: Das ist auch professionelle Literaturkritik, es ist eben nicht nur die treffende, brillante Kritik, wie manches Mal zum Beispiel im Feuilleton der FAZ zu lesen ist.

In Göttingen fand zu der Frage, ob Buch-Blogger die neuen Meinungsmacher in der Literaturszene seien, eine Diskussion statt. Auf Buzzaldrins Bücher wurde ein kleiner Bericht zu der Veranstaltung veröffentlicht, der offenbar ins Schwarze traf. Eine Flut an Kommentaren und eine Menge neuer Artikel erschienen, die sich dem Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven widmeten. Woran hatte dieser Text gerührt?

In der Diskussion, so ist auf “Buzzaldrins Bücher” zu lesen, kamen die Blogs nicht gut weg. Schlechte Nachahmungen des Feuilletons, keine Innovationen, nur banales Loben der neuesten Bestseller, kurzum: Dilettantismus.

Auf literaturgefluester geht Eva Jancak diesem Begriff des Dilettantismus nach. Sie zeigt, wie irreführend dieser Begriff sei. Das werde der heterogenen Szene der Bloggerinnen und Blogger überhaupt nicht gerecht, die teilweise sehr wohl Literatur studiert haben – also eine professionelle Ausbildung vorweisen können – oder aber mit ihren Literaturkritiken auf den Blogs Geld verdienen. Das wäre ein anderes Kriterium für Professionalität.

Fast scheint es, als vergleiche man das Feuilleton der FAZ gerade mit sehr einfachen, banalen Literaturblogs, die es zweifelsohne gibt. Auf literaturen findet sich der treffende Hinweis, dass Qualitätsschwankungen nun keine besondere Eigenschaft von Literaturblogs sind. Die gebe es überall – wohl auch bei Elke Heidenreich.

Petra Gust-Kazakos versucht deshalb den Blick auf die, ihrer Ansicht nach, ganz unterschiedlichen Gattungen, Literaturbesprechung im Feuilleton und Literaturbesprechung im Blog, zu lenken. Blogs leisten etwas anderes als die Feuilletons. Sie widmen sich beispielsweise Nischenthemen, wie der Literatur eines bestimmten Landes, oder sie bestechen durch einen sehr subjektiven Zugang. Da könne dann überhaupt nicht von einer Nachahmung des Feuilletons gesprochen worden. Und so großartig das Feuilleton und die professionelle Literaturkritik oft sind – nicht alles erscheint hier nachahmenswert.

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