Zum Tod von Fritz J. Raddatz

Am vergangenen Donnerstag schied Fritz J. Raddatz aus dem Leben. Er war Literaturkritiker, Schriftsteller und zehn Jahre lang, von 1976 bis 1985, Feuilleton-Chef der ZEIT. Aus dem „Literaturbetrieb“ hatte er sich bereits 2014 verabschiedet, vor wenigen Tagen nun wählte er den Freitod in der Schweiz.

Auf dem Blog Literatenwelt ist ein Nachruf erschienen, der einige Stationen seines Lebens nennt und vor allem seinen Einfluss auf das deutsche Feuilleton hervorhebt. Raddatz habe während seiner Arbeit für die ZEIT das literarisch-politische Feuilleton erfunden.

Thomas Schmid erinnert auf seinem Blog der WELT daran, wie sehr Raddatz für die Literatur lebte und wie viel er der Literatur zutraute. Er lebte die Literatur, so Schmid, mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele. Die Literatur allerdings hatte sich im Laufe seines Lebens verändert, so sehr, dass Raddatz offenbar seine Ansprüche nicht mehr verwirklicht fand in dieser Literatur der Gegenwart. Sein Abschied vom Feuilleton und vom gesamten Literaturbetrieb waren insofern keine Kleinigkeit, sondern für ihn, der die Literatur „lebte“ ein starkes Eingeständnis, dass seine Zeit vorüber sei.

Mit Raddatz’ Tod, so Bersarin auf dem Blog Aisthesis, ende eine Epoche des Feuilletons. Sein Stil wirke heute schon, wie aus der Zeit gefallen. Trotz etlicher Fehler im Detail oder zahlreicher allzu eiliger Urteile, so Bersarin, sei Raddatz‘ Blick für ästhetische Details unbedingt hervorzuheben. Und auch sein eigener Stil sei einzigartig gewesen, mit einer besonderen Liebe zur geistreichen Pointe.

Außerdem würdigt Bersarin in seinem Nachruf, wie sehr Raddatz die literarische Landschaft in Deutschland selbst geprägt habe, wie weit sein Blick war, der ganz unterschiedliche Autoren und ganz unterschiedliche Ästhetiken anerkennen konnte: Günter Grass, Elfriede Jelinek, Uwe Johnson oder Thomas Brasch. Raddatz war in der Lage zu differenzieren und genau abzuwägen.

Greogor Keuschnig, der auf dem Begleitschreiben ebenfalls an Fritz J. Raddatz erinnert, befürchtet, die Nachrufe, die nun allerorten erscheinen, seien verlogen. Die Worte „umstritten“ und „streitbar“ würden wohl vor allem von Menschen geschrieben, die keine Ahnung hätten. Keuschnig erwähnt, dass Raddatz nur zwei bedeutende Preise erhalten habe, einen Preis aus Frankreich und den Hildegard-von-Bingen-Preis. Was Raddatz kränkte, so Keuschnig, sei sein eigentlicher Stolz. Und damit wird Raddatz zu einer Figur, die zwar aus der Zeit gefallen war und nicht mehr in das Feuilleton unserer Tage hineinpassen wollte, aber das spricht dann allein gegen das Feuilleton und keineswegs gegen Raddatz.

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