Rückblick auf die Leipziger Buchmesse 2015

Die Leipziger Buchmesse ist am Sonntag zu Ende gegangen. Die Preise der Buchmesse wurden vergeben, besonders Jan Wagners Erfolg mit dem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ hallt nach. Der Berenberg Verlag wurde zudem noch am 13. März mit dem Kurt-Wolff-Preis für unabhängige Verlage ausgezeichnet, der mit 26.000 Euro dotiert ist. Die Kurt-Wolff-Stiftung setzt sich für eine „vielfältige Verlags- und Literaturszene“ (Homepage der Kurt-Wolff-Stiftung) ein.

Den unabhängigen Verlagen ist in Leipzig auch das Forum „Die Unabhängigen“ gewidmet, das die Klappentexterin besucht hat und auf ihrem Rundgang über die Buchmesse beschreibt. Sie zitiert den Verleger Stefan Weidle, der das andere Auftreten der kleinen Verlage hervorhob. Weidle ist Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Kurt-Wolff-Stiftung und besonders bestrebt, sowohl die unabhängigen Verlage als auch die kleinen Buchhandlungen zu fördern. Der Kurt-Wolff-Preis, der zu dieser Förderung beiträgt, sichert – neben dem finanziellen Gewinn – den kleinen Verlagen Aufmerksamkeit. Alle Preise, die auf der Messe vergeben werden, haben einen großen Werbeeffekt. Das ist selbstverständlich das Ziel der Messe: Aufmerksamkeit gewinnen! So boten auch die Bloggerpaten, die sich jeweils einem Buch besonders zuwenden sollten, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit im Internet zu steigern. Die Eindrücke der Bloggerpaten fallen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Auf intellectures ist zu lesen, dass die Veranstalter mit der Art und Weise, wie die Blogger einbezogen wurden, fast alles falsch gemacht hätten. Die Blogger seien zu einem sehr niedrigen Preis (zwei Rezensionsexemplare, Gratiskaffee, freier Eintritt und andere kleine Vergünstigungen) allein zu Werbezwecken eingespannt worden. Die Währung, die im Internet allerdings vor allem zählt – Aufmerksamkeit –, sei nur in eine Richtung gewandert. Die Buchmesse habe fast nichts dafür getan, dass die Bloggerpaten gleichfalls Aufmerksamkeit erhielten. Einige der Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse hatten von der gesamten Aktion und den Blogs noch nie etwas gehört – oder wurden allein von ihren Verlagen darauf hingewiesen. Das zeige auch, dass die Literaturblogs noch weit davon entfernt seien, tatsächlich ernstgenommen zu werden.

Andere Bloggerpaten berichten positiv oder sogar begeistert von dieser Aktion, die zum ersten Mal durchgeführt wurde. Auf 54books wird zwar auch angemerkt, dass die Kommunikation im Vorfeld sehr schlecht gewesen sei und die Autoren doch auf die Bloggerpaten hingewiesen werden müssten, aber insgesamt wird die Aktion als Erfolg bewertet. Die Blogger begegneten den Journalisten nun endlich auf Augenhöhe.

Einen Überblick über die Welt der Literaturblogs wurde vor kurzem auf Lesestunden veröffentlicht. Dort sind die Vernetzungen einer sehr großen Zahl der Literaturblogs dargestellt, und die Blogs in eine Reihenfolge gebracht. Fast 700 Literaturblogs sind dort gelistet – und allein diese Zahl zeigt an, dass Literaturblogs insgesamt für den „Literaturbetrieb“ eine Größe geworden sind, über die man kaum hinwegsehen kann.

So sieht das auch der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, der für den Blog Glasperlenspiel13 ein Interview gegeben hat. Es geht darin um die größere Bedeutung und eine langsame Professionalisierung der Literaturblogs, die so für Verlage als Verbreitungskanäle wichtig werden.

Während der Leipziger Buchmesse wurde auch der Tod des bekannten Schriftstellers Terry Pratchett bekannt. Hans-Joachim Backe würdigt den Autor als einen „großen Lehrer“ auf dem Blog literaturundfeuilleton.

Die Leipziger Buchmesse ist vorüber. Verschiedenes ist hängengeblieben, vor allem der Preis für Jan Wagners Gedichtband und die zunehmende Beachtung der Blogs durch den „Betrieb“. Die Nachwirkungen – für die Lyrik einerseits und für die Literaturvermittlung im Internet andererseits – werden sich in der nächsten Zeit zeigen.

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