Der Preis der Leipziger Buchmesse 2015

Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse wurden in diesem Jahr stärker von Bloggerinnen und Bloggern begleitet. Die Leipziger Buchmesse wählte „Bloggerpaten“ aus, die sich jeweils einem nominierten Werk mit einer Besprechung zuwenden sollten. Das zeigt die wachsende Bedeutung der Literaturblogs für den „Literaturbetrieb“, die damit stärker eingebunden sind. Außerdem ist auf diese Weise gewährleistet, dass alle nominierten Bücher auch in den Blogs eine gewisse Aufmerksamkeit erlangen – und zwar schon im Vorfeld der Preisverleihung.

Am Donnerstagnachmittag fand nun die Preisverleihung statt. Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2015 in den drei Kategorien sind: Mirjam Pressler für die Übersetzung von Amos Oz „Judas“ (Suhrkamp), Philipp Ther für das Sachbuch „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent“ (Suhrkamp) und Jan Wagner mit seinen „Regentonnenvariationen“ (Hanser Berlin) im Bereich Belletristik.

Schon die Nominierung Wagners hatte für Erstaunen gesorgt. Denn bislang war im Bereich Belletristik noch nie ein Gedichtband auf die Liste der Nominierten gelangt. Der „Bloggerpate“ für Jan Wagners „Regentonnenvariationen“ ist Tobias Nazemi, der den Blog Buchrevier betreibt, auf dem er sich sonst eher Prosa zuwendet. Die Besprechung, die Nazemi Wagners Band gewidmet hat, ist eine offene Schilderung, wie er beginnt, Vorurteile abzubauen und sich bemüht, die Lyrik Wagners wirken zu lassen. Er fängt damit an, laut zu lesen und zieht sich dafür zurück. Er liest die Gedichte wieder und wieder. Und der Versuch gelingt: Nazemi erlebt diese „Reise“ als großes Glück und als einen Erkenntnisgewinn über sich selbst, indem er sich beim Lesen der Verse Wagners beobachtet und sich selbst zuhört.

Für Matthias Hagedorn war die Nominierung Wagners konsequent, denn der Leipziger Buchpreis schließt auch die Gattung der Poesie ein. Und dann sei Wagner eine glückliche Wahl, weil er den Umgang mit den traditionellen Gedichtformen beherrsche und zugleich eine Entdeckungsreise in unsere (Um-) Welt unternehme.

Hagedorn erinnert außerdem an die Worte Hubert Winkels, der noch 2012 sagte, der Leipziger Buchpreis erreiche ein großes Publikum und ein exotischer Weg sei deshalb nicht ratsam. 2015 scheinen Wagners „Regentonnenvariationen“ jedenfalls nicht zu exotisch zu sein, sondern der Lyrik-Band ist für die Jury offenbar der richtige Preisträger, obwohl die Lyrik in Deutschland derzeit wenig gelesen wird.

Die Buchhändlerin Sophie Weigand, die auf Ihrem Blog Literaturen ebenfalls die Gedichtsammlung Wagners besprochen hat, mutmaßt, dass die Art und Weise, wie Lyrik in der Schule vermittelt werde, dazu beitrage, dass später nur wenige Menschen noch Lyrik lesen möchten. Bei Wagner hebt Weigand besonders das Sprachspielerische hervor, die freien Reime und Assonanzen, die den Gedichten ihren Klang verleihen. Ob die Nominierung von Wagners Buch allein dazu beiträgt, dass die Lyrik in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommt, findet Weigand zumindest fraglich.

Nun hat Wagner sogar gewonnen. Ob die deutsche Lyrik, die ohne Zweifel zahlreiche herausragende Stimmen besitzt, nun insgesamtmehr Leserinnen und Leser gewinnen wird, bleibt zwar fraglich. Aber Jan Wagners Gewinn des Preises der Leipziger Buchmesse richtet die Aufmerksamkeit sicherlich für einen Moment lang auf einige dieser Werke.

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