Irritierende Wissenschaftspreise: Ig-Nobelpreis und Whistleblower-Preis

Wissenschaft ist normalerweise seriös. Von der Ernsthaftigkeit der Forschung hängt schließlich die Glaubwürdigkeit ab. Die zahlreichen Skandale um Doktorarbeitsplagiate, wie zum Beispiel um Guttenberg oder Schavan, haben deshalb nicht nur den betroffenen Personen, sondern auch der Wissenschaft geschadet. Die Forschungspraxis an deutschen Universitäten erschien damit in einem fragwürdigen Licht.

Von ganz anderer Seite wird die Seriosität bzw. werden die Kriterien der Wissenschaft derzeit durch zwei unterschiedliche Preisverleihungen infrage gestellt: Die Ig-Nobelpreise und der Whistleblower-Preis. Die Ig-Nobelpreise wurden gerade zum 25. Mal verliehen, eine Veranstaltung, die besonders kuriose Forschungen auszeichnet und damit auch auf Lacher abzielt.

Auf dem Blog Kotzendes Einhorn sind die Gewinner des Ig-Nobelpreises verzeichnet. So wurde der Chemie-Ig-Nobelpreis für eine Entdeckung verliehen, mit der sich ein Ei wieder „entkochen“ lasse. Der Preis für Physiologie ging an Studien, die den Schmerz von Insektenstichen untersuchten. Ein Bienenstich in den Penis, so die Erkenntnis, sei besonders schmerzhaft.

Die satirische Veranstaltung verunglimpft die Wissenschaft keineswegs, sie wirft vielmehr einen schrägen, unterhaltsamen Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse und auch auf die Kriterien der Wissenschaftlichkeit. Mark Dingemanse, Francisco Torreira und Nick Enfield vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik wurden für ihre Studie ausgezeichnet, in der sie darlegen, dass „Huh“ bzw. „Hä“ ein universales Wort ist. Es kommt in allen Sprachen vor, um bei Verständnisproblemen zurückzufragen. Der Ig-Nobelpreis, so ist auf der Seite der Forscher zu sehen, hat das Interesse an der Forschung noch einmal angefacht. Und selbstverständlich lassen sich vom Spaß an der scheinbar unsinnigen Erkenntnis leicht Linien zu schwierigen wissenschaftlichen Fragen ziehen: Wie die Frage, was denn eigentlich ein „Wort“ sei oder wie Verstehen im Gespräch eigentlich sichergestellt wird.

Die Ig-Nobelpreise, die in Harvard verliehen werden, nehmen sich selbst nicht allzu ernst. Ganz anders verhält es sich mit dem Whistleblower-Preis der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW), den in diesem Jahr, wie bekannt wurde, zu gleichen Teilen Brandon Bryant und Gilles-Eric Séralini erhalten werden. Den Preis für Séralini kritisiert Anna Müllner auf einem Blog von SciLogs scharf.

Séralini hat nachgewiesen, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, besser bekannt unter dem Namen „Roundup“, krebserregend sei. Eine Studie zu Glyphosat, die 2014 erst bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift erscheinen sollte, wurde wieder zurückgezogen. Die VDW hat diesen Schritt der vorläufigen Nicht-Veröffentlichung von Ergebnissen offenbar als Repression interpretiert – so ist auch die Pressemitteilung zum Preis aufzufassen. Ein Fehler erläutert nun Müllner. Die Einwände, die gegen Séralinis Studie vorgebracht wurden, seien gerechtfertigt gewesen. Von „Whistleblowing“ könne überhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil könnte eher Séralinis Unabhängigkeit angezweifelt werden. Glyphosat sei zudem seit langem umstritten – die Forschungen zu diesem Mittel würde jedoch in keiner Weise verhindert, was nur dann auf eine Repression schließen lassen könnte. Die Ergebnisse seien insgesamt völlig falsch gedeutet worden. Grund hierfür sei die fehlende naturwissenschaftliche Bildung derjenigen, die den Preis verliehen, aber auch die Publikationweise in Fachjournalen. Müllner denkt jedenfalls darüber nach, dass es sinnvoll sein könnte, den Artikeln kurze Zusammenfassungen beizugeben, die allgemein verständlich seien.

Von ganz unterschiedlicher Warte aus zeigen beide Preise, der Whistleblower-Preis wie auch der Ig-Nobelpreis, dass es nötig ist, Wege zu suchen, wie die wissenschaftlichen Anliegen und Erkenntnisse für die Gesellschaft übersetzt werden können.

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